Mittwoch, 8. Februar 2012

News

präsentiert von: JAXenter
Donnerstag, 10. Januar 2008

Generation Java

"Warten wir’s ab, ob Java tatsächlich das neue Esperanto für die Softwarewelt werden wird. Doch die Faszination bleibt: Du schreibst ein Programm, schreibst und kompilierst es ein einziges Mal und es läuft auf allen erdenklichen Maschinen. Klar, da bleibt die Sache mit dem langsamen Byte-Code …"

Esperanto? Langsam? Wovon redet der Chefredakteur? – Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben soeben einen Auszug aus meinem Editorial der ersten Ausgabe des Java Magazins gelesen, erschienen vor genau zehn Jahren. Damals, als das erste Java Magazin erschien, steckte die Java-Technologie noch in den Kinderschuhen, übte aber schon eine gewaltige Faszination aus und war daher in der Lage, eine große Schar gewichtiger Player um sich zu versammeln. Es zeichnete sich ab, dass aus Java, das von so vielen belächelt wurde, etwas Größeres werden würde.

Ein Blick in die allererste Ausgabe des Magazins (die Sie als PDF auf der dem Heft beiliegenden DVD finden) verdeutlicht, dass viele Hersteller große Anstrengungen unternahmen, im Markt der Java-Entwicklungsumgebungen Fuß zu fassen. Borland JBuilder, Symantec Visual Café, Sun Java Workshop, Powersoft PowerJ, Microsoft Visual J++ und IBM Visual Age for Java – das waren die Produkte, die sich um den ersten Platz in der Königsdisziplin des Softwareengineerings von damals bewarben.

Die "Generation Java", das sind die Leute, die in den 1990ern entweder von der Uni oder von Smalltalk her kamen, sich für die modernen Paradigmen der Softwareentwicklung, die Java anbot, interessierten und Zeuge waren, wie sich aus dieser Programmiersprache im Laufe der Jahre ein gigantischer Technologie-Stack entwickelte. Sie waren dabei, als die Servlets als serverseitiges Komponentenmodell erfunden wurden, als die JavaServer Pages, die Enterprise JavaBeans, immer weitere Frameworks und Programmiermodelle hinzukamen. Die Innovation, anfangs von Sun alleine getrieben, dann vom Java Community Process, schritt stetig voran und generierte hinreichend Neuerungen, damit jede JavaOne spannend blieb und die wichtigsten technologischen Herausforderungen gemeistert werden konnten. Was macht diese Generation eigentlich heute? Die meisten beschäftigen sich immer noch mit Java, wobei dies viele verschiedene Dinge bedeuten kann: Sie sind entweder weiterhin hart am Code oder aber Softwarearchitekten mit technologieübergreifendem Fokus, beschäftigen sich mit modellgetriebenen Techniken oder aber haben die Integration heterogener Systeme auf Basis von SOA zur Aufgabe. Manche sind auch konvertiert, kehren Java den Rücken und lieben jetzt solche Sachen wie Ruby on Rails. Sie bleiben aber immer noch die Generation Java – aufgewachsen ohne Internet, aber mit dem Atari oder dem Commodore 64, beruflicher Karrierestart zumeist mit Webanwendungen auf Java-Basis.

Die Großväter der Generation Java sind die Elektrotechniker, die Maschinenbauer, die, die uns immer die lustigen Anekdoten aus der Zeit der Lochkartenprogrammierung erzählt haben. Die Väter und Mütter dieser Generation waren in Assembler, Fortran, COBOL usw. zuhause und gehörten zu den ersten Benutzern des in den 80ern aufkommenden PCs.

Die Generation Java, fast schon zu alt für das Web 2.0 (das ja neben Familie und Job ziemlich viel Zeit erfordert), hat das Entstehen des World Wide Web hautnah miterlebt und partizipiert an dem mühevollen Aufbau des Java-Technologie-Stacks, der sich über die Jahre schrittweise vollzog. Sie kannten diese Systeme schon, als diese noch über viele Unzulänglichkeiten verfügten und betrachten den heute erreichten Stand nicht als selbstverständlich. Jüngere Generationen "leben" schon fast seit ihrer Kindheit im Web und wenn sie dann mit Java anfangen – dann stehen sie einer sehr mächtigen Plattform mit mehreren Programmiersprachen und einer Masse an Bibliotheken gegenüber.

