Sun startete vor wenigen Tagen das Project Kenai, ein Hosting-Projekt inklusive Versionsverwaltung, Collaboration-Features (Wikis, Foren, Mailinglisten), Bugtracker und Community-Features (z.B. "CoverFlow"-Darstellung der aktivsten Kenai-Teilnehmer). Damit ist Kenai prinzipiell aufgestellt gegen Dienste wie zum Beispiel Google Code, SourceForge oder auch github, was laut Nick Sieger, einem der Leiter des Kenai-Projektes, auch durchaus so verstanden werden darf:
You could look at it that way, and at face value that’s certainly true, however it’s not our goal to directly compete with those services. Nick Sieger, 2008
Unter der Haube
Kenai selbst wurde mit Ruby on Rails entwickelt und läuft unter JRuby, womit ganz nebenbei erneut Suns VirtualMachine in den Mittelpunkt einer der angesagten Dynamic Languages (in diesem Fall Ruby) rückt. Im Hintergrund verrichten zudem GlassFish (basierend auf Apache unter OpenSolaris) und natürlich MySQL ihren Dienst, dabei dienen mehrere von Suns T2000-Servern und X4500-Speicherlösungen als Hardwarebasis.
Ausblick
Derzeit ist das Project Kenai noch in einer teilweise geschlossenen Betaphase. Nutzer können sich nach einer kurzen Registrierung, bzw. nach der Anmeldung über ihren Sun Developer Network-Account einloggen; das Anlegen von eigenen Projekten ist zunächst jedoch nur nach Einladung möglich. Was das Projekt selbst betrifft, so ist derzeit die Ergänzung eines Issue Trackers (wie man ihn zum Beispiel von JIRA her kennt) oder auch eines Systemes wie Git vorgesehen.
Konsequent: Als Marktführer braucht Sun ein eigenes Produkt
Wenn also der Wettbewerb gegen Google & Co. nicht das Ziel ist, warum dann überhaupt Kenai? Nick stellt in diesem Zusammenhang Suns Rolle in der Open-Source-Gemeinschaft in den Vordergrund. Demnach könne das weltweit größte Open-Source-Unternehmen das Feld nicht einfach seinen Mitbewerbern überlassen. Damit ist Kenai gleichzeitig auch eine Demonstration des eigenen Produktportfolios.
Sun braucht die Community
Ein weiterer Vater des Kenai-Projektes (neben einem Showroom für eigene Produkte) dürfte auch die Bindung und Pflege der eigenen Community sein – die ist wichtig, um als reines Open-Source-Unternehmen langfristig Kunden für sich gewinnen zu können. Google Code konnte nach nur einem Jahr rund 50.000 Projekte für sich gewinnen; eine Zahl, an der Kenai sich wird messen lassen müssen. Etwas beunruhigend – aus Open-Source-Sicht – scheint in diesem Zusammenhang allerdings die Aussage von Nick Sieger, dass es bei dem Projekt auch um die Kontrolle der eigenen Community gehe:
We need a place to nurture and grow our open source communities that we ourselves can control [...] Nick Sieher, 2008
In diesem Punkt wird sicherlich noch Klärungsbedarf bestehen. Ebenfalls wichtig für die Open-Source-Community ist natürlich auch die Lizenzierung der auf Kenai gehosteten Projekte. Hier arbeitet das Projekt nach Aussage von Simon Phipps, Suns Chief Open Source Officer, eng mit der OSI (Open Source Initiative) zusammen. Im Ergebnis können Entwickler zunächst nur aus einer Auswahl der bekanntesten Open-Source-Lizenzen wählen und erst bei Bedarf auf exotischere Regelwerke ausweichen. Was kompliziert klingt ist dabei der Versuch, dem Lizenz-Wildwuchs Einhalt zu gebieten – die OSI hat zu diesem Thema einen eigenen Report bereitgestellt, der das Problem der License Proliferation noch einmal ausführlich erläutert.
Derzeit sind – trotz Betaphase – bereits 36 Projekte und über 1300 Teilnehmer im Project Kenai registriert. Wann genau der Service auch ohne Einladung für das Hosting eigener Projekte genutzt werden kann, ist derzeit noch nicht bekannt.



