Jeder Hobby-Sportler hat sich wohl – selbst wenn es nur im stillen Kämmerlein war – bereits einmal vorgestellt, wie es ist, Olympiasieger zu sein. Ganz oben auf dem Treppchen zu stehen und lässig oder emotional ins weite Rund zu winken. Den meisten dürfte dieses Gefühl freilich verwehrt bleiben. Nicht aber den beiden dänischen Seglern Jonas Warrer und Martin Ibsen. Die nämlich gewannen das Finale in der 49er-Klasse im Segelwettbewerb. Genießen konnten sie ihren Triumpf bislang allerdings kaum. Auslöser dafür war ein Mastbruch kurz vor dem Start des Rennens. Die Dänen, clever wie sie sind, borgten sich daraufhin kurzerhand das Boot der Kroaten ... und gewannen. Eine perfekte, fast schon filmreife Olympia-Geschichte also, möchte man meinen. Einige Konkurrenten sahen das jedoch anders und legten Protest ein. 20 Stunden hat sich das verantwortliche Gremium Zeit gelassen, eine Entscheidung zu fällen. Schließlich wurden die Proteste (zum Glück) abgewiesen und die Sieger können sich jetzt endlich auch als Sieger fühlen. Das führt – wenn auch nicht gerade zwangsläufig – zu Microsoft. Dort kämpft man zwar nicht um olympisches Gold, aber immerhin um ISO-Weihen. Bekanntermaßen haben einige Länder Protest gegen das umstrittene Verfahren zur Nominierung von Open XML eingelegt. Jetzt ist die Entscheidung da. Wie sie ausfiel, ist eines der Themen dieses XML-Reports.
Einspruch abgelehntDie vier Einsprüche gegen das umstrittene Verfahren zur ISO-Nominierung von Open XML wurden endgültig abgewiesen. Damit werden sie auch nicht mehr von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) und der Internationalen elektrotechnischen Kommission (IEC) weiterbehandelt. Sowohl in dem Technical Management Board (TMB) der ISO wie auch im Standardization Management Board (SMB) fanden die Eingaben aus Brasilien, Indien, Venezuela und Südafrika nicht die erforderlichen Zweidrittelmehrheiten. Daher gilt als sicher, dass die mit der Nummer DIS 29500 angenommene Spezifikation in den kommenden Tagen als internationaler ISO/IEC-Standard veröffentlicht wird. Vermeldet wird das übrigens auch schon in einer Pressemitteilung.
Element Traversal SpecificationDie vorgeschlagene Empfehlung zu Element Traversal Specification hat die Web Applications Working Group herausgegeben. Durch diese Spezifikation wird das ElementTraversal-Interface definiert, bei dem es sich um einen Satz von Attributen handelt, die es Autoren von Webdokumenten ermöglichen, zwischen Elementen eines Dokuments zu navigieren. Ein typisches Beispiel dafür ist das Element firstElementChild, mit dem man das erste Kind-Element des ausgewählten Elements ermitteln kann. Eine Liste der Last-Call-Kommentare wurde parallel veröffentlicht
XProc: An XML Pipeline LanguageDen Last Call für XProc: An XML Pipeline Language gibt es dieser Tage von der XML Processing Model Working Group. Diese Spezifikation beschreibt Syntax und Semantik von XProc. Durch eben dieses XProc lassen sich Verarbeitungsprozesse für XML-Dokumente definieren. So kann zum Beispiel die Zusammenführung mehrerer XML-Dokumente und die Interaktion mit Spezifikationen wie XInclude, XSL und XML Schema standardisiert werden. Bis zum 26. September sind Anregungen und Kommentare zum Arbeitsentwurf willkommen.
Webinare bei Oasis OpenDas Oasis Open Forum veranstaltet wieder diverse Webinare. Für zwei kann man sich bereits jetzt seinen virtuellen Sitz reservieren. Zunächst einmal wäre da DITA to XLIFF and Back – two complementary standards that reduce the costs and risks of translating XML content. Ähnlich angesiedelt ist das zweite Webinar, das unter dem Namen DITA to XLIFF and Back – Understanding the technical solution beworben wird. Anmeldungen sind zu beiden Veranstaltungen unter http://www.oasis-open.org/events/webinars/ möglich. Auf der gleichen Seite findet man auch Verweise zu Webinaren, die bereits stattgefunden haben. Wer sich die mal eben so nebenbei anschauen will, der wird Augen machen. Denn einige der Webinare dauern länger als 80 Minuten.
Documentum von EMCDie EMC hat Version 5 ihres Dokumenten- und Content-Management-Systems Documentum veröffentlicht. Interessant an der neuen Version ist vor allem das integrierte XML-Datenbankmanagementsystem Xhive. Damit unterstützt Documentum jetzt erstmalig vollständig XML.
XML-Tool der WocheGute XML-Editoren muss man sich etwas kosten lassen. So der Tenor der allgemein vorherrschenden Meinung. Mittlerweile gibt es aber durchaus kostengünstige und kostenlose Alternativen. Für gerade einmal 20 Euro bekommt man beispielsweise den Easy XML Editor. In der Tat handelt es sich dabei um einen vollwertigen XML-Editor, mit dem sich XML-Dateien bearbeiten und in einer Baumstruktur darstellen lassen. Obwohl der Fokus eindeutig auf der Baumstruktur liegt, lassen sich die Quelltexte auch direkt anpassen. Darüber hinaus bietet der Easy XML Editor auch noch Schema-Prüfung, Tabellenbearbeitung, Markieren der Änderungen, eine Kopierfunktion und die Möglichkeit zur visuellen Aufbereitung von XML-Dokumenten. Eine 60-Tage-Testversion kann von der Herstellerseite heruntergeladen werden.
Noch ein Nachtrag zu dem bereits in einem vergangenen XML-Report vorgestellten Sciwriter. Letzte Woche bekam ich von einem aufmerksamen Leser den Hinweis, dass das Tool nun nicht mehr 79 US-Dollar kostet, sondern kostenlos heruntergeladen werden kann. Diesen Tipp gebe ich natürlich gerne weiter.Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne
unter
xml@medienwerke.de entgegen.
Bis nächste Woche,
Ihr Daniel Koch
Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in
Hamburg. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung
und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de.
Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über
Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und
informiert über die neuesten Entwicklungen der
Standardisierungsgremien.