Open Source ist für diese Vertreter der Post-Java-Generation übrigens schon fast eine Selbstverständlichkeit. Ich erinnere mich hingegen, dass manche Firmen bei der ersten JAX, die 2001 stattfand, unseren vielen Sessions zu Open Source-Themen mit Argwohn begegneten. Manch einer beschwerte sich sogar, dass wir mithelfen würden, solchen geschäftschädlichen Entwicklungen Vorschub zu leisten …

Mittlerweile ist Open Source ein Teil des (technologischen) Lebens geworden, ja, Java selbst basiert auf einer Open Source-Lizenz, der GPL. Und die Geschäfte funktionieren für alle prächtig. Die vielen Open Source-Tools und -Frameworks sind heute der wichtigste Innovationsmotor, nicht etwa der etablierte JCP. Open Source-Organisationen wie JBoss oder die Eclipse Foundation sind mittlerweile Mitglieder im Vorstand des JCP, alles ist eitel Sonnenschein, die wichtigen Schlachten sind geschlagen, es geht eigentlich nur noch darum, den Status Quo zusammen mit ein bisschen Innovation zu verwalten.

Ist es also langweilig geworden im Hause Java?

Mitnichten. Wir befinden uns in einer Epoche, in der Java nicht mehr nur Java ist. Ist Java eine Programmiersprache? Eine Virtual Machine? Ein vom JCP gesteuertes Industrie-Konsortium? Ja – aber Java ist aber noch viel mehr. Java ist heute Eclipse, Spring, OSGi, Android; Java unterstützt Programmiersprachen wie JRuby, Groovy und sogar PHP; Java ist heute außerdem die wichtigste Technologie im Bereich der serviceorientierten Architekturen und es ist auch die Java-Community, in der die wichtigsten Debatten über Architekturen und Konzepte von morgen stattfinden. Auch bei den klassischen Disziplinen des Softwareengineerings, ob es sich nun um Requirement Management, Architekturdesign, Softwaremodellierung oder Codegenerierung handelt, ist die Java-Community führend. Agile Methoden sind ebenfalls am ehesten im Java-Umfeld zuhause.

Nicht, dass alles im strikten Sinne auf Java-Technologie basieren würde (Agilität z.B. basiert überhaupt nicht auf Technologie), aber es lässt sich doch erkennen, dass Java den Bezugspunkt für eine Vielzahl an Technologien, Konzepten und Ideen bildet, welche insgesamt die Softwareindustrie stetig voranbringen.

Mit dem Java Magazin, aber auch den JAX-Konferenzen auf verschiedenen Kontinenten und dem neuen Portal JAXenter fühlen wir uns diesem weiten Feld an Themen verpflichtet und glauben fest daran, dass es diese Themen sind, die sowohl für die Problemlösungen von heute als auch für die Strategien von morgen das Fundament bilden. Mit dem JAX Innovation Award wollen wir zudem selbst dazu beitragen, neue Ideen und bedeutende Innovationen zu fördern.

Wir bewegen uns in einem Netzwerk, in dem verschiedene Player ihren Platz haben: Leser, Online-User und Konferenz-Teilnehmer, Softwarehersteller und -anbieter, Open-Source-Organisationen, Autoren und Speaker – ihnen allen fühlen wir uns verpflichtet. Ihnen allen wollen wir einen echten Mehrwert für ihren geschäftlichen oder persönlichen Erfolg liefern. Und wir freuen uns sehr, dass wir maßgeblich dazu beitragen konnten, dass sich diese Gemeinde im deutschsprachigen Raum entwickeln konnte, dass sie ein Sprachrohr hat und Raum für die wichtigen Debatten, in denen die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Es ist die Generation Java, der wir uns verpflichtet fühlen.

Sehr herzlich bedanken möchte ich mich zum zehnjährigen Jubiläum bei den vielen Autoren, die teils regelmäßig, teils sporadisch mit ihrem Wissen und ihrem Engagement für spannende Inhalte sorgen. Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei allen Akteuren, die sich über die Jahre bei S&S Media für den Erfolg des Magazins eingesetzt haben. Und natürlich möchte ich mich bei den wichtigsten Personen, über die ein Magazin verfügt, sehr sehr herzlich bedanken: bei Ihnen, den Lesern! Die Zukunft wird weiter spannend werden – wir arbeiten mit Hochdruck am Ausbau unseres Online-Angebots, an neuen Konferenzformaten, an JAXen in mehreren Ländern und auf verschiedenen Kontinenten. Wir wollen Sie, liebe Leser, künftig stärker in unsere Aktivitäten mit einbeziehen, Ihnen mehr Möglichkeiten geben, sich zu äußern, mit Ihrem Wissen oder auch Ihren Fragen zur Weiterentwicklung des Magazins sowie der Website beizutragen und vieles mehr. Schauen Sie einfach gelegentlich rein bei www.JAXenter.de!

Ich freue mich auf viele weitere spannende und erfolgreiche Jahre mit Ihnen!
In diesem Sinne - viel Spaß bei der Lektüre!

Sebastian Meyen
Chefredakteur

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