In ihrer Rede auf dem Open-Forum-Europe in Brüssel sprach sich die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes gestern dafür aus, den Einsatz von offenen Standards in Industrie und Institutionen voranzubringen. Sie schloss die Rede mit dem Satz "I know a smart business decision when I see one – choosing open standards is a very smart business decision indeed."
Offene Standards können Vorteile haben
Kroes sieht die Vorteile von Standards vor allem in der Gewährleistung von Interoperabilität und Wahlmöglichkeit der Konsumenten. Beides verhindere, dass eine einmal getroffene Entscheidung dazu führt, dass der Kunde fest an einen Anbieter gebunden ist und seine Daten nur noch mit Produkten dieses Herstellers zugänglich sind.
In diesem Zusammenhang sei an die Diskussion über das Microsoft-Office-Format erinnert. Kroes sprach dies zwar nicht explizit an, lieferte aber ausreichend Hinweise auf das Verfahren, inklusive des Hinweises, dass Standardisierungsorganisationen ihrer Unterstützung sicher sein können, wenn diese durch Manipulationsversuche der Industrie in Bedrängnis gerieten.
Allerdings könne nicht einfach gesagt werden, dass proprietäre Standards schlechter seien als offene. Es spräche nichts dagegen, wenn die oben genannten Kriterien erfüllt sind und sich der Markt dafür ausspricht. Denn nicht alles müsse reguliert und standardisiert werden, da der Markt sich über die Kaufentscheidung der Konsumenten auch selbst regulieren könne. Dennoch hätten offene und voll dokumentierte Standards Vorteile. Neben den genannten erlaubten sie es jedem Anbieter vollständig kompatible Lösungen rund um diese Standards zu entwickeln, was auch eine Voraussetzung für den Wettbewerb sei. Daher habe sich die Kommission verpflichtet sich in Zukunft für offene, gut dokumentierte Standards zu entscheiden. Denn gerade Interoperabilität sei für die Kommission ein wichtiger Aspekt, und der Einsatz offener Standards sei ein Schlüsselfaktor, diese zu erreichen.
Auch die EU-Kommission gibt sich offen
Als positives Beispiel nannte Kroes auch die Stadt München und das deutsche Außenministerium, die seit einigen Jahren auf offene Standards wie Linux und das ODF-Dokumentenformat setzen. Dies sei auch ein Gebot demokratischer Prinzipien: wenn offene Standards zur Verfügung stehen, sollte kein Bürger gezwungen werden, eine geschlossene proprietäre Technologie zu wählen. Die vollständige Rede kann auf Englisch heruntergeladen werden. Interessanterweise nur als Adobe-PDF und Microsoft-DOC-Datei, der offene HTML-Link funktioniert leider nicht.






