Request Hijacking und Request Credential Hijacking sind zwei weitere mögliche Angriffe durch das in About Security #17 beschriebene HTTP Request Smuggling. In dieser Folge erfahren Sie, wie diese Angriffe ablaufen.
Request Hijacking
Beim Request Hijacking wird eine Cross-Site-Scripting-Schwachstelle in einer Webanwendung ausgenutzt, um einen dem Cross-Site Scripting ähnlichen Angriff durchzuführen. Voraussetzung für derartige Angriffe ist ein Proxy-Server zwischen Client und Webserver. Im Gegensatz zum in About Security #17 beschriebenen Vergiften des Web-Caches muss der Proxy-Server jedoch nicht cachen.
Im folgenden Beispiel (nach dem in About Security #17
erwähnten Whitepaper von Watchfire
(PDF))
sei der Parameter 'daten' der Seite
/verwundbar.jsp einer Webanwendung anfällig
für
Cross-Site Scripting.
1 POST /irgendwas.jsp HTTP/1.0
2 Connection: Keep-Alive
3 Content-Type: application/x-www-form-urlencoded
4 Content-Length: 10
5 Content-Length: 195
6
7 ist=nichtsPOST /verwundbar.jsp HTTP/1.0
8 Content-Type: application/x-www-form-urlencoded
9 Content-Length: 85
10
11 parameter1=wert1&daten=<script>alert("Datenklau:"
%2bdocument.cookie)</script>&muell=
[Zeile 11 ist dabei, wie auch bei späteren Beispielen, eine einzige Zeile. Der Umbruch dient nur der besseren Lesbarkeit.]
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Ein Microsoft-ISA/2000-Proxy-Server parst das Beispiel als einzelnen
POST-Request mit einer Content Length von 195
Bytes (Zeilen
1–11). Ein Tomcat Web-/Application-Server parst es als einen
vollständigen POST-Request mit einer
Content-Length von 10
Bytes (Zeilen 1–7 einschließlich des 'ist=nichts'
in Zeile 7) und einen unvollständigen POST-Request
mit einer
Content Length von 85 Bytes (Zeilen 7–11 ohne das
'ist=nichts' in Zeile 7). Unvollständig, da
von den 85
Bytes nur 84 geliefert wurden. Der erste (vollständige) Request wird
beantwortet und die Antwort vom ISA-Server an den Angreifer gesendet.
Der
zweite (unvollständige) Request wird vom Tomcat-Server gespeichert.
Leitet der ISA-Server danach zum Beispiel einen GET-Request von einem Client an den Tomcat-Server weiter, wird von diesem das erste empfangene Byte als Vervollständigung des gespeicherten Requests betrachtet. Der Rest des neuen Requests wird als ungültig verworfen und der vervollständigte gespeicherte Request beantwortet:
7 POST /verwundbar.jsp HTTP/1.0
8 Content-Type: application/x-www-form-urlencoded
9 Content-Length: 85
10
11 parameter1=wert1&daten=<script>alert("Datenklau:"
%2bdocument.cookie)</script>&muell=G
Der Client erhält als Antwort eine HTML-Seite mit folgendem eingeschleusten JavaScript-Code:
<script>alert("Datenklau:"+document.cookie)</script>
Genauso kann jeder beliebige andere JavaScript-Code eingeschleust werden.
Der Angreifer kann auch die übertragenen Cookies und Daten der HTTP-Authentifizierung stehlen. Diese befinden sich in den HTTP-Headern des Client Requests. Durch entsprechende Wahl des Content-Length-Headers in Zeile 9 kann der Angreifer diese Daten in die Antwort an den Client schreiben lassen, von wo aus er sie sich vom gleichzeitig eingeschleusten JavaScript-Code zusenden lässt:
1 POST /irgendwas.jsp HTTP/1.0
2 Connection: Keep-Alive
3 Content-Type: application/x-www-form-urlencoded
4 Content-Length: 10
5 Content-Length: 395
6
7 ist=nichtsPOST /verwundbar.jsp HTTP/1.0
8 Content-Type: application/x-www-form-urlencoded
9 Content-Length: 600
10
11 parameter1=wert1&daten=<script>
[Code zum Sammeln und Senden der Daten]</script>
Der unvollständige HTTP-Request in den Zeilen 7–11 umfasst deutlich weniger als die angegebene Content-Length von 600 Bytes. Dadurch werden die ersten rund 300 Bytes des nächsten Requests in die Antwort integriert. Die darin enthaltenen HTTP-Header liefern die gewünschten Informationen wie Cookies des Clients, Authentifizierungsdaten und die angeforderte URL, die ebenfalls sensitive Informationen enthalten kann.
Request Credential Hijacking
Ein Angreifer kann durch folgenden Angriff auch ein Skript mit den Authentifizierungsdaten (Credentials) eines Benutzers aufrufen:
1 POST /irgendwas.jsp HTTP/1.0
2 Connection: Keep-Alive
3 Content-Type: application/x-www-form-urlencoded
4 Content-Length: 10
5 Content-Length: 135
6
7 ist=nichtsGET /ein_skript.jsp?parameter1=wert1 HTTP/1.0
8 Content-Type: application/x-www-form-urlencoded
9 Content-Length: 0
10 Wegdamit:
Sendet der Client danach einen Request wie zum Beispiel
GET /eine_seite.jsp HTTP/1.0
Cookie: user_id=1234567
Authorization: Basic abrakadabra
vervollständigt der Tomcat-Server damit den unvollständigen Request zu
7 GET /ein_skript.jsp?parameter1=wert1 HTTP/1.0
8 Content-Type: application/x-www-form-urlencoded
9 Content-Length: 0
10 Wegdamit: GET /eine_seite.jsp HTTP/1.0
11 Cookie: user_id=1234567
12 Authorization: Basic abrakadabra
und führt ihn aus: Das Skript /ein_skript.jsp
wird mit
den Authentifizierungsdaten des Clients ausgeführt und das Ergebnis an
den Client geschickt.
Inzwischen kennen Sie drei mögliche Angriffe über HTTP Request Smuggling: Das Vergiften von Webcaches, Request Hijacking und Request Credential Hijacking. In der nächsten Folge lernen Sie weitere Angriffe kennen: Die Täuschung von Firewalls und Intrusion-Detection- bzw. Prevention-Systemen und weitere mögliche Angriffe.
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