Montag, 13. Oktober 2008

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Projektfahrplan für erstklassige Websites

"Das Internet ist eine Liste", sagt so mancher "Web-zwei-bis-drei-Nuller". Shirley Kaisers Projektfahrplan für erstklassige Websites ist auch eine Liste. Eine Checkliste. Wer in Webprojekten Verantwortung übernimmt, kann in diesem Buch nachschlagen. Es beansprucht zu Recht, eine Produktions- und Pflegehilfe für Webentwickler, Webdesigner, Projektleiter und Auftraggeber zu sein. In sechzehn Schritten wird von den Anfängen bis zur kontinuierlichen Pflege so ziemlich Alles durchdekliniert, was an Handlungen in Produktionsprozessen vollzogen werden muss und kann. Besonders hilfreich ist dabei, dass nicht aufgeblasene Marketingideen oder "photogeshoppte" Design-Gimmicks an erster Stelle stehen, sondern eine teamorientierte Planung, die Zielgruppenbestimmung und vor allem die Sammlung und Erstellung der Inhalte. Diese talent- und contentorientierte Vorgehensweise ist das A und O für das Web der Zukunft. Das ach so entscheidende Layout und Design greift auf Shirley Kaisers sechzehnstufiger Prozessleiter erst auf Sprosse Dreizehn ins Geschehen ein. Das ist kein Wunder, denn wer auf Content setzt wird die Trennung von Inhalt und Präsentation als Selbstverständlichkeit voraussetzen. Und dort rangieren auf den ersten zwölf Sprossen die Aufgaben Organisation, Zielgruppengerechtigkeit, Text- und Bilderstellung, Content Management, Usability, Informationsarchitektur, Navigationskonzepte, Standardkonformität, Accessibility, Ladezeit und Suchmaschinenoptimierung vor dem Design.

Das dritte und das zehnte Kapitel widmen sich den Inhalten. Die Nummerierung ist identisch mit den sechzehn Schritten eines Prozesses. Besonders angenehm ist, dass nicht nur auf Tipps für die Vorab-Archivierung und Organisation eingegangen wird, sondern dass auch immer wieder anleitende Stichworte zur Textgestaltung selbst fallen. In Hinblick auf das Kapitel 10 wird hier bereits der Grundstein gelegt, dass Websites zusätzliche Barrierefreiheit nicht unnötigerweise aufgepfropft werden muss, sondern durch die allgemeine Orientierung eine möglichst hohe Universalität von vorne herein anvisiert wird. Das, was dann noch für die Barrierefreiheit von Nöten ist, macht sich im Aufwand verhältnismäßig gering aus und betrifft die Bedürfnisse von spezifischen Nutzergruppen, die man mit dem (vorab!) erstellten Zielgruppenprofil abgleichen kann. Hier fällt auf, dass es sich nicht nur um einen ausschließlich sprachlichen Ratgeber handelt. Immer wieder warten die Autoren mit ganz konkreten Code- und Produktionstipps auf, die vom tiefen Verständnis der Sache zeugen.

Wer Erfahrungen in Projekten gesammelt hat, weiß nur zu gut, dass das Design nach inhaltlich diffusen Briefings häufig das alles entscheidende Kriterium ist. Das geschieht wiederum meist nicht aus Interesse an den gestalterischen Fähigkeiten der pitchenden Agenturen, sondern aus purer Hilflosigkeit. Durch diese "Methodik" bleiben viele Chancen für Webprojekte auf der Strecke. Es bleibt also zu hoffen, dass vor allem auf Auftraggeberseite ein Umdenken stattfindet. Denn er hat nicht nur das Interesse, sondern auch die Macht, inhaltsorientiertes Arbeiten beim Dienstleister einzufordern. Shirley Kaisers Buch wird ihm eine zuverlässige und gut verständliche Hilfe sein. Hier bleibt nichts unvergessen. Den selben Nutzen haben auch die Projektverantwortlichen in den Agenturen, die ihre Auftraggeber durch diese Checklisten unterstützen können. Doch über eines müssen sich alle klar sein. Wenn ein Webprojekt keinen brauchbaren Inhalt liefert, hilft auch das beste Projektmanagement nichts. Dann muss der User handeln: Alt+F4.

Stefan Blanz
8/10 Punkten


Autor/in: Shirley Kaiser
Verlag: dpunkt.verlag
Seitenzahl: 338
Erscheinungsjahr: 2007
Preis: 36 Euro
ISBN: 978-3-89864-449-5





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