Freitag, 9. Januar 2009

News

präsentiert von: entwickler.com
Dienstag, 13. Mai 2008

Software ist tot – es lebe die Plattform

"No Software" war das Motto der Dreamforce Europe. Vergangene Woche veranstaltete Salesforce.com seine Kunden- und Partnerkonferenz das erste Mal in Europa. Rund 2200 Teilnehmer folgten am 7. und 8. Mai der Einladung von Salesforce ins Barbican Center, London und informierten sich darüber, wie sich mit der Software-as-a-Service (SaaS) CRM-Lösung salesforce.com und Platform-as-a-Service-Lösung (PaaS) force.com in Zukunft Geschäfte machen lassen. Darunter waren auch viele Vertreter der Business-Seite, was für eine Technologiekonferenz eher unüblich ist, aber die Atmosphäre offen und vielseitig gestaltete.

Das Ende der Lizenzsoftware

Geht es nach Marc Benioff, dem CEO und Gründer von Salesforce.com, so ist die Zeit der Software, wie wir sie kennen, vorbei. Die Zukunft gehört den On-Demand-Lösungen. Er hob in seiner zweieinhalbstündigen Keynote daher nicht nur die Erfolge und Ziele des eigenen Unternehmens hervor, das in den vergangenen sieben Jahren mit seiner CRM-Lösung zum SaaS-Markführer geworden ist. Er verkündete auch die Ära des Cloud Computing auf Basis von PaaS. Das Prinzip des Cloud Computing lasse sich vergleichen mit den städtischen Wasser- und Energieversorgungssystemen – wer diese nutzen will, schließt sich einfach an die Infrastruktur an und bezieht den benötigten Service. Niemand käme auf die Idee, die ganze Infrastruktur selbst aufzubauen. Um den Aufbau, die Wartung und Erzeugung des Service kümmert sich der Anbieter - nicht der Kunde. Ebenso verhalte es sich mit Cloud Computing. Der Kunde schließt sich via Datenleitung an das Netz an, ob im Büro oder unterwegs, und nutzt die Angebote in dem von ihm benötigten Umfang – und genau dafür zahlt er auch. Das Versprechen für Hersteller und Kunden ist: keine Software auf CD, die auf hauseigener Hardware installiert und gewartet werden muss und bei der jede Lizenz, ob genutzt oder nicht, teuer bezahlt wird.

Das Web 3.0 – Raum für Innovation

PaaS ist eine Kampfansage an die klassischen Softwarehersteller. Das Web 1.0 habe allen den Zugang zum Internet ermöglicht und das Web 2.0 allen die Möglichkeit gegeben, selbst Inhalte zu veröffentlichen. Das Web 3.0 in Form des Cloud Computing sei nun die Plattform für Innovation. Das Unternehmen der Zukunft kann diese Plattform nutzen, um darauf selbst maßgeschneiderte Anwendungen zu entwickeln oder vorhandene Anwendungen nach Bedarf zusammenzustellen. Der Vorteil dabei sei, dass immer eine stabile, sichere und skalierbare Infrastruktur vorhanden ist, für deren Funktionssicherheit und Aktualität der Anbieter Sorge trägt. Das Unternehmen mietet in einem Abonnement genau die Leistungen, die es braucht, und benötigt dazu nur einen Zugang zum Netz und ein Endgerät mit Webbrowser. Den IT-Abteilungen biete sich dadurch die Chance zur Innovation, da sie sich nicht mehr um die Infrastruktur kümmern müssten, sondern sich auf die eigentliche Anforderung konzentrieren könnten. Zudem nutze die Multi-Tenancy-Technologie, bei der viele Nutzer auf ein SaaS-Angebot zugreifen, die Ressourcen effizienter, da es zum Beispiel keine brachliegende Serverkapazität gebe, die man als Reserve für Spitzenzeiten bereithält. Im Zuge der Green-IT sei dies nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein Umweltfaktor.

Erfolge aus der Praxis

Zur Demonstration der Möglichkeiten von SaaS präsentierten einige Unternehmen während der Keynote ihre Lösungen. So verkündete Jeremy Roche, CEO von Coda, den Produktlaunch von Coda2go, einer vollständig auf der force.com-Plattform entwickelten SaaS-Finanzbuchhaltungslösung. Coda ist ein mittelständischer Softwarehersteller mit rund 2600 Kunden in Europa. Roche sagte, dass man auf Basis der eigenen Erfahrung davon ausgehen könne, rund zwei Jahre Entwicklungszeit durch Nutzung des PaaS-Angebots gespart zu haben. Der Entwicklungschef von Coda erzählte später im Gespräch, dass die Java-Programmierer nach knapp drei Wochen Einarbeitung mit dem eigens für force.com entwickelten Apex-Code gut arbeiten konnten.

Ein weiteres Beispiel ist das Sechs-Personen-Start-up-Unternehmen Fairsail, das eine komplette Personalverwaltungslösung anbieten kann, ohne dafür eine eigene Infrastruktur zu unterhalten. Das Unternehmen erhielt dafür auch den force.com Partner Innovation Award. Diese und viele andere Anwendungen können über die AppExchange-Plattform von salesforce.com vertrieben beziehungsweise getestet und genutzt werden.

Evangelist des neuen Zeitalters

Marc Benioff ist auf einer Mission. Die Ankündigung der Ära des Cloud Computing bezog er nicht allein auf das eigene Angebot, sondern präsentierte selbstbewusst eine Folie mit 20 weiteren PaaS-Anbietern. Jeder dieser Anbieter richte sich an eine andere Zielgruppe. Die App Engine von Google ermögliche Python-Applikationen, die Amazon-Angebote bedienten die LAMP-Community und Facebook sei klar auf den Privatanwender ausgerichtet.

In der anschließenden Pressekonferenz bezeichnete es Benioff als seinen Job, das Bewusstsein der Industrie zu verändern und sagte, dass er sich und sein Unternehmen als Evangelisten der PaaS-Technologie sehe. Auf die Frage, ob man Google, dessen Office-Anwendungen vor Kurzem in salesforce.com integriert wurden, nicht als Konkurrenz ansehe, antwortete er knapp aber eindeutig: "Meines Feindes Feind ist mein Freund." Er sehe die Vorteile des Cloud Computing darin, dass Lösungen verschiedener Anbieter über offene Standards flexibel miteinander verknüpft werden können. Das Selbstbewusstsein Benioffs ist auch nicht unbegründet. Salesforce.com hat weltweit rund 41000 Kunden, davon 7000 aus Europa, mit über einer Million Nutzern. Zudem hat Gartner die force.com-Plattform als erste PaaS-Lösung in den Application Server Magic Quadrant aufgenommen.

Kein Geld mehr für klassische Software

Letzteres ist ein deutliches Signal an die klassischen Anbieter und unterstützt Benioffs Überzeugung, dass Venture Capital in Zukunft nicht mehr in klassische Softwareunternehmen investiert werde. Die Vielzahl der anwesenden Partner, auch von großen Systemhäusern, zeigte, welche Möglichkeiten sich im Umfeld der Technologie bieten. In Gesprächen zeigte sich, dass sowohl Berater, Integrationsspezialisten, Mobie-Computing-Anbieter sowie Anwendungsanbieter ihre Chancen sehen und erfolgreich mit salesforce.com und anderen Anbietern zusammenarbeiten.

Die Vielzahl der Plattformen, der relativ leichte Einstieg für Entwickler, aber auch die Zugänglichkeit der Technologie für das Business versprechen eine interessante Entwicklung. Angesichts der Tatsache, dass auf der Dreamforce Europe Business- und Technikteilnehmer gleichermaßen vertreten waren, verlangt es nicht viel prophetische Weitsicht zu sagen, dass mit SaaS und PaaS zukunftsweisende Business Technology den Marktplatz betreten hat.

(ms)

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