Freitag, 9. Januar 2009





26.05.2008
XML-Report: Virtuelle Urlaubsplanung

Daniel Koch

Vielleicht geht es Ihnen ja auch so. Sobald der Urlaubsort oder das Ziel des nächsten Wochenendausflugs feststeht, wird Google Earth angeworfen. Ein kurzer virtueller Flug und schon weiß man ungefähr, was einen am Ort seiner Träume erwartet. Wer glaubt, dass das die Vorfreude schmälert, irrt gewaltig. Denn dafür ist die Ansicht doch etwas völlig anderes, als wenn man dann tatsächlich vor Ort ist und einen – wenn man Glück hat – der Duft von Sonne, Strand und Tapas in die Nase steigt. Was dem Bald-Urlauber sein Google Earth ist, soll Doctype für Entwickler werden. Denn Google hat sich vorgenommen, die weltweit größte Development-Plattform zu bauen. Ob die genauso erfolgreich wie Google Earth, Google Mail & Co. wird, bleibt freilich abzuwarten. Für alle, die sich mit Code, Skripten und Programmen beschäftigen, dürfte es aber in jedem Fall interessant werden.

Google Doctype

Google will Webentwicklern unter die Arme greifen und hat zu diesem Zweck die Doctype-Plattform ins Leben gerufen. Mark Pilgrim, Mitglied des Google-Code-Teams, bezeichnet das Projekt als die Enzyklopädie von Webentwicklern für Webentwickler. In Google Doctype soll das gesammelte Wissen zu Themen wie XML, CSS, HTML und allem, was es sonst noch so im Webumfeld an Technologien gibt, verfügbar gemacht werden. Zum Beta-Start der Plattform wurden zum Beispiel Beiträge zum DOM, dem Cross Site Scripting sowie zahlreiche Tipps und Tricks veröffentlicht. Wer will, kann zu Doctype übrigens eigene Beiträge beisteuern. Auch wenn das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt, ist es schon jetzt eine interessante Anlaufstelle. So hat Google dort bislang beispielsweise 8000 Codezeilen aus seinen Bibliotheken veröffentlicht.

Open Media Platform

Der Markt für Sprachsysteme ist für Außenstehende recht unübersichtlich. Aber auch wer sich hin und wieder mit VoiceXML beschäftigt, fragt sich früher oder später, wo er denn seine Fähigkeiten bzw. die seines Codes testen kann. Eine Möglichkeit dazu wird jetzt mit dem VoiceXML Media Server zum kostenlosen Download angeboten. Dabei handelt es sich um eine VoiceXML-IVVR-Lösung, bei der das Dialogic Media Gateway ankommende Anrufe aus ISDN in SIP verwandelt. Die Voxpilot Open Media Platform wiederum beantwortet den SIP-Call und führt die in VoiceXML und CCXML entwickelten Anwendungen aus. (Der umgekehrte Weg funktioniert übrigens auch.)

XML Signature

Das W3C hat die XML Security Working Group gegründet. Die neue Arbeitsgruppe hat den Auftrag, neue Schritte in Richtung zusätzlicher XML-Sicherheitsspezifikationen zu planen. (Beschlossen wurde das übrigens auf dem im letzten Jahr veranstalteten Workshop Next Steps for XML Signature and XML Encryption.) Die Aufgaben der XML Security Working Group umfassen hauptsächlich die Überarbeitung der Spezifikationen XML Signature Syntax and Processing und XML Encryption Syntax and Processing.

Progress Events 1.0

Den Arbeitsentwurf zu Progress Events 1.0 hat die Web API Working Group veröffentlicht. In dem Dokument werden Ereignisse beschrieben, die für die Überwachung von Prozessfortschritten genutzt werden können. Gedacht ist Progress Events 1.0 hauptsächlich für Datentransfers, die von XMLHTTPRequest spezifiziert werden, oder für die so genannten Media Access Events.

Widgets für Opera

Der Browserhersteller Opera hat ein Software Development Kit für die Entwicklung von Widgets veröffentlicht. Widgets sind kleine Programme, die allerlei nützliche (manchmal auch weniger nützliche) Funktionen für den Desktop bereitstellen, dabei aber den Opera-Browser als Laufzeitumgebung benötigen. Realisiert werden Widgets mittels der bekannten Webtechniken HTML, CSS und JavaScript. Mit dem nun herausgegebenen SDK können Widgets für alle Plattformen, auf denen Opera-Browser laufen, entwickelt werden. Zu diesen Plattformen gehören Handys, PCs und Spielkonsolen. Das SDK enthält unter anderem einen Widget-Emulator und den Dragonfly-Debugger. Um die erstellten Widgets dauerhaft und geräteunabhängig speichern zu können, kann der von Opera unter dem Namen Opera XML Store zur Verfügung gestellte Speicherplatz genutzt werden.

ODF in Office

Microsoft geht einen weiteren Schritt auf seine Kritiker zu. Die Redmonder kündigten dieser Tage an, dass man mit dem nächsten Office-Service-Pack, das im ersten Halbjahr 2009 erscheinen soll, auch eine Speichermöglichkeit für das Open Document Format (ODF) anbieten werde. Eine Implementierung von Open XML wird es aber wahrscheinlich auch in diesem Service Pack nicht geben. Sie wird erst in der nächsten Office-Generation enthalten sein. (Man munkelt, dass Office 14 etwa 2010 erscheinen wird.) Kritiker sehen das Microsoft-Engagement zunächst einmal gewohnt skeptisch und wollen abwarten, ob Microsoft ODF tatsächlich so stark wie Open XML unterstützen wird.

Microsoft bei OASIS und ISO

Microsoft ist bereits Sponsor der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS). Nun will man auch aktiv ins Geschehen eingreifen und wird wohl dem technischen Gremium beitreten, das an der neuen Version von ODF arbeitet.
Ebenfalls aktiv will Microsoft in der ISO-Arbeitsgruppe werden, die die Weiterentwicklung des Open-XML-Standards vorantreibt.

XML-Tool der Woche

Mozilla-Anwender kennen den DOM Inspector wahrscheinlich schon länger. Mit diesem Tool kann man das Document Object Model (DOM) von Webseiten analysieren. Interessant ist das vor allem für diejenigen, die sich die innerhalb einer Seite vorhandenen Elemente und Attribute anzeigen lassen bzw. überprüfen wollen. Darüber hinaus kann man aber auch nach Elementen suchen und diese auswählen. Viele Mozilla-User nutzen den DOM Inspector immer wieder. Benutzer des Firefox schauen recht neidisch auf ihre Browser-Brüder. Das ist aber gar nicht nötig, denn den DOM Inspector gibt es auch für den Firefox. Und das Beste daran: Er ist sogar schon – wenn auch ein gut versteckter – Bestandteil des Browsers. Um ihn zu installieren, muss die benutzerdefinierte Firefox-Installation gewählt werden. Ab Firefox 1.5 ist die entsprechende Option unter Developer Tools zu finden. Um an den DOM Inspector zu kommen, muss Firefox also nochmals installiert werden. (Die persönlichen Einstellungen gehen dabei nicht verloren.)

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche,
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Hamburg. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.







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