Mit „Quasar Enterprise“ hat ein Autorenteam von sd&m den Nachfolger zu dem Buch „Moderne Software Architektur“ von Johannes Siedersleben geschrieben. Im Buch von Johannes Siedersleben drehte sich noch alles um die optimale Aufteilung von softwarebasierten Systemen in Komponenten, die Definition von Komponentenschnittstellen und deren Umsetzung in Programmiersprachen. Im Titel „Quasar Enterprise“ wird eine Methodik zur Gestaltung ganzer Anwendungslandschaften vorgestellt.
Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil wird die gesamte „Quasar Enterprise“-Methode im Rahmen eines fiktiven Projekttagebuchs erläutert. Das Projekt bietet dem Leser die Gelegenheit, die Methodik im Rahmen eines idealen Projektverlaufs kennenzulernen. Im zweiten Teil werden die Elemente der Methode im Detail vorgestellt. Bei der Beschreibung der „Quasar Enterprise“-Methode haben die Autoren viel Wert auf die präzise Bennennung und Umschreibung der zentralen Konzepte gelegt. Die Kernbegriffe werden – ohne Verwendung von Anglizismen – definiert und in Domänenmodellen zueinander in Beziehung gesetzt. Gelungen ist auch die Motivation von serviceorientierten Anwendungslandschaften als erstrebenswertes Ideal: Serviceorientierung ist kein Selbstzweck oder technischer Hype, sondern kann aus den Geschäftszielen eines Unternehmens motiviert werden. Services werden als Dienstleistungen verstanden und sind nicht von vornherein auf die technische Realisierung von Softwareschnittstellen eingeschränkt.
Das Buch richtet sich primär an Berater und Systemarchitekten die nach einem Methodenbaukasten für die Analyse und den Entwurf von Anwendungslandschaften suchen. Softwareentwickler, die nach konkreten Ratschlägen oder Ideen für den Entwurf serviceorientierte Architekturen einzelner Anwendungssysteme suchen, werden nicht direkt fündig werden. Im Rahmen der Methodik wird bei der Betrachtung der Anwendungslandschaften bis auf die Ebene der Schnittstellen von Anwendungskomponenten verfeinert. Auf dieser Detaillierungsstufe ist man aber noch nicht auf der Ebene von konkreten technischen Plattformen oder Programmiersprachen angekommen. Konsequenterweise kommen die Autoren daher auch ohne Codebeispiele oder direkte Bezüge zu Web Service Standards aus.
Das Buch kann leider nicht in allen Belangen überzeugen. Beim Studieren der Methodik wirken einige Stellen noch etwas schwach. Wann immer es um Themen geht, die sich nicht in Domänenmodelle fassen lassen, kürzen die Autoren ab oder verweisen auf die Notwendigkeit eines erfahrenen Systemarchitekten. Doch gerade die weichen Faktoren, wie die optimale Gesprächsvorbereitung und –durchführung mit IT- und Fachabteilungen, die Etablierung eines Architekturmanagements und die Überführung der SOA Governance als Linienaufgabe, werden nur erwähnt. Wie diese Themenbereiche konkret angegangen werden können und mit welchen Widerständen und Problemen dabei zu rechnen ist, wird leider nicht näher beschrieben.
Wer auf der Suche nach einem Überblick und einer Methodik rund um serviceorienterte Anwendungslandschaften ist und sich für die Vermittlerrolle zwischen Management, Fachabteilungen und IT interessiert, dem sei ein Blick in „Quasar Enterprise“ empfohlen.














