Semantische Web-Technologien haben einen bescheidenen Ruf: zu kompliziert, zu langsam, zu teuer lautete das Credo vieler IT-Experten. Um diese Vorurteile zu widerlegen, initiierten Peter Mika (Yahoo!) und Jim Hender (RPI) die Billion Triples Challenge auf der siebten Internationalen Semantic Web Konferenz. Dass hierbei die Applikation Semaplorer der Universität Koblenz-Landau als Gewinner hervorging, beweist zweierlei: erstens, der Ruf hinkt der rasanten Entwicklung des Semantic Web weit hinterher, und zweitens, Deutschlands Forschung spielt bei der Entwicklung semantischer Technologien eine wichtige Rolle.
Die Aufgabe, die sich den Teilnehmern an der Billion Triples Challenge stellte, war alles andere als einfach: sie bestand darin, eine große Menge von mehr als einer Milliarde (amerik. "billion") schlecht strukturierter Fakten, die aus öffentlichen Quellen wie Wikipedia und semantischen Homepages gesammelt wurden, effizient zu verwalten und interessante Beziehungen dem Nutzer intuitiv zugänglich zu machen. Nach Meinung der Jury am Besten gelöst wurde diese Herausforderung durch das Forscherteam um Prof. Steffen Staab von der Universität Koblenz-Landau. Dabei überzeugte, dass ihre Online-Suchmaschine Semaplorer sowohl eine klassische Suche nach Stichworten, als auch eine inhaltsbasierte Navigation durch Verknüpfung von Fakten zu bieten hat.
Recht anschaulich demonstriert wird das "System" Semaplorer – das Suchanfragen "normal" schlagwortbasiert, aber auch semantisch verfeinert zulässt – im folgenden Video (Suchwort: "Berlin"):
Semaplorer Demo from ISWeb research group on Vimeo.
Damit diese Vielzahl von Informationen und Querbeziehungen interaktiv dargestellt und genutzt werden konnten, wurde die Informationssuche mittels der speziell entwickelten semantischen Technologie der "Networked Graphs" auf 25 Rechner verteilt. Ein Vorgehen, das die verfügbaren Rechenresourcen bei weitem überstieg, weshalb man sich der Amazon Cloud bediente und das Computing teilweise in Koblenz und teilweise in den USA durchführte.
Den Sieg von Semaplorer kommentierte Teamleiter Prof. Staab übrigens sehr selbstbewußt: "Wir haben mit der Entwicklung des Semaplorer-Systems erstmals gezeigt, dass die Vision des Web 3.0 – also die Weiterentwicklung von Web 2.0 zu einem System mit Semantik – funktioniert."
Doch auch andere deutsche Forscherteams wußten mit praktischen Anwendungen zu überzeugen: In einem weiteren Wettbewerb, "Open Track", siegte die deutsche Agentur Semsol mit dem Online-Tool Paggr vor der FU Berlin, die mit der mobilen Anwendung DBpedia Mobile angetreten war.

























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