Freitag, 9. Januar 2009





15.04.2008
XML-Report: Frühlingsgefühle ausgebremst

Daniel Koch

Es ist wie verhext. Das Wetter macht, zumindest im Norden Deutschlands, derzeit mal wieder überhaupt nichts her. Alles trist und grau in grau. So wird das wohl nichts werden mit dem Frühling. Da hilft kein Bitten und kein Betteln. Wenn Ben Wettervogel allmorgendlich die nächste Hiobsbotschaft präsentiert, werden die Gesichter lang und länger. Nun weiß natürlich jeder, dass man sich zwar etwas sehnlichst wünschen kann, es dann aber trotzdem noch lange nicht bekommen muss. Das musste dieser Tage mal wieder Microsoft erfahren. Auf der einen Seite wurde Open XML zum offiziellen ISO-Standard gekürt. Den Redmondern lachte also die sprichwörtliche Sonne entgegen. Aber dann zogen sie auf, die großen, grauen Wolken und zwar in Form des deutschen Außenministeriums. Denn das will partout nicht auf den Open-XML-Zug aufspringen.

Kontra Open XML

Das Außenministerium, ohnehin ein – zumindest bei den Bundesministerien – Vorreiter in Sachen freie Software, hat sich gegen Open XML ausgesprochen. Das gilt zumindest solange, wie Open XML nicht plattformunabhängig ist. Dazu sagte Rolf Theodor Schuster, der IT-Verantwortliche des Außenministeriums, dass es zunächst eine Open-Source-Variante des Dokumentformats geben müsse, das auf allen Linux-Distributionen eingesetzt werden kann. Damit reagiert Schuster auf die angekündigte Kooperation zwischen Novell und Microsoft, die sich darauf geeinigt haben, dass Open XML von Novell (u.a. SuSE und OpenOffice.org) unterstützt werde.

Open XML ist ISO-Standard

Es hat also tatsächlich noch geklappt. Nach langem Ringen und zähen Kampf ist Open XML nun doch in den Stand eines ISO-Standards gehoben wurden. Das gelang zwar erst im zweiten Anlauf, aber es ist vollbracht. Laut einer Meldung des zuständigen Gremiums haben 75 Prozent der ISO-Hauptmitglieder für das Format gestimmt. Notwendig ist eine Zweidrittelmehrheit. Gratulation gab es zu den ISO-Weihen auch gleich noch von Istvan Sebestyen, dem Generalsekretär der ECMA. Der nämlich freut sich über einen "Meilenstein" auf dem Weg, den Zugang zu "Milliarden existierender Binärdokumente" zu erleichtern.

MathML 3.0

Die Mathematik-Arbeitsgruppe des W3C hat den Arbeitsentwurf zur Mathematical Markup Language (MathML) Version 3.0 veröffentlicht. Es handelt sich dabei bereits um die dritte Ausgabe. MathML ist eine Sprache, mit der sich mathematische Strukturen erfassen und darstellen lassen. Das Ganze soll genauso einfach funktionieren, wie die Gestaltung und Anzeige normalen Textes mittels HTML.

Language Bindings for DOM Specifications

Den Arbeitsentwurf zur Language Bindings for DOM Specifications hat die Web API Working Group in diesen Tagen herausgegeben. Dieser Entwurf definiert eine Interface Definition Language (IDL), die von anderen Spezifikationen genutzt werden kann, die ein Document Object Model (DOM) definieren.

XHTML Role Attribute Module

Den bekannten letzten Aufruf zum Arbeitsentwurf XHTML Role Attribute Module hat die XHTML2 Working Group gestartet. Kommentare und Anregungen sind nun nur noch bis zum 10. Mai willkommen. Dieser Entwurf zielt darauf ab, das role-Attribut in jede auf XHTML Modularization 1.1 basierende Sprache einbinden zu können. Dieses Attribut ist semantisch und maschinenlesbar. Ein Browser kann es auf das zugrunde liegende Accessibility API des Betriebssystems mappen. Durch role werden dem damit ausgezeichneten Element semantische Informationen zugewiesen, die von Mensch und Maschine gelesen werden können. Screenreadern ist es dank role dann möglich, die Informationen des entsprechend gekennzeichneten Elements korrekt zu interpretieren.

XACML besteht den Test

Bei der OASIS eXtensible Access Control Markup Language (XACML) handelt es sich um ein XML Schema, mit dem die Darstellung und Verarbeitung so genannter Autorisierungs-Policies standardisiert wird. Nun ist XACML nicht neu, trotzdem tut sich derzeit wieder einiges. Denn die zuständigen Mitglieder des OASIS-Forums haben – laut einer entsprechenden OASIS-Pressemitteilung – die Interoperabilität von XACML im Praxiseinsatz bewiesen. Gezeigt wurde das anhand einer Demonstration bei einem Gesundheitswesenszenario des amerikanischen Kriegsveteranenministeriums.

XML-Tool der Woche

Da in den vergangenen Tagen die dritte Version des Arbeitsentwurfes zu MathML veröffentlicht wurde, geht es in dieser Woche auch in der XML-Tool-Rubrik um diese Sprache. Denn genial ist der Ansatz allemal, mathematische Formeln per XML-Syntax zu definieren. Erledigt man das allerdings per Hand, also durch bloßes Eintippen des Quellcodes, stellen sich meistens Folgendes ein: Man verliert die Lust und stellt sich die Frage, ob das denn nicht schneller gehe. Wenn Sie auch schon in diesem Dilemma gesteckt haben, dann werfen Sie doch mal einen Blick auf den Sciwriter von soft4science. Das Tool richtet sich speziell an Mathematiker und solche, die es noch werden wollen. Wer die 79 US-Dollar für eine Vollversion bzw. 49 US-Dollar für ein Upgrade ausgibt, bekommt eine WYSIWYG-Textverarbeitung an die Hand, mit der sich "XHTML plus MathML"-Dokumente erstellen lassen. Dabei arbeitet man in einer grafischen Benutzeroberfläche und kann zum Beispiel mathematische Formeln per Mausklick einfügen. Interessant ist zudem die Eigenschaft, dass wenn man einen mathematischen Ausdruck in die Sciwriter-Oberfläche einfügt, diese als MathML-Syntax zur Verfügung steht. Die können Sie dann also per Copy & Paste in anderen Dokumenten verwenden. Als "Schmankerl" bietet der Editor auch gleich noch die Möglichkeit, die Daten nach LaTeX zu exportieren, was über eine XSLT-Transformation umgesetzt wird.

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche,
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Hamburg. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.











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