In Ausgabe 4.07 wurde Vladimir Simovics "Das Einsteigerseminar Wordpress" besprochen. "Gerade Einsteigern, die selbst keine Programmierer sind, aber gerne individuelle Anpassungen vornehmen, wird hier auf den Weg geholfen." Das ist bei diesem Buch anders. Denn es ist eine vertiefte Fortsetzung und richtet sich gezielt an Fortgeschrittene. Nicht unbedingt an Wordpress-Fortgeschrittene. Aber alle, die auf Webstandards setzen und über das Basis-Knowhow in (X)HTML und CSS verfügen, sind angesprochen. Das Ganze geht auch in die richtige Richtung, wenn es eine Vermittlung der Grundlagen gibt. Allerdings verliert sich die Vermittlung von Administration und dem Erstellen von Beiträgen bzw. Seiten allzu häufig in Beschreibungen, die sich aufgrund der benutzerfreundlichen Oberfläche von Wordpress schon von selbst erklären. Hier wäre eine intensivere Vermittlung von Redaktions-Know-how wünschenswert. Aber dieser Wunsch ist fromm, denn jeder im CMS-Umfeld weiß, dass die Wissensvermittlung für Redakteure eines der größeren ungelösten Probleme auf dem IT-Markt ist. Keine Kritik also diesbezüglich. Allerdings hätte man erneut das eine oder andere Kapitel, mit inhaltlich sehr verwandten und im Ergebnis ähnlichen, zusammen fassen können. Andererseits finden sich immer wieder kleine Highlights mit wertvollen Tipps, die nicht nur die Funktionalität, sondern auch die Kultur des Bloggens und die Rechtslage im Internet thematisieren.
Wer sich an Entwicklungen, Umbauten und individuellen Anpassungen versuchen will, kommt nicht um die Stichworte Templates und Erweiterungen herum. Bei Wordpress heißen sie Themes und Plugins. Deren Erstellung ist in letzter Zeit häufiger thematisiert worden. In Anbetracht der Tatsache, dass es weltweit mindestens 1000 frei verfügbare Themes gibt, ist das etwas erstaunlich. Wer aber einmal in die diversen Theme-Browser eingetaucht ist, wird schnell feststellen, dass die meisten nichts anderes als persönliche Pixelschubsereien von Visualisten sind. Hier vermittelt Vladimir Simovic den konzeptionell sinnvolleren Weg. Auf der Basis von Jens Grochtdreis' Schlagwort "Webseiten sind keine Gemälde" wird zunächst nicht an das gefällige Erscheinungsbild gedacht, sondern auf der Basis von Funktion und semantischem Code wird die Erstellung von Themes an mehreren Beispielen vermittelt. Auf der Basis der Standardthemes Classic und Kubrick bekommt der Leser einen gute Hinführung zum Umgang mit Conditional Tags und den damit verbundenen Funktionalitäten bzw. ihrer Implementierung. Hier kommt das klare Begriffssystem und die schlanke Einfachheit von Wordpress zum Tragen. Denn man muss nicht unbedingt PHP beherrschen, um dennoch selbstständig Abfragen einzurichten, die bei der Anpassung des Systems notwendig sein können.
Was ist Wordpress überhaupt? "Eine Social Blog Software" hört man wahrscheinlich daraufhin. Aber das stimmt nur zum Teil. Denn wer das System samt diverser Plug-ins kennt, weiß, dass Wordpress bis hin zu mittelgroßen Auftritten als CMS vollständig geeignet ist. Diesem Bereich widmet der Autor aber nur ein recht kleines Kapitel. Offene Fragen nach komplexeren Navigationskonzepten mit stabilen Inhalten bzw. ihrer Organisation bleiben unbeantwortet. Wer solche Ansprüche allerdings mit möglichst semantischem Code verbinden will, wird schnell feststellen, dass dann die Anpassungen in Bereichen außerhalb des Themes-Verzeichnisses vorgenommen werden müssen. Das ist nicht zwingend nötig, fusst aber auf einer nicht konsequenten Trennung von Inhalten und Implementierung seitens des Entwicklerteams. Wer hier weiter gehen will, begibt sich angesichts der Update-Kompatibilität, der übersichtlichen Pflege und der Vermittelbarkeit in gewisser Weise aufs Glatteis. Wer es aber nicht ganz so anspruchsvoll haben will, kommt auch innerhalb der Themes und Plugins zum vollständig funktionsfähigen CMS mit Blogbereich. Es scheint, als stehe hier noch mindestens ein weiteres Wordpress-Buch aus.



