Peter Müller ist nicht nur Buchautor, sondern auch Werber. In Teil 2 von „Little Boxes“ entlehnt er die Bissfestigkeit seiner Marken der Zahnpastawerbung: CSS ist die erotische Goldkrone im HTML-Zahnfleisch. Ob es eine Reminiszenz an seinen Verlagsmarkt und die -Technik ist, sei dahingestellt. Das ist auch irrelevant. Denn „Little Boxes 2“ ist kein Geklapper in Sachen Standardmarketing. Diesseits vom schönen Schein der Cascading Style Sheets stellt er erst einmal klar, dass das Schöne nur auf dem Guten wachsen kann. Die drei Musketiere des guten HTML heißen Validität, Linearität und Semantisierung. Erst wenn diese drei stabil stehen, bilden Sie die Basis für die Harmonisierung mit dem Schönen. Dieses Fundament ist jedoch kein Selbstzweck. Das Vorgehen hat einen ganz pragmatischen Gemeinsinn, den man im Webjargon Nutzbarkeit oder Gebrauchstauglichkeit nennt.
Was bisher so halbphilosophisch extemporiert wird, stellt Peter Müller bereits in der Einleitung in wenigen Sätzen viel unprätentiöser klar. Ab diesem Moment gehören die verbleibenden 365 Seiten der Entwicklerpraxis. Zahllose kleine Boxen werden dem Leser in kleinen Dosen verabreicht. Peter Müller zeigt uns: Das Web ist eine Babuschka. Nur wer von außen nach innen geht und die Deckel nacheinander hebt, wird in die Tiefen gültigen, schlanken, bedeutungsbezogenen und nutzbaren – kurzum – guten und schönen Webdesigns eintauchen können. Soweit die Prinzipien. Geschrieben ist das Buch aber in erster Linie für die Praktiker, die bereits über die Grundlagen in Webstandards, also semantischem HTML und präsentierendem CSS, verfügen. In diesem Sinne ist Peter Müller auch um keine Metapher verlegen, wenn es darum geht, robuste Technik rüberzubringen. Nach den Basics, die im ersten Teil von „Little Boxes“ vermittelt wurden, richtet sich der zweite Band an fortgeschrittene Praktiker, die immer wieder auch auf humorvolle Weise in der Organisation und Auszeichnung ihrer Dokumente geschult werden. Zur zentralen Organisation von Style Sheets gibt er beispielsweise dem Webworker folgenden unvergesslichen Merksatz mit auf den Weg: „Do not forget the Strichpunkt am Ende einer @import-Regel.“ Wer soll das je wieder aus seinem Kopf heraus bekommen?
Alle diese (hoffentlich beabsichtigten) Weisheiten sind mit ganz konkreten Anleitungen unterfüttert. Hierbei wird der Leser angewiesen, wie er sein Style Sheet Zeichen für Zeichen auf- und ausbauen soll. Das Heimseminar beginnt bei globalen Auszeichnungen und dem Boxmodel und führt über Navigationsbeispiele zur Content-Gestaltung. Unterstützt werden die Beispiele immer wieder durch die Vermittlung prototypischer Darstellungen etablierter Webdesigner wie Eric Meyer, John Hicks oder Stu Nicholls. Ein eigenes Kapitel widmet er Frameworks und speziell dem Framework YAML von Dirk Jesse. Peter Müller bleibt auch bei diesem Thema in allen seinen Ausführungen bodenständig und vergisst nicht, Vor- und Nachteile solcher Arbeitshilfen zu thematisieren. Wer immer Lernbedarf hat, wird keine Ausrede finden. Denn auf der Begleit-CD sind nicht nur sämtliche Beispieldateien, sondern auch Editoren, Referenzen und Videotrainings zu finden. Die Screencasts sind zum Teil als Vorschau auf der Komplett-DVD enthalten, und der gesprochene Vortrag ist flüssig und amüsant. So macht Lernen Spaß. Allerdings fällt nicht nur in diesem Buch auf, dass die Lernprozesse immer noch sehr an den Lernerfahrungen der Developer der ersten Generation gebunden sind. Das hat zur Folge, dass einige Wege gegangen wurden und gegangen werden, bei denen man sich für die Zukunft fragen darf, ob die Ziele nicht etwas direkter erreichbar sind. Denn die Kunst des standardkonformen Webdesigns besteht nicht zuletzt im Weglassen.

















