Nur mal angenommen, bei Microsoft arbeitet ein Fan des FC Bayern München: Für den kommt es, wenn er dieser Tage nach München blickt, knüppeldicke. Zunächst einmal verliert der Rekordmeister als derzeitiger Tabellenerster (!) gegen den momentanen Tabellenletzten (!) Energie Cottbus. Das ist für den Bayern-Fan zwar nicht schön, aber doch im Laufe der Woche verkraftbar, zumal das alles im nächsten Spiel schon wieder ausgemerzt werden kann. Was sich aber wohl nicht so leicht wieder hinbiegen lässt, ist das, was da dieser Tage aus dem Münchner Rathaus vermeldet wird. Denn Christian Ude, seines Zeichens Münchens Oberbürgermeister, hat sich vehement gegen Open XML ausgesprochen. Während die Liebe zum FCB aufgrund der Niederlage nicht gelitten haben dürfte, wird sich die Zuneigung einiger Microsoft-Mitarbeiter zu Christian Ude wohl etwas abgekühlt haben. Neben Open XML geht es im dieswöchigen XML-Report auch um Neuerungen vom W3C und aus der Browserwelt.
Element Traversal SpecificationDen so genannten Last Call hat die Web-API-Arbeitsgruppe für den Entwurf Element Traversal Specification ausgestoßen. Diese Spezifikation definiert das ElementTraversal-Interface, bei dem es sich um einen Satz von Attributen handelt, die es den Autoren von Webdokumenten ermöglichen, zwischen Elementen eines Dokuments möglichst leicht zu navigieren. Ein typisches Beispiel ist das Attribut firstElementChild, mit dem das erste Kindelement des gewählten Elements ermittelt werden kann. Anregungen und Kommentare zu Element Traversal Specification sind noch bis zum 3. April 2008 willkommen.
XQuery Update Facility 1.0Neues gibt es auch von der XML Query Working Group. Die nämlich hat die Bewerberempfehlung XQuery Update Facility 1.0 veröffentlicht. In diesem Dokument wird eine Erweiterung von XQuery 1.0 beschrieben. Die XQuery Update Facility liefert Ausdrücke, mit der sich persistente Veränderungen an den Datenmodellen von XQuery 1.0 und XPath 2.0 vornehmen lassen. Veröffentlicht wurden die beiden Dokumente XQuery Update Facility 1.0 Requirements und XQuery Update Facility 1.0 Use Cases.
ZugänglichkeitGleich zwei Publikationen gab es vonseiten des W3C in letzter Zeit, die sich mit der Zugänglichkeit von (Web-)Anwendungen befassen. Da wäre zunächst einmal der von der User Agent Accessibility Guidelines Working Group veröffentlichte Sprachentwurf zu User Agent Accessibility Guidelines (UAAG) 2.0. In diesem Dokument sind Empfehlungen enthalten, wie Benutzeragenten (Browser usw.) so entwickelt werden können, dass sie möglichst wenige Barrieren aufbauen. In die ähnliche Richtung gehen die von der Authoring Tool Accessibility Guidelines Working Group in aktualisierten Fassungen vorgelegten Arbeitsentwürfe Authoring Tool Accessibility Guidelines 2.0 und Implementation Techniques for ATAG 2.0. Mit beiden Papieren soll Entwicklern von Web-Authoring-Tools dabei geholfen werden, ihre Software möglichst barrierefrei bzw. zugänglich zu entwerfen.
Internet Explorer 8Es gibt endlich Neuigkeiten zur 8. Version des Internet Explorers. Zusammengefasst sind die in dem so genannten Internet Explorer 8 Readiness Toolkit. Fast gleichzeitig hat Microsoft die ersten Beta-Versionen online gestellt. Die entsprechenden Links dazu finden Sie auf der genannten Toolkit-Webseite unter dem Punkt Install Internet Explorer 8. Aus XML-Sicht gibt es einige interessante Neuerungen. So soll der IE 8 eine bessere Unterstützung von XML-Namensräumen mit an Bord haben. Ebenfalls sollen in der neuen Version einige DOM-Bugs entfernt worden sein. Das klingt alles recht vielversprechend, allerdings muss sich auch dieser Browser erst noch in der Praxis bewähren.
Bürgermeister vs. Open XMLChristian Ude, der Münchner Oberbürgermeister, hat sich in einem Schreiben an Wirtschaftsminister Michael Glos explizit gegen Microsofts Open XML ausgesprochen. Der Brief ist auf der Webseite der Stadt München in voller Pracht zu finden. Bei seiner Kritik an Open XML kreisen die Gedanken von Ude um das kommunale LiMux-Projekt . Bei LiMux geht es darum, dass auf kommunalen Münchner Arbeitsplätzen ausschließlich freie Software eingesetzt werden soll. Vor diesem Hintergrund wird dann auch die teils harte Gangart gegenüber Microsoft verständlich. So heißt es in dem Schreiben beispielsweise: Wir brauchen den existierenden Standard ODF und fordern das DIN auf, bei der anstehenden Abstimmung klar "Nein" zur Standardisierung einer weiteren Alternative OOXML zu sagen. Das ist schon harter Tobak. Mal sehen, wie und ob Microsoft darauf reagiert.
XML-Tool der WocheNa, wenn das mal nicht interessant klingt: Layout your XML in 3 simple steps! So zumindest verspricht es XSLfast. Und dann wird auch noch auf einer kleinen, anschaulichen Grafik gezeigt, um welche drei Schritte es sich dabei handelt. Load XML, Drag-n-drop und Generate output. Das klingt nicht nur gut, XSLfast hält, was es verspricht. Im Handumdrehen kann man aus seinen XML-Daten PDF-Dokumente generieren (lassen). Unter http://www.xslfast.com/download/ gibt es eine Testversion. Die Vollversion kostet dann, je nach Lizenz, ab 890 Euro. Damit wird natürlich auch klar, dass der Einsatzzweck von XSLfast eher im professionellen Bereich angesiedelt sein dürfte.
Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne
unter
xml@medienwerke.de entgegen.
Bis nächste Woche,
Ihr Daniel Koch
Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in
Hamburg. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung
und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de.
Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über
Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und
informiert über die neuesten Entwicklungen der
Standardisierungsgremien.






