Freitag, 9. Januar 2009





06.05.2008
XML-Report: Halt den Sommer fest

Daniel Koch

Was war es doch für ein herrliches Wetter in den vergangenen Tagen. Die Menschen liefen mit freundlichen Gesichtern durch die Straßen, die Terrassen der Cafés waren herausgeputzt und hier und da wurden erste Grillversuche unternommen. Nun macht der Wonnemonat also seinem Namen alle Ehre. Da fällt vieles, ja sogar das Aufstehen, leichter. Und so ganz allgemein macht sich auch hierzulande ein beinahe südländisches Flair breit. Weit entfernt von der aufkeimenden (Sommer)-Gelassenheit ist Steve Ballmer, seines Zeichens Konzernchef von Microsoft. Er musste nämlich in einem Brief an Yahoo! schreiben, dass es nun doch nichts wird mit der Übername des Suchmaschinenkonzerns durch Microsoft. Da half auch das erhöhte Angebot nicht, das sich immerhin auf stolze 45 Milliarden US-Dollar belief. Bei all diesem Tohuwabohu kann man doch froh sein, sich dieses Schauspiel aus neutraler Sicht ansehen zu können, der Dinge zu harren, die da kommen mögen, und einfach die Sonnenstrahlen genießen.

Canonical XML Version 1.1

Nun ist es also amtlich: Die XML Core Working Group hat die Empfehlung zu Canonical XML Version 1.1 veröffentlicht. Bei Canonical XML Version 1.1 handelt es sich um eine korrigierte Variante der 1.0er Version. Als offizielle Empfehlung ist das Dokument als "stabil" anzusehen. Änderungen wird es demnach nicht mehr geben. In dieser überarbeiteten Empfehlung geht es hauptsächlich um die Probleme, die Canonical XML 1.0 mit xml:id und xml:base beim Kanonisieren von Teildokumenten hatte.

WCAG 2.0

Der Arbeitsentwurf zu Web Content Accessibility Guidelines 2.0 ist da. Konkret geht es in diesem Papier um die Zugänglichkeitsrichtlinien für Webinhalte, also darum, wie sich Inhalte von Internetangeboten barrierefrei gestalten lassen. Im Unterschied zu den  WCAG 1.0 konzentriert man sich in dem neuen Entwurf nicht mehr auf HTML und CSS als wichtigste Standards des Internets, sondern hält das Ganze allgemeiner. So wird beispielsweise beschrieben, wie sich Layouts und Interaktionen umsetzen lassen, damit das Angebot tatsächlich barrierefrei wird. Auf diese Weise sollen die WCAG offen für die schnellen technologischen Entwicklungen bleiben. Nun stößt WCAG 2.0 allerdings nicht auf Gegenliebe. Eine recht harsche Kritik stammt von Joe Clark, der seine Meinung unter dem wenig blumigen Namen To Hell with WCAG 2 veröffentlichte. Eine deutsche Übersetzung davon gibt es auf den Webseiten von Einfach für Alle.

Klage gegen Open XML

Microsoft kommt mit seinem Open XML einfach nicht zur Ruhe. Dieses Mal fühlt sich die britische Unix-Nutzergruppe dazu berufen, Klage gegen die Anerkennung von Open XML als ISO-Standard einzureichen. Die UK Unix and Open Systems User Group (UKUUG) hat das britische Standardisierungsinstitut aufgrund seines Ja zu Open XML verklagt. Man begründet diesen Schritt damit, dass die Abstimmung bei der British Standards Institution (BSI) nicht korrekt verlaufen sei. Die UKUUG hat allgemeine Bedenken hinsichtlich Open XML. Vor allem sieht man dort Probleme mit Patenten bei der Spezifikation. Zudem sei die Dokumentation nach wie vor nicht vollständig. Vor Gericht möchte man nun erreichen, dass die Entscheidung der BSI geprüft und dann gegebenenfalls rückgängig gemacht wird.

