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02.03.2010
Die Allerleimesse CeBIT - Kommentar

Sebastian Meyen

Folgt man der medialen Berichterstattung, könnte man glauben, die CeBIT sei immer noch ein wichtiger Termin für die IT-Branche. Auch lassen die Fernsehbilder von Staats- und Regierungschefs, die alljährlich die Hannoveraner Computermesse eröffnen, das Publikum glauben, es handele sich um ein Ereignis von wahrem Weltrang. Wohl nur die Frankfurter Buchmesse und die IAA genießen eine ähnliche Aufmerksamkeit solch hoher Polit-Prominenz.

Der Rückgang bei Besuchern wie bei Ausstellern bei der CeBIT ist indes dramatisch: Knapp 4.200 Unternehmen stellen dieses Jahr in Hannover aus, rund 100 weniger als im Vorjahr, das mit einem Rückgang um 25 Prozent bereits den größten Verlust in der Geschichte der Messe verzeichnen musste. Mit 400.000 Besuchern kann die Hannover-Schau zwar noch immer beachtliche Zahlen vorweisen. Gegenüber den 750.000, die sie zu ihrer Blütezeit um das Jahr 2000 begrüßen durfte, nehmen sich diese allerdings bescheiden aus.

Auf der CeBIT-Website (Rubrik "Erfolgszahlen") erfährt man weitere interessante Details: So kommen über 61 Prozent der deutschen Messebesucher aus den umliegenden Gebieten, also Niedersachsen, Nordrhein-Westphalen, Hamburg und Schleswig-Holstein. Und nur 25 Prozent kommen aus dem Ausland. Sollte die "weltgrößte Computermesse" also doch nur eine Regionalmesse sein?

Trend zur Konferenzmesse
Die CeBIT ist heute jedenfalls weit davon entfernt, eine Leitmesse zu sein. Sie sei "keine Messe der großen Ankündigungen", berichtet auch die Financial Times Deutschland, die übrigens anders als die meisten Medien die CeBIT nicht als goldenes Kalb der Deutschen betrachtet.

Wer nach Innovationen für die Steuerung seiner Unternehmensabläufe sucht, pilgert nicht nach Niedersachsen, sondern auf die großen Schauen von SAP, Oracle, IBM oder Microsoft. Soll es um Industriesteuerung und eingebettete Software gehen, ist die Nürnberger Embedded World eine gute Adresse. Wer sich für mobile Technologien interessiert, blickt auf den Mobile World Congress in Barcelona, und wem der Sinn nach Unterhaltungselektronik und Games steht, geht auf die Berliner IFA oder die Gamescon in Köln.

Erinnern Sie sich eigentlich noch an die Systems? Die im Jahr 2008 wegen Erfolglosigkeit eingestellte "CeBIT des Südens" konnte es nicht lassen, der großen Generalistenmesse nachzueifern, anstatt sich früh ein klares Profil als IT-Messe für Unternehmenslösungen zuzulegen. Mit einer klaren Absage an ein Allerweltsprogramm hätte die Münchener Schau möglicherweise eine Chance, wenn nicht sogar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem norddeutschen Pendant gehabt.

Einen Tag für Hannover
Was gibt es also über die CeBIT 2010 zu berichten? Der Bitkom fordert einen Internetminister, die Bundeskanzlerin wehrt ab. Wir hören von zaghaftem Optimismus in der IT-Branche und dass die Telekom jetzt nicht mehr T-Home und T-Mobile, sondern einfach nur noch T heißen wird. Sehr innovativ. Ein paar interessante Vorträge lassen sich in den verschiedenen Konferenzbereichen sicherlich erhaschen, wenn man die Versuche der CeBIT, sich zu einem Konglomerat an modernen Konferenzmessen (CeBIT Global Conferences, Webciety) zu entwickeln, neugierig betrachtet.

Wie so manches Computermagazin aus Hannover, das sich mit dem Allerlei der Computerwelt beschäftigt, kann auch die Hannoveraner Computermesse nicht an ihre goldenen Zeiten anknüpfen. Dabei ist es gar nichts Schlechtes, eine Regionalmesse zu veranstalten - wenn man sich nur ehrlich darauf konzentriert!

Aus dem frühmorgendlichen ICE von Frankfurt nach Hannover erfahre ich gerade via Twitter: "Es steht schlecht um die Messe: Es sind noch Plätze frei" (@tapioliller). Ich selber werde jedenfalls morgen für einen Tag hinfahren, so wie ich ab und an sogar ganz gerne in der Hannoveraner Zeitschrift blättere. Ansonsten freue mich auf die fokussierten Events wie JAX, webinale, MIX, JavaOne, DOAG, Linuxtag im weiteren Verlauf des Jahres.

Sebastian Meyen

[hs]








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