Wenn sich die Cloud, also zum Beispiel ein Service wie Amazons S3 in Wohlgefallen auflöst und nur noch Rauchzeichen von sich gibt, bekommt man als User schmerzlich zu spüren, was es heißt, auf eine der wesentlichen Eigenschaften des Internets zu verzichten. Was es heißt, auf ein verteiltes Netz zu verzichten. Das ist dann ungefähr so, wie mit einer verlorenen Liebe – man merkt erst hinterher, was man falsch gemacht hat.
Zugegeben, ganz so dramatisch war es nicht, als Amazons Serverfarm für rund sechs Stunden unerwartet vom Netz ging. Als die Avatare bei Twitter nicht mehr dargestellt wurden. Als SmugMug offline ging.
Auf der anderen Seite zeigt es jedoch, was es bedeuten kann, in einer Cloud – also einem zunächst dezentral angebotenem Service – die alleinige Zukunft für Webanwendungen zu sehen. Denn auch wenn die Cloud nicht im eigenen Haus ist – irgendwo schwebt sie, und wer nicht für das nötige Backup sorgt und sich allein auf diesen externen Service verlässt, bekommt bei einem Ausfall die Tücken des Bottlenecks kräftig zu spüren.
Eines der besonderen Merkmale des Internets war die Eigenschaft, die Infrastruktur für eine verteilte Kommunikation bereitzustellen. Fiel ein Rechner aus, konnten andere übernehmen. Im Zeitalter von Software as a Service scheinen wir aber immer mehr dazu überzugehen, uns auf externe Anbieter zu verlassen. Das ist nicht verteilt, das ist ausgelagert.
Selbst schuld, mag man da sagen. Ein Blick auf die Diskussionen in Amazons Developer-Forum zeigt jedoch, dass viele mit ihrem Geschäftsmodell schon heute rein auf die Dienste Amazons vertrauen. Im festen Glauben daran, dass ein IT-Riese wie Amazon die Sache schon schaukeln wird. Das einfach alles im Griff ist und nichts schief gehen kann.
Hat man uns zu viel versprochen? Hat uns der Blick durch die rosarote Brille getäuscht? Amazon jedenfalls kann hoffen. Das schöne an der Liebe ist ja, dass man sich bei allem Schmerz auch gerne neu verliebt. Herrlich.




