Mit einer Eröffnungs-Veranstaltung, die in weiten Teilen im Zeichen von JavaFX stand, hat Sun seine Hauskonferenz JavaOne eröffnet. Die Technologie spiele eine Schlüsselrolle bei der Konvergenz von Inhalten, Medien und Kommunikationskanälen, sagte Rich Green, Software-Chef bei Sun. Rund 15.000 Teilnehmern haben, laut Sun, ihren Weg zur diesjährigen JavaOne gefunden, die unter dem Motto "Java + You" steht.
"Die Java-Technologie hat sich zur mächtigsten, sicheresten am am meisten skalierbaren Entwicklungsplattform für ein breites Spektrum an Enterprise- und mobilen Anwendungen entwickelt", sagte Green und verwies auf die starke weltweite Verbreitung. 2,2 Milliarden mobile Geräte laufen laut Green heute mit Java-Technologie, 91 Prozent aller Desktop-Computer seien mit Java ausgestattet, sagte er.
Rückkehr der Applets?
Mit JavaFX werden gemischte Teams, bestehend aus Java-Entwicklern, Content-Verantwortlichen und Designern in die Lage versetzt, in kurzer Zeit so genannte Rich Media-Inhalte zu erstellen und auf verschiedene Zielplattformen (Mobile, Desktop) zu verteilen, so Green.
In einer Demo wurden denn erste lauffähige Prototypen gezeigt - so z.B. auch die Anwendung "Connected Life", die verschiedene Web 2.0-Dienste wie Flickr, Twitter usw. ein einer einheitlichen und übersichtlichen Umgebung zugänglich macht. Der Clou bei Connected Life, auch wenn die Demo nicht ganz reibungslos verlief - das Programm, das zunächst wie ein klassisches Java-Applet in eine Website eingebunden ist, lässt sich mit der Maus auf den Desktop ziehen und läuft dort wie ein Widget eigenständig weiter. In einem weiteren Schritt ließ sich das Beispiel-Programm auch noch auf einem Mobiltelefon deployen - ganz ohne Änderungen am Code!
Weitere Demos unterstrichen die ambitionierten grafischen Fähigkeiten (2D und 3D) von JavaFX. Eine erste Version der JavaFX-Runtime für den Desktop, die als Erweiterung des JRE (Java Runtime Environment) daherkommt, wird für den Herbst dieses Jahres erwartet. Im Frühjahr 2009 werde dann die Mobile-Variante von JavaFX nachgelegt, sagte Green. Sun sei mit zahlreichen Mobiltelefon-Herstellern in Verhandlungen und das Interesse an der Technologie sehr groß.
Einige Beispiele, die allerdings noch nicht auf der JavaFX-Technologie basieren, findet man auf javafx.com.
Warten auf die Tools
Die Frage nach den Tools, die Java-Programmierer, Content-Entwickler und
Designer benötigen, um JavaFX-Anwendungen zu bauen, konnten die
Sun-Verantwortlichen auch im Jahre 1 nach der ersten Veröffentlichung der
Technologie nicht beantworten. Man arbeite daran, aber eine Roadmap dafür
existiere noch nicht. So liefert auch die JavaOne nicht mehr Informationen
darüber als unser
Gespräch
mit James Gosling, das wir im vergangenen Dezember führten. Damals betonte
Gosling, dass man mit Hochdruck und unter Einsatz einer großen Mannschaft an
entsprechenden
Netbeans-Plugins
arbeite.
Rock-Attitüde
Um Javas Bedeutung für mediale Inhalte zu unterstreichen, holte Sun CEO Jonathan Schwartz den Altrocker Neil Young auf die Bühne. Young arbeitet derzeit daran, sein Lebenswert in einer interaktiven Werkschau auf eine Serie von Blue Ray-Discs zu bringen. Dabei sollen die Benutzer durch eine Vielzahl an Neil Young-Songs sowie Filmausschnitte, Manuskripte, Fotografien und sonstige Memorabilia interaktiv surfen können und dies begleitet durch seine Musik in bester Audio-Qualität (192/24).
Die Blue Ray-Technologie gilt seit kurzem als Sieger im sog. Formatkrieg um die zukünftigen Formate audiovisueller Inhalte. Die Blue Ray-Spezifikation definiert u.a. auch eine Anwendungsschicht, welche das traditionelle DVD-Menü ersetzen soll. Sie wird in der Regel in Java programmiert.
Umfassendes Programm
Die große Konzentration von Sun vor allem auf die Consumer-Fähigkeiten von Java kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die JavaOne in erster Linie eine Entwickler-Konferenz geblieben ist. Ein weiterer starker Akzent der Konferenz liegt auf den zahlreichen Scriptsprachen, wobei sich Sun's Vorliebe für JRuby (gegenüber anderen Varianten wie Groovy) auch im Programm widerspiegelt.
Auch ist die JavaOne ihrer Linie treu geblieben, bestimmte Phänomene der Java-Welt weitgehend auszublenden. So findet sich in dem Programm eine starke Dominanz bei Glassfish-Themen (eine durchaus respektable Technologie), andere Open Source-Server dagegen (wie z.B. JBoss oder Apache Geronimo) werden nur untergeordnet behandelt. Ähnlich verhält es sich mit Eclipse, das auf der Konferenz praktisch gar nicht vorkommt, obgleich verschiedene Umfragen der Entwicklungsumgebung eine Verbreitung von über 60 Prozent attestieren.
Die Keynotes der JavaOne werden live übertragen und finden in der Regel gegen 17.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt.