SOA (auf lange Sicht)

Bei einer von Progress Software in Auftrag gegebenen und von Vanson Bourne durchgeführten Umfrage zu SOA kam Interessantes heraus. Es zeigte sich nämlich, dass die europäischen IT-Verantwortlichen die Vorteile, die SOA bietet, erst auf lange Sicht sehen. So meinen zwar 65 Prozent der Befragten, dass SOA die Architektur der Zukunft sei, allerdings verfügen lediglich 44 Prozent über eine entsprechende SOA-Strategie. (In Deutschland sind es sogar nur 39 Prozent.) Auch haben sich viele IT-Verantwortliche bereits mit dem Thema SOA-Governance auseinandergesetzt. 21 Prozent haben bereits ein entsprechendes Verfahren implementiert, 46 Prozent wollen das noch tun. In Deutschland haben immerhin schon 26 Prozent aller Befragten SOA-Governance umgesetzt.

XProc

Den Arbeitsentwurf zu XProc: An XML Pipeline Language hat die XML Processing Model Working Group herausgegeben. XProc: An XML Pipeline Language beschreibt Syntax und Semantik von XProc. Mittels XProc lassen sich Verarbeitungsprozesse für XML-Dokumente definieren. So lässt sich beispielsweise die Zusammenführung mehrerer XML-Dokumente und die Interaktion mit Spezifikationen wie XSL, XInclude und XML Schema standardisieren.

SVG-Arbeitsgruppe wieder am Start

Es tut sich wieder was in Sachen SVG. Das W3C vermeldet dieser Tage, dass die SVG-Arbeitsgruppe mit neuem Elan an den Start gegangen ist. Erik Dahlström und Andrew Emmons werden der Arbeitsgruppe weiterhin vorstehen. Parallel dazu wird es aber auch die SVG Interest Group geben, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Diskussionen rund um SVG zu fördern, um so Anforderungen zu erfassen, mit der sich die Verwendbarkeit von SVG in Verbindung mit anderen Technologien erhöhen lässt.

RIF

Drei neue Arbeitsentwürfe gibt es aus dem RIF-Umfeld zu vermelden. Veröffentlicht wurden sie von der Rule Interchange Format (RIF) Working Group. Namentlich handelt es sich dabei um RIF Basic Logic Dialect (RIF-BLD), RIF Framework for Logic Dialects (RIF-FLD) und RIF RDF and OWL Compatibility (RIF-RDF-OWL). Ziel der RIF-Arbeitsgruppe ist es, einen standardisierten Weg zum Austausch von Regeln im Web zu erarbeiten. Diese Regeln stellen ein Schlüsselelement der so genannten Semantic Web Vision dar.

XML-Tool der Woche

Von Microsoft stammen die XML Core Services, die eine standardkonforme Implementierung der Komponenten XML 1.0 (DOM & SAX2 APIs), XML Schema (XSD) 2.0, XPath 1.0 und XSLT 1.0 bereitstellen. Mit Version 6.0 wurden zahlreiche Sicherheitsprobleme behoben, die laut Hersteller insbesondere in Szenarien mit eingeschränkten Ressourcen aufgetreten sind. Auch wenn es offenkundig bei den XML Core Services ausschließlich um das ungefährliche Handling von passiven Daten geht, wurden Sicherheitsfunktionen integriert. So soll beispielsweise das Off-by-default-Prinzip verhindern, dass beim Herunterladen von XML-Dokumenten aus nicht vertrauenswürdigen Quellen böswillige Stylesheets und XSLT-Prozeduren mittels eingebetteter Links mitgeladen werden. Zudem verspricht Microsoft nun eine ausgetestete Verträglichkeit mit dem .NET-Namensraum System.Xml in Version 2.0. Auf der Downloadseite finden Sie die Varianten der XML Core Services für die verschiedenen Windows-Systeme.

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche,
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Hamburg. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter xml@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.











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