Freitag, 25. Juli 2008

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Webdesign mit CSS

Dieses Buch ist kein systematisches Lehrbuch über CSS. Das will es auch gar nicht sein. Es ist vielmehr eine Auflistung von didaktischen und kommentierten Beispielen, wie man HTML und Cascading Style Sheets strukturell und visuell gewinnbringend für den eigenen Internetauftritt einsetzen kann. Angesprochen sind also alle diejenigen, die bereits grundlegende Kenntnisse über standardkonformes bzw. semantisches (X)HTML, über Cascading Style Sheets (CSS) und über die diversen Browserbugs ihr Eigen nennen. Das Format ist handlich und – das ist im Entwicklerbuchmarkt nicht selbstverständlich – man gönnt dem Softcover-Werk durchgängig einen Vierfarbdruck. Das unterstreicht nicht nur die optische Qualität des Buches, sondern ist unerlässlich für die Vermittlung der Inhalte selbst. Hier wurde also nicht am falschen Ende gespart und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Auch die Schreibe des Autors ist attraktiv. Klar und ohne Langeweile stellt sich seine Rhetorik dar.

Inhalte

"Webdesign mit CSS" ist jetzt in der zweiten Auflage erschienen. Es wurde hierfür inhaltlich überarbeitet und durch weitere Designs ergänzt. Schon dieses Vorgehen erzwingt fast, die Kritik von Jens Grochtdreis aus der ersten Besprechung zu wiederholen: viele Designbeispiele sind mehr denn je veraltet und das häufige "Rundmachen" des eckigen Mediums Internet trägt nicht unbedingt zum positiven Akzeptanzmanagement standardkonformer und semantischer Entwicklungstechnologien bei. Vermutlich wurde auch die Zukunftsfähigkeit des Buches beabsichtigt, denn Jens Meiert diskutiert bereits Elemente aus der noch nicht verabschiedeten XHTML-2-Spezifikation. Der Navigationsliste und ihren eingedachten Elementen und Attributen fehlt aber schon alleine wegen der nicht vorhandenen Abwärtskompatibilität für grob geschätzte fünf Jahre jeglicher Praxisbezug, sofern diese Erweiterung der HTML-Syntax überhaupt kommt.

Eigenheiten

Verwunderlich: Der Umgang in der Darstellung mit aufgerufenen Seiten in Navigationsmenüs variiert, obwohl aus Usability-Sicht gerade hier der Mut des sonst gerne Position beziehenden Autors Jens Meiert wünschenswert gewesen wäre. Das wirkt doch etwas unverständlich, denn obwohl es sich "nur" um ein CSS-Buch handelt, so sind Design und Struktur doch verwoben wie Geschwister. Die Adaption der Sitemap der Bundesregierung gipfelt stattdessen in einem "Seitenhieb", dass das Buchbeispiel "valider [...], schlanker [und] semantischer als der Quelltext der Vorlage" daherkommt. Aus aktueller Usability-Sicht wäre es aber viel eher angesagt gewesen, grundsätzlich die Gebrauchstauglichkeit einer Sitemap zumindest in Frage zu stellen. Viele Kollegen raten mittlerweile von einem Einsatz der Sitemap generell ab.

Auch mit der Semantik hapert es immer wieder. Zumindest bekam der Rezensent den Sinn, eine Definitionsliste einzusetzen und dann die definierten Terme (<dt>) mit display:none; ins Nirwana zu schicken, nicht in seinen Horizont.

Irgendwie hat man den Eindruck, dass die zahlreichen und versierten Tipps und Tricks doch wieder am Screendesign hängen bleiben, anstatt ein tiefergehendes Verständnis für die strukturellen Begebenheiten der Inhalte im Medium Internet zu wecken. Allerdings ist dies auch ein grundsätzliches Problem bei CSS- und Designbüchern, da man den konkreten Anwendungsfall des Lesers nicht kennen kann. Das zwingt immer wieder zu spekulativen oder suggestiven Einlassungen, selbst wenn man Praxiserprobtes zu Rate zieht. Auch beansprucht das Buch nicht, ein Usability- und/oder Accessibility-Buch zu sein.

Fazit

Jens Meiert versucht, den Brückenschlag zwischen Inhalt und CSS-Design zu leisten, indem er solche Beispiele wählt, die man auch als Prototypen inhaltlicher Strukturen bezeichnen kann. Das ist auch in der Praxis nicht anders zu empfehlen, da ja in aller Regel Content-Management-Systeme mit Basis-Templates eingesetzt werden (müssen). Dort liefern sie Entwicklern ein solides Handwerkszeug, wie man die konzeptionellen Wünsche eines Projektes strukturell umsetzen kann, solange man keinen gesteigerten Wert auf das Buch als Inspirationsquelle legt. Die Neuauflage verliert jedoch ein wenig vom Maß ihres innovativen Charakters, das zum Zeitpunkt der Erstauflage noch vorhanden war. Da hätte man noch mehr ausmisten, erneuern und/oder erweitern können. Es empfiehlt sich am besten für Leser, die sich im diffusen Niemandsland zwischen Anfängerschaft und fortgeschrittener CSS-Entwicklung tummeln.

Stefan Blanz
6/10 Punkten


Autor/in: Jens Meiert und Ingo Helmdach
Verlag: O'Reilly
Seitenzahl: 264
Erscheinungsjahr: 2007
Preis: 29,95 Euro
ISBN: 978-3-89721-712-6






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