Sonntag, 12. Februar 2012





09.09.2008
XML-Report: Außenseiter-Spitzenreiter

Daniel Koch

Bei manchen Dingen macht das Zusehen erst so richtig Spaß, wenn die Rollen und Sympathien klar verteilt sind. Beispielsweise ist es immer am schönsten, wenn ein Underdog einem großen Rivalen eins auswischen kann. Zu sehen war das einmal mehr am vergangenen Samstag, als die hochfavorisierten Franzosen ihr Qualifikationsspiel zur Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika gegen Österreich mit 1:3 verloren haben. Für neutrale Beobachter sind solche Überraschungen natürlich eine Freude. Das Herz schlägt in so einer Situation nun mal meistens für den Außenseiter. Aber auch wenn der Sport für solche ungleichen Duelle geradezu prädestiniert erscheint, er ist längst nicht das einzige Feld, wo so etwas anzutreffen ist. Bestes Beispiel ist der erneut aufgenommene Kampf von Brasilien, Ecuador, Kuba, Südafrika und Venezuela gegen die ISO-Zertifizierung von Microsofts Open XML. Die Frage, wer in diesem Fall Außenseiter und wer Spitzenreiter ist, kann dann übrigens jeder für sich selbst beantworten. Was hinter den erneuten Protesten steckt, erfahren Sie hingegen in diesem XML-Report.

Protest gegen Open XML

Eigentlich dachte man, dass die Sache mit der ISO-Zertifizierung von Open XML erledigt sei. Nun ja, dem ist offenkundig nicht so. Denn Regierungsvertreter aus Brasilien, Venezuela, Ecuador, Südafrika und Kuba haben eine offene Erklärung an die ISO (International Organization for Standardization) und die IEC (International Electrotechnical Commission) geschickt. Darin hat man nochmals seinen Protest gegen das umstrittene Verfahren für die Nominierung von Open XML zum ISO-Standard zum Ausdruck gebracht. Unter anderem heißt es in der Protestnote, die im Rahmen des Congresso Internacional Sociedade e Governo Eletronico (CONSEGI) verabschiedet wurde, dass die beiden Gremien ihre eigenen Regeln gebeugt hätten. Die fünf Länder drohen in diesem Streit sogar offen damit, dass sie den Einsatz von ISO-Normen in ihren Verwaltungen hinterfragen werden. Ob und wie die ISO auf den erneuten Vorstoß gegen die ISO-Zertifizierung von Open XML reagieren wird, bleibt abzuwarten.

RDFa in XHTML

Die Semantic Web Deployment Working Group und die XHTML2 Working Group haben einen Vorschlag für eine Empfehlung zu RDFa in XHTML: Syntax and Processing herausgebracht. In diesem Dokument wird beschrieben, wie sich RDFa mit XHTML nutzen lässt. Innerhalb des Dokuments sind zahlreiche Beispiele enthalten, die beschreiben, wie das aussehen kann.

Efficient XML Interchange

Den ersten Arbeitsentwurf zu Efficient XML Interchange (EXI) Impacts hat die Efficient XML Interchange Working Group herausgegeben. EXI definiert eine sehr kompakte Darstellung von Extensible Markup Language (XML) Information Set. Dabei setzt das EXI-Format auf einen so genannten hybriden Ansatz sowie auf einen vereinfachten Algorithmus.

SKOS

Die zweite Version des Arbeitsentwurfs zu SKOS Simple Knowledge Organization System Reference wurde veröffentlicht. SKOS ist ein Eckpfeiler des semantischen Webs. In SKOS wird ein Datenmodell beschrieben, mit dem Teilen und Verbinden über das semantische Web möglich werden soll. Das Ergebnis soll ein einfacher und kostengünstiger Weg sein, über den sich Wissensdatenbanken in das semantische Web überführen lassen. Hintergrund dessen ist die Tatsache, dass viele Systeme wie Thesauren und Taxonomien ähnliche Strukturen nutzen. Mit SKOS sollen die verschiedenen Ansätze über unterschiedliche Anwendungen hinweg nutzbar gemacht werden.

W3C-Tag in Berlin

Im Rahmen der in Berlin stattfindenden Xinnovations gibt es den W3C-Tag. Diesen W3C-Tag gibt es traditionell einmal pro Jahr, genau genommen seit 2004. Bislang wurde er allerdings im Rahmen der XML-Tage durchgeführt, die fortan aber unter dem neuen Namen Xinnovations laufen. (Ausführliche Informationen zu den Xinnovations gab es übrigens im letzten XML-Report.) Der W3C-Tag startet morgens um 9.00 Uhr mit dem Thema "Auf dem Weg zum semantischen Web". Das semantische Web wird die gesamte Veranstaltung über im Vordergrund stehen. Dabei geht es um Fragen nach aktuellem Stand, der benötigten Technik sowie die Datenaufbereitung. Referenten sind unter anderem Klaus Birkenbühl vom W3C, Thomas Kamps vom Frauenhofer IGD sowie Lars Bröcker vom Frauenhofer IAIS. Die Veranstaltung findet in der Humboldt-Universität zu Berlin am Mittwoch, den 24.9.2008 statt. Ausführliche Informationen über die Veranstaltung finden Sie unter http://www.w3c-tag.de/.

XML-Tool der Woche

Das semantische Web war Teil dieses XML-Reports und spielt auch sonst eine wichtige Rolle. Für viele ist das semantische Web derzeit allerdings eher eine Vision, als wirklich greifbar zu sein. Das FZI Forschungszentrum Informatik Karlsruhe hat mit ImageNotion eine Bildersuchmaschine entwickelt, die sich Bildannotationen bedient. ImageNotion zeigt, in welche Richtung sich Bildannotationen im Allgemeinen und Bildersuchmaschinen im Speziellen in Zukunft entwickeln werden. ImageNotion will ein so genanntes Image Web schaffen, in Analogie zum World Wide Web, in dem die Benutzer per Mausklick zwischen den Webseiten navigieren. Zum Ausprobieren von ImageNotion bietet sich beispielsweise die Suche nach Javier Solana an. In diesem Fall wird dem Benutzer ein Bild mit verschiedenen EU-Staatschefs angezeigt, auf denen auch der EU-Generalsekretär zu sehen ist. Klickt man auf den Solana-Bildteil, erscheinen alle Bilder, die Solana im Kontext mit der Europäischen Union zeigen. ImageNotions zeigt, wie Anwendungen im semantischen Web aussehen können. Und wenn Sie das Beschriebene an die W3C-Anwendung RDFPic erinnert, liegen Sie völlig richtig. Denn auch bei RDFPic handelt es sich um ein Tool, mit dem Bildannotationen möglich sind. Allerdings geht ImageNotion hier deutlich weiter.

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche,
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Hamburg. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.











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