Kennen Sie das? Wenn in einer abendlichen Kollegenrunde nach einigen enthemmenden Alkoholika die Gesprächskurve schüchtern in Richtung "Gehaltszahlungen" neigt und jeder Anwesende mehr oder minder wahrheitsgetreu seine monatliche Vergütung für seine Entwicklertätigkeiten preisgibt, kommen erstaunliche Unterschiede zutage. Die zu kurz Gekommenen spülen ihren Erkenntnisschock dann zwar souverän lächelnd hinunter und wechseln schnell das Thema – um dann auf dem Nachhauseweg umso heftiger über die himmelschreiend ungerechte Ungleichbehandlung zu lamentieren.
Statistiken belegen, dass die Entwicklerlöhne trotz gleicher Berufsbezeichnung erheblich variieren können. In einer aktuellen Studie über die Verhältnisse in den Vereinigten Staaten beträgt der durchschnittliche Verdienst von IT-Angestellten in mittleren Unternehmen jährliche 77.873 US-Dollar – die Stars der Szene erhalten von ihren Chefs dagegen statte 112.062 US-Dollar zugesprochen. Auch bei gleicher Berufsbezeichnung ist die Verdienstspanne enorm, bei Administratoren von Internet Systemen reicht sie von durchschnittlichen 79.671 US-Dollar bis zu 114.051 US-Dollar.
Dabei lässt sich feststellen, dass die besser bezahlten Entwickler nicht notwendigerweise auch die kompetenteren sind. In vielen Fällen soll der Gehaltsunterschied auf regelmäßiges "Job-Hopping" und Verhandlungsgeschick zurückzuführen sein. Zusätzlich zeigt die Studie, dass Hochverdiener typischerweise früher mit ihrer Karriere begonnen haben, sich einen besser bezahlten ersten Arbeitsplatz ergