Freitag, 9. Januar 2009

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14.10.2008
XML-Report: Endlich Stimmung in der Bude

Daniel Koch

Was in den vergangenen Tagen an neuen Sprachentwürfen, Neuentwicklungen und Spezifikationen auf die XML-Welt losgelassen wurde, ist unglaublich. So gibt es beispielsweise allein sieben neue Arbeitsentwürfe zu OWL. Und auch Microsoft hat wieder etwas Neues zu bieten. Mit M wollen die Redmonder nämlich eine neue Programmiersprache etablieren. Langweilig wird es in unserer Branche also ganz offensichtlich nicht. Dass das – zumindest für ein paar Minuten – auch bei einer sonst eher wenig spektakulären und meistens ohne Überraschungen ablaufenden Veranstaltung so sein kann, dafür hat am vergangenen Samstag Marcel Reich-Ranicki gesorgt. Im Rahmen der TV-Gala zum Deutschen Fernsehpreis lehnte der nämlich die Annahme eben dieses Preises ab. Begründet hat er das in seiner ihm ganz eigenen Art: Ich gehöre nicht in diese Reihe der heute – vielleicht sehr zu Recht – Preisgekrönten. Recht hat er, hätten ihm sicherlich viele gerne zugerufen. Ich mache das auf diesem, dem virtuellen Weg.

Die Programmiersprache M

Es ist ja bereits angeklungen: Microsoft möchte mit M eine neue Programmiersprache etablieren. Bei M wird es sich um eine deklarative Sprache handeln, die Teil von Oslo werden soll. Oslo ist Microsofts neue SOA-Strategie, die nun mittlerweile schon sehr lange angekündigt ist. In M will Microsoft zahlreiche Funktionen von XAML integrieren. Um den Code erstellen zu können, soll in Visual Studio ein spezielles Visualisierungstool integriert werden. Als Repository der Modelle kann man ausschließlich den ebenfalls von Microsoft stammenden SQL Server verwenden.

SMIL 3.0

Das W3C hat die dritte Generation der Synchronized Multimedia Integration Language (SMIL) als vorgeschlagene Empfehlung (Proposed Recommendation) veröffentlicht. Mit SMIL 3.0 soll eine Sprache geschaffen werden, mit der sich interaktive multimediale Präsentationen schreiben lassen. Veröffentlicht wurde SMIL 3.0 von der SYMM Working Group. Durch Version 3.0 soll man die SMIL-Syntax innerhalb anderer XML-basierter Sprachen wiederverwenden können. Vor allem geht es dabei um XHTML und SVG. Zusätzlich sollen die in SMIL 2.1 integrierten Funktionen überarbeitet und in entsprechende SMIL-3.0-Module überführt werden.

Widgets 1.0: Updates

Den ersten öffentlichen Arbeitsentwurf zu Widgets 1.0: Updates gibt es von der Web Applications Working Group. Die Widgets, um die es dabei geht, sind kleine Client-seitige Anwendungen, mit denen sich Remote-Daten anzeigen lassen. Das Update-Modell wurde so entworfen, dass es über HTTP und lokal funktioniert.

OWL 2

Gleich sieben Arbeitsentwürfe zu OWL 2 Web Ontology Language hat die OWL Working Group veröffentlicht. OWL 2 ergänzt OWL um einige zusätzliche Funktionen. Namentlich sind dies Structural Specification and Functional-Style Syntax, Direct Semantics, RDF-Based Semantics, Mapping to RDF Graphs, XML Serialization, Profiles und Conformance and Test Cases. Die ersten drei Dokumente bilden den technischen Kern von OWL. In den Entwürfen vier und fünf geht es um zwei unterschiedliche OWL-Serialisierungen, bei denen eine auf RDF und die andere auf der Nutzung von direktem XML beruht. Dokument sechs definiert nützliche Untermengen von OWL, die eine Einführung des Standards einfacher machen und bestimmten Leistungsanforderungen besser entsprechen sollen. Und zu guter Letzt werden im siebten Dokument Übereinstimmungen spezifiziert. Später sollen dort dann auch noch OWL-Testfälle aufgeführt werden. Mit den sieben vorgestellten Papieren ist das Ende der Fahnenstange übrigens längst noch nicht erreicht. So arbeitet die OWL-Arbeitsgruppe aktuell noch an fünf weiteren Dokumenten, die momentan aber noch nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Java-Schnittstelle für REST

SOAP wird in der Fachwelt immer wieder aufgrund seiner vermeintlichen Umständlichkeit kritisiert. Eine mögliche Alternative hat R. Fielding in seiner im Jahr 2000 geschriebenen Dissertation gezeigt. Dort stellte er nämlich REST (Representational State Transfer) vor. Jetzt wurde Java-API für REST JAX-RS 1.0 als Ergebnis des Java Community Process (JCP) vorgestellt.

Open XML im Internet

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Blogger von Boycott Novell die finale Version der Spezifikation zu Open XML im Internet veröffentlicht haben. Genau genommen hat man angeblich 5560 Seiten auf seinen Seiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Begründet wird dieser Schritt von den Bloggern damit, dass man das Verhalten der ISO im Allgemeinen und die Geheimniskrämerei im Besonderen nicht länger dulden werde. Nötig wurde die Veröffentlichung aus Sicht von Boycott Novell, da die Spezifikation von Open XML durch die ISO immer noch unter Verschluss gehalten wird. Und dabei ist die Bekanntgabe der Nominierung nun schon über sieben Monate her. Tatenlos will sich die ISO das Treiben von Boycott Novell übrigens nicht ansehen. So hat Alex Brown, seines Zeichens Zeremonienmeister der ISO bei der Nominierung von Open XML, die Veröffentlichung der Spezifikation als Urheberrechtsverletzung bezeichnet.  In einigen Ländern könnte das zu einer strafrechtlichen Verfolgung der Blogger führen.

XML-Tool der Woche

Dieses Mal ist das XML-Tool der Woche bei genauerer Betrachtung eigentlich gar kein richtiges Tool. Vielmehr handelt es sich bei JAXMLP um eine Skriptsprache mit Interpreter, mit der sich XML-Dateien in andere Formate konvertieren lassen. JAXMLP steht dabei für Just another XML Processor. Bei JAXMLP können mehrere XML-Dokumente angegeben werden, wobei die Ausgabe dann ebenfalls in mehrere Dateien auf einmal erfolgen kann. Die Befehle lassen sich ähnlich wie bei PHP in Dateien einbauen. Voraussetzung für den Einsatz von JAXMLP ist Java JRE 1.5 oder höher. Die Entwicklerseite finden Sie unter http://www.benibela.de/tools_de.html. Von dort können Sie JAXMLP kostenlos herunterladen.

Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen und Trends nehme ich gerne unter xml@medienwerke.de entgegen.

Bis nächste Woche,
Ihr Daniel Koch

Daniel Koch arbeitet als freiberuflicher Programmierer und Autor in Hamburg. Er hat mehrere Bücher rund um die Themen Programmierung und Software veröffentlicht. Sie erreichen ihn unter dk@medienwerke.de. Wöchentlich berichtet er in der Kolumne "XML-Report" über Aktuelles aus der XML-Szene, schaut sich in der Community um und informiert über die neuesten Entwicklungen der Standardisierungsgremien.







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