Freitag, 9. Januar 2009

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03.11.2008
KW 45/08 - Standpunkt Sicherheit

Neue Überwachungsziele und eine aufgehobene Anti-Terror-Maßnahme (ja, sowas gibt es wirklich) sind die Themen dieses Standpunkt Sicherheit.

Bruce Schneier hat am Donnerstag und Freitag zwei interessante Beiträge in seinem Blog veröffentlicht, die zusammen genommen ein interessantes Licht auf die Sicherheitsbehörden der USA werfen.

Terroristen verstecken sich in Whisky-Destille?

Den Anfang macht der Blogeintrag mit dem schönen Titel "Keeping America Safe from Terrorism by Monitoring Distillery Webcams". Darin wird auf einen schon 'etwas' älteren Vorfall verwiesen: 2003 wurde eine Whisky-Destille in Schottland über deren eigene Webcams durch die Defense Threat Reduction Agency der USA überwacht, da sich mit dem gleichen technischen Verfahren sowohl Whisky als auch Massenvernichtungswaffen herstellen lassen. So jedenfalls die erste Erklärung. Die zweite war dann, das eine Angestellte der Behörde sich die Webcam-Videos angesehen hat, weil sie die Gegend so schön fand.

Terroristen, überall Terroristen!

Welche Erklärung nun auch immer die richtige ist, das hatte ich damals schon gelesen, und schon damals musste ich an Obelix Lieblingsaussage über die Römer denken. Entweder haben die verschiedenen Überwachungsbehörden zu viel Zeit und zu wenig zu tun, oder sie sind so paranoid, das sie überall eine Bedrohung sehen. Dazu passen dann die Ideen, Terroristen könnten ihre Anschläge in World of Warcraft vorbereiten (siehe Standpunkt Sicherheit vom 22. September), geheime Nachrichten in kinderpornographischen Bildern verstecken (siehe Standpunkt Sicherheit vom 20. Oktober) - oder aber Twitter für die Kommunikation nutzen, wie Bruce Schneier in seinem Blog berichtet. Womit wir beim zweiten der erwähnten Blogeinträge sind.

Büroschlaf mit Alpträumen

Die US-Regierung muss wirklich zu viel Geld in ihre Terror-Verhinderungs-Maschinerie gepumpt haben, jetzt sitzen da viel zu viele Leute rum, die ständig auf neue dumme Ideen kommen. Können die sich nicht mit einem erholsamen Büroschlaf die Zeit vertreiben? Nein, statt dessen haben sie Alpträume und lassen die auf die Menschheit los.

Jeder kommuniziert

Natürlich müssen Terroristen kommunizieren, natürlich werden sie dabei jede mögliche Kommunikationsform nutzen - und natürlich werden sie nicht so dumm sein, das offensichtlich zu tun. Natürlich könnte man jeden Kommunikationsvorgang überwachen und aufzeichnen, natürlich könnte man alle diese Aufzeichnungen miteinander verknüpfen - aber finden würde man kaum etwas, sofern die Terroristen sich nicht extrem ungeschickt anstellen.

Es gibt immer Mittel und Wege...

Je nach Anwendungszweck gibt es zig verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten. Wenn es nur darum geht, eine fest vorgegebene Anzahl bekannter Nachrichten auszutauschen, können dafür Schlüsselwörter oder besser -sätze vereinbart werden. Jede Nachricht entspricht einem bestimmten Satz, der über ein vorher vereinbartes Medium verbreitet wird. Wie wäre es z.B. mit Spam-Mails? Vielleicht bedeutet eine bestimmte Subject-Zeile in Verbindung mit einem bestimmten Absender ja "Treffen uns morgen am vereinbarten Ort". Wer weiß das schon, außer den jeweiligen Beteiligten? Genau so gut könnten solche Nachrichten über Foren verbreitet werden, über Gästebücher, Kleinanzeigen, ... - wenn man die Kommunikation weder verhindern noch belauschen kann, warum sollte man sich dann darüber Gedanken machen? Wäre es nicht viel nützlicher, auf bewährte Ermittlungsmethoden zurück zu greifen und die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten erst dann gezielt zu beobachten, wenn entsprechende Hintergrundinformationen vorliegen? Vielleicht würde man dann sogar etwas finden. Stattdessen häuft man lieber Datenhalden an, mit denen man dann viel Zeit mit der Suche nach meist gar nicht vorhandenen Zusammenhängen verbringt.

Anti-Terror-Maßnahme aufgehoben

Nichts finden wird man auf jedem Fall bei der Suche nach gefährlichen Flüssigkeiten, die in großen Mengen in Flugzeuge geschmuggelt werden sollen. Denn die werden gar nicht erst untersucht. Wie Bruce Schneier schon im September in seinem Blog berichtet hat, kann ein Terrorist immer wieder versuchen, eine gefährliche Flüssigkeit in ein Flugzeug zu schmuggeln. So lange, bis er irgendwann Erfolg hat. Denn immer, wenn die Flüssigkeit entdeckt wird, wird sie beschlagnahmt - und der Terrorist darf gehen. Das gleiche gilt auch für Nagelfeilen und ähnliche verbotene Gegenstände. Nur beim Finden einer tatsächlichen Waffe wird der Schmuggler verhaftet. Da damit das Verbot, größere Flüssigkeitsmengen mit in die Flugzeugkabine zu nehmen, nutzlos ist, könnte man ja eigentlich darauf verzichten. Für die EU ist genau das jetzt geplant - aber erst ab 2010. Das ist ja wirklich beachtlich: Eine zeitlich befristete Maßnahme zur Verhinderung von Terroranschlägen, die tatsächlich abgeschafft wird. Oder wird es bis 2010 eine Nachfolgeregelung geben? Eigentlich könnte man das Verbot ja sofort aufheben, das ging beim Einführen des Verbots doch auch recht fix.

Deutschland war übrigens gegen die Aufhebung, als einziger EU-Staat. Wieso wundert mich das jetzt gar nicht?

Carsten Eilers








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