Freitag, 9. Januar 2009





23.04.2008
XML-Report: (Mehr als) Bodo mit dem Bagger

Daniel Koch

Denkt man an die Hannover Messe, die in diesen Tagen ihre Pforten geöffnet hat, kommen einem sicherlich als Erstes imposante Baumaschinen, clevere Industrieautomaten und das Thema Umweltschutz in den Sinn. Überraschen dürfte hingegen so manchen die Tatsache, dass sich auch auf dieser Messe vieles rund um XML und artverwandte Technologien dreht. Was auf den ersten Blick für eine Industriemesse vielleicht ungewöhnlich erscheinen mag, ist logische Konsequenz des anhaltenden XML-Siegeszugs. Denn längst hat XML auch den Durchbruch in Sachen Industriestandards und Automation geschafft. Wer also immer noch glaubt, dass XML eine von vielen Sprachen für das WWW ist, kann sich noch bis Freitag auf der Hannover Messe eines Besseren belehren lassen.

SOA für alle

IBM stellt mit dem SOA Starter Pack ein Einstiegsmodul in die SOA-Welt zur Verfügung. Laut Unternehmensangaben können damit SOA-Anwendungen in einem überschaubaren Rahmen getestet werden. Das Paket ist speziell auf den Mittelstand zugeschnitten, soll aber auch für größere Unternehmen nützlich sein. Gedacht ist das Starter Pack dazu, potenzielle Kunden von SOA zu überzeugen. Innerhalb der ersten beiden Monate wird man als Unternehmen im Zuge des SOA-Projekts von IBM betreut. Dabei werden dann auch die Resultate ausgewertet, um zu sehen, ob und wie sinnvoll SOA für das eigene Unternehmen ist. Während der Testphase betreut IBM die involvierten Mitarbeiter übrigens auch gleich noch mit und schult sie.

Common Web Language

Ihren Abschlussbericht hat die Common Web Language Incubator Group veröffentlicht. Ziel der Common Web Language ist der Entwurf einer Sprache, mit der sich der Informationsfluss im Web verbessern lassen soll. Durch die CWL sollen Menschen Inhalt und Metadaten von Webseiten in natürlicher Sprache beschreiben können. An dieser Stelle allerdings noch einmal der Hinweis, dass es sich lediglich um einen Abschlussbericht, nicht etwa um einen Arbeitsentwurf handelt. Interessant ist der Blick in eine mögliche Zukunft aber allemal.

Widgets 1.0

Mit gleich vier Arbeitsentwürfen trumpft die Web Application Formats Working Group auf. Alle vier haben eines gemeinsam: Sie drehen sich um das Thema Widgets. Bei diesen Widgets handelt es sich um kleine Client-seitige Anwendungen, mit denen sich Remote-Daten anzeigen lassen. Widgets 1.0: The Widget Landscape enthält allgemeine Informationen zu Widgets. So erfährt man dort beispielsweise, welche Software Widgets bislang unterstützt. In dem Entwurf Widgets 1.0: Packaging and Configuration werden ein Zip-basiertes Format und ein XML-basiertes Konfigurationsformat für Widgets beschrieben. Wie sich Widgets digital signieren lassen, beschreibt der Arbeitsentwurf Widgets 1.0: Digital Signature. Den Abschluss bildet Widgets 1.0: Requirements, ein Entwurf, in dem die Designziele und Anforderungen an eine Widget-Spezifikation beschrieben werden.

Google gibt KML frei

Das KML-Format für vektorielle Geodaten steht ab sofort als offener Standard unter der Kontrolle des Open Geospacial Consortium (OGC). Ursprünglich wurde KML zwar von dem Kartografie-Unternehmen Keyhole entwickelt, zuletzt kümmerte sich allerdings Google um die Weiterentwicklung dieser Sprache. Zu der von Google herausgegebenen KML-Spezifikation hat das OGC unter anderem noch das Modell für geometrische Kodierung und Interpolation sowie ein Modell für Erweiterungen zugunsten neuer Anwendungen beigesteuert. Ausführliche Informationen zum neuen Standard finden Sie unter http://www.opengeospatial.org/standards/kml/.

Open XML in WordPerfect

Auch wenn es die neue Version von WordPerfect Office bislang lediglich in englischer Sprache gibt, lässt sie auch auf dem deutschen Markt aufhorchen. Denn neben zahlreichen neuen Funktionen unterstützt diese Office-Suite auch Open XML und OpenDocument. Dadurch soll der Dokumententausch mit Office-2007- und OpenOffice-/StarOffice-Anwendern erleichtert werden. Aber Achtung: Was Corel so schön mit File Format Freedom bezeichnet, meint lediglich das Lesen entsprechender Dokumente. Das Abspeichern in einem dieser Formate ist nicht möglich. Eine Demoversion der Office-Suite gibt es auf den Seiten von Corel.

Microsoft: Office-Dokumentationen

Microsoft hat mit der Veröffentlichung von Dokumentationen zu Kommunikationsprotokollen einen weiteren Schritt in Richtung Interoperabilität getan. Auf fast 10 000 Seiten findet der interessierte Leser/Entwickler Informationen zu den Schnittstellen für Office 2007, den SharePoint-Server 2007 und den Exchange Server 2007. Laut den Interoperabilitätsprinzipien wird jedem freier Zugang zu den Protokollen gewährt, ohne dass dabei Lizenzvereinbarungen unterschrieben oder Lizenzgebühren gezahlt werden müssten. Lediglich für Protokolle, die einem Microsoft-Patent unterliegen, wird man eine Patent-Lizenz erheben. Bei den veröffentlichten Protokollen handelt es sich übrigens um vorläufige Versionen, in denen definiert wird, auf welche Weise einzelne Microsoft-Produkte untereinander kommunizieren.

XML-Tool der Woche

Oftmals ist es so, dass man Daten ausschließlich im XML-Format zur Verfügung hat. Das ist zunächst einmal nicht weiter schlimm. Problematisch wird es allerdings, wenn ein Kunde, Freund oder Arbeitgeber die Daten als Word-, PDF- oder einem anderen Format haben möchte. Dass guter Rat nicht teuer, sondern nach Ablauf der Testphase lediglich 19.95 US-Dollar kosten muss, zeigt der ABC Amber XML Converter. Bei diesem Tool handelt es sich um einen XML/XSL-Prozessor, mit dem man seine XML-Dokumente in zahlreiche Formate konvertieren kann. Dazu gehören neben DOC unter anderem auch PDF, TXT und HTML. Zum Konvertieren muss man lediglich das betreffende XML-Dokument auswählen, festlegen, ob ein XSL-Stylesheet verwendet werden soll und das Zielformat einstellen. Den ABC Amber XML Converter gibt es in einer 30-Tage-Testversion, bei der jedem generierten Dokument automatisch ein Banner hinzugefügt wird. Diese Einschränkung verschwindet natürlich nach dem Kauf der Vollversion.

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche,
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Hamburg. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter xml@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.











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