Das Eclipse-Projekt Riena hat vor wenigen Tagen die Eclipse-Inkubationsphase verlassen und steht nun offiziell in Version 1.0 zur Verfügung. Auf der Jax 2009 stellt Projekt-Leiter Christian Campo das Riena-Projekt ausführlich in seiner Session "Riena -A Project Update" vor. Unser Gespräch mit Christian Campo gibt einen kleinen Vorgeschmack auf seinen Vortrag und klärt, für welche Problemstellungen das Riena-Projekt Lösungen anzubieten hat.
JAXenter: Auf dem Eclipse Forum Europe werden Sie in der Session „Riena - A Project Update“ über die neusten Entwicklungen beim Riena-Projekt sprechen. Können Sie kurz erklären, worum es bei Riena geht?
Christian Campo: Riena ist eine Application-Plattform für Unternehmensanwendungen auf der Basis von Eclipse Equinox und der Eclipse Rich Client Plattform (RCP). Sie bietet Unterstützung für die Entwicklung und den Betrieb von besonders benutzerfreundlichen Multi-Tier Client/Server Anwendungen. Neben der Unterstützung des Verteilungsaspektes durch eine transparente Nutzung von verteilten OSGi Services bietet Riena auch ein auf Endanwender zugeschnittenes User Interface und Interaktionskonzept.
JAXenter: Welche negativen Erfahrungen wurden bei der Arbeit mit Eclipse gemacht, die schließlich dazu geführt haben, dass das Riena-Projekt aus der Taufe gehoben wurde? Oder anders ausgedrückt: Welche von Eclipse bisher ungelösten Probleme möchte das Riena-Projekt in Angriff nehmen?
C.C.: Eclipse hat sich in den letzten Jahren mit Eclipse RCP stark von einer reinen IDE-Plattform zu einer echten Anwendungsplattform entwickelt. Auch ohne die Riena Plattform ist es möglich, komplexe Rich Client Anwendungen mit Eclipse zu entwickeln oder Equinox Services auf dem Server zu betreiben.
Aus unserer Erfahrung ist das UI-Konzept von Eclipse RCP aber immer noch sehr stark an die IDE angelehnt und deshalb aus unserer Sicht eher für absolute Power-User geeignet. Für Anwendungen im Unternehmensumfeld bietet das Standard Eclipse Look&Feel ein zu großes Maß an Freiheiten und zu wenig Unterstützung für den Endanwender. Eclipse Riena hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein für diese Zielgruppe optimiertes User Interface zur Verfügung zu stellen.
In Bezug auf den schon erwähnten Verteilungsaspekt gibt es auch unabhängig von Riena, z.B. mit dem Eclipse Communication Framework (ECF), Wege, zwischen JVMs zu kommunizieren. Aber auch hier bietet Riena eine für das angesprochene Zielszenario optimierte Unterstützung an. So stellt Riena für Multi-Tier Client/Server Anwendungen nicht nur für den Anwendungsentwickler eine transparente Unterstützung zur Nutzung von Remote-Services zur Verfügung, sondern sorgt z.B. dafür, dass die hinsichtlich Performance, Stabilität und Sicherheit optimierte Kommunikation über das Standard-Protokoll HTTPS auf der Server-Seite auch einfach zu skalieren ist.
JAXenter: Riena ist ein offizielles Open-Source-Projekt bei der Eclipse Foundation. Wer entwickelt das Projekt tatsächlich? Welchen Anteil hat die Open-Source-Community an der Entwicklung?
C.C.: Die meisten Committer von Riena kommen zurzeit noch von der compeople AG aus Frankfurt, die das Projekt auch initiiert hat. Das Projekt hat jedoch mittlerweile sehr großen Anklang in der Community gefunden. So gibt es bereits einige Firmen, die Anwendungen auf der Basis von Riena entwickeln und teilweise sogar schon produktiv betreiben.
Darüber hinaus nutzen einige Open-Source-Projekte (z.B. ORMF, redView etc.) Riena-Funktionalität für ihre eigene Entwicklung. Von dort und natürlich von unserer eigenen ständig wachsenden Community bekommen wir zahlreiches Feedback, Feature Requests, Bugreports, etc., und ich kann nur jeden herzlich einladen, sich aktiv an der Weiterentwicklung von Riena zu beteiligen.
JAXenter: Vielen Dank für dieses Gespräch.
Christian Campo ist als IT-Consultant bei der compeople AG tätig. Er beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von innovativen Onlineanwendungen und serviceorientierten Architekturen im Java-EE-Umfeld. Bei der compeople AG ist er maßgeblich am Design und der Entwicklung der Smart-Clientplattform beteiligt. Darüber hinaus leitet er zurzeit das Eclipse Technology Project Riena.

























Kommentare