In der Auseinandersetzung zwischen Sun Microsystems und Network Appliance (wir berichteten) spitzt sich die Lage zu. Wie Jonathan Schwarz, CEO und Präsident von Sun, in seinem Blog berichtet, werde man nun seinerseits Klage gegen NetApp erheben. Sun wolle damit eine gerichtliche Verfügung erzwingen, dass NetApp sämtliche seiner Datenspeicher-Lösungen aus dem Markt zurückzuziehen habe. Weiterhin werde es Sun darauf anlegen, NetApp einen "spürbaren, finanziellen Schaden" zuzufügen, wobei Schwarz sich dazu verpflichte, die Hälfte der so erstrittenen Summe an die Community weiterzugeben. Im Detail nannte er hier das Software Freedom Law Center und das Peer to Patent Project.
Wir berichteten
NetApp, Anbieter von Enterprise-Storage-Lösungen, hatte Klage gegen Sun Microsystems eingereicht. Nach eigener Aussage sah sich NetApp zu diesem Schritt gezwungen, da Sun "in agressiver Weise" darauf gepocht habe, dass man Teile von Sun's geistigen Eigentums zu lizensieren habe. Zunächst habe NetApp seiner offiziellen Verlautbarung nach versucht, sich gütlich mit Sun zu einigen. Sun habe aber dabei auf "seinem agressiven Standpunkt, nicht verantwortlich zu sein" bestanden. Um nun aber alle Zweifel auszuräumen, sah NetApp sich gezwungen, vor Gericht zu ziehen. In einer ersten Reaktion seitens Sun wird der Streit hingegen in einem anderen Licht dargestellt. Demnach verklage NetApp Sun nur aus dem Grund, weil man Sun's Technologien als Bedrohung betrachten würde. Viele der erhobenen Vorwürfe seien falsch; zum Beispiel sei es NetApp gewesen, die zuerst an Sun herangetreten waren, um deren Patente zu erwerben. Mehr ...
Als Reaktion äußert sich auch Dave Hitz, Gründer und Executive Vice President von NetApp, in seinem Blog zu den Vorwürfen. Unter anderem legt er eine interne E-Mail vor, die ursprünglich an seine Belegschaft gerichtet war. Danach habe keiner der Angestellten und auch niemand der Kunden zu befürchten, durch die Drohungen seitens Sun seinen Job oder sein Produkt zu verlieren.
Hitz bedauert dabei vor allem die Art, wie sich Schwartz unter "der Open-Source-Flagge" verhülle. Es ginge NetApp nicht darum, gegen Open Source an sich vorzugehen. Es sei aber so, dass Sun auf gewisse NetApp-Patente für sein ZFS zurückgreife, die ja nicht automatisch dadurch erlöschen würden, dass man ZFS nun als Open Source anbiete.
Kommentar
Welcher der beiden Partner letzten Endes vor Gericht recht bekommen wird, wird sich wohl erst nach jahrelanger Verhandlung zeigen. In jedem Fall stellt Dave Hitz einen interessanten Aspekt heraus, der durchaus weitreichende Auswirkungen auf die Open-Source-Community und das sogenannte "Patenttroling" haben könnte. Seiner Auffassung nach könne es nicht angehen, dass das "Totschlagargument", es sei ja Open Source dafür hergenommen werde, sich über alle Patentfragen hinwegzusetzen. Natürlich ließe sich ein einmal offengelegter Code nicht mehr aus dem Netz oder den Köpfen der Leute entfernen, aber im Kern gehe es ja auch vielmehr darum, ob ein Produkt – grundsätzlich und bereits vor der Offenlegung – Patente verletzt habe.
Eigentlich können beide Seiten bei so einem Streit nur verlieren. Gewinnt NetApp, wird jeder Troll versuchen, sich frühe Rechte an ehemals nicht offengelegter Software zu sichern. Gewinnt Sun, könnte das Freilegen des Codes dabei helfen, trotz erwiesener Patentverletzung den Kopf aus der Schlinge zu bekommen.
Warten wir mal ab.



