Geht es um die Bewertung eines abgeschlossenen Entwicklungsprozesses, greifen wir schnell zu den Begriffen Erfolg oder Misserfolg. Die Entscheidung, ob etwas ein Erfolg ist oder nicht, scheint dabei auf den ersten Blick sehr einfach zu sein: Wenn es funktioniert, nennen wir es Erfolg, funktioniert es nicht, einen Misserfolg. Doch lässt sich dies wirklich so einfach und vor allem abschließend bewerten? Genau dieser Frage wendet sich Blogger Lee Devin im zweiten Teil der Blogserie "How to Foster a Culture of Innovation" zu. Im ersten Teil beschäftigte sich Agile-Experte Ryan Martens mit der Frage, wie man in wenigen Schritten zu einer agilen Unternehmensphilosophie kommt (siehe Beitrag: In fünf Schritten zum Agilen Unternehmen)
Eine Frage der Definition
Eine Möglichkeit, einen Prozess zu bewerten, der nicht zum gewünschten Ziel geführt hat, besteht laut Devin darin, ihn als einen Misserfolg abzuhaken. Dies bedeute für den Entwickler oder das Team, sich eine Niederlage eingestehen zu müssen und sich dem nächsten Projekt zuzuwenden. Doch Devin weist darauf hin, dass diese Entscheidung in unserer eigenen Hand liegt – oder besser, in unserem eigenen Kopf. So ist es seiner Meinung nach sinnvoll festzustellen, dass eine Idee nicht funktioniert hat. Für nicht sinnvoll hält er es dagegen, diese Idee als ein Scheitern einzuordnen. Denn jedes einzelne Ergebnis sei ein wichtiger Schritt hin zu einer Innovation – egal ob es funktioniert habe oder nicht.
Der Schlüssel dazu liege darin, wie wir ein Ergebnis bewerten und wie wir dies uns und unseren Mitarbeitern gegenüber kommunizieren würden. Ein Innovationsprozess laufe in der Regel nach einem bestimmten Muster ab:
- Man hat eine Idee, die man gerne verwirklichen würde.
- Man setzt sie um, testet das Ergebnis, diskutiert es innerhalb des Teams und vielleicht sogar mit den Usern.
- Auf dieser Basis macht man sich dann daran, eine neue Version zu entwickeln, die möglichst viele Elemente der alten mit aufnehmen kann.
Dieser Prozess des Entwickelns, Diskutierens und neu Entwickelns würde so lange betrieben, bis eine weitere Veränderung nur zu einer Verschlechterung führen würde. Dabei ist das Ergebnis in den meisten Fällen nicht vorhersehbar und kann von dem, was anfangs geplant worden war, beträchtlich abweichen.
Schritt für Schritt
Natürlich muss man sich ein Ziel setzen, so Devin weiter, und versuchen, dieses Ziel selbstbewusst zu erreichen. Doch was passiert, wenn dieses Ziel nicht oder nicht in vollem Maße erreicht wird? Bedeutet dies einen Misserfolg? Devin ist der Überzeugung, dass dem nicht so ist, sondern dass vielmehr ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Innovation genommen wurde. Er verdeutlicht diese These mit folgendem Bild:
Think of a staircase. We don´t regard the first step as a "failure," as "unsuccessful" because it doesn´t get to the second floor. It´s a step. One of many. Just so, we need to decide to put our attention on our procress, conceiving it as a jouney.
Auf dieser Reise könne man eben oft nicht genau wissen, wann man sein Ziel erreiche – und manchmal wisse man nicht einmal, wohin diese Reise überhaupt gehe. Aber was man mit Bestimmtheit sagen könne sei, was man daraus gelernt habe und welche Erkenntnisse sich daraus ableiten lassen.
Neubewertung von Erfolg und Misserfolg
Der Schlüssel liegt laut Devin in der Neubewertung der Maßstäbe von Erfolg. Er schlägt vor, nicht mehr den Abschluss als Faktor für einen Erfolg zu setzen, sondern den Fortschritt. Dementsprechend sollten Produkte als Ergebnisse angesehen werden, nicht als Ziele. Geleistete Arbeit erhalte so eine neue Bedeutung, unabhängig davon, ob sie das anvisierte Ziel erreicht habe:
Instead of discarding work that didn´t reach a goal, reconceiving the idea of "goal" into "result" and decide to use what you just made as material for the next iteration toward a result that you´ll recognize when you see it. The more of the current iteration you can find to use, the better.
In diesem Modell werde der Fortschritt des Ertrags ständig gemessen, während er sich dem Produkt nähere. Während des Prozesses müssten die Testergebnisse jedes Akteurs bewertet werden und die Frage gestellt werden, welche Wege weiter verfolgt werden sollten und welche nicht. Auch negative Testergebnisse seien ein wichtiger Teil des Prozesses, da sie die Optionen auf dem Weg zur optimalen Lösung weiter einschränkten.
By adopting the iterative process of Agile we increase the opportunity for innovations, but ultimately we need to prepare for improvisation by changing our idea about language. We need to use language; to decide what words mean. To use language, in other words, as a tool we control, not as a reality that traps us.
In diesem Sinne stellt Devins Erkenntnis nicht die abschließende Antwort auf alle unsere Probleme dar, sondern einen wichtigen Schritt auf dem Weg dorthin. Der dritte Teil der Blogserie soll sich dem Thema Planning and Preparation widmen.


















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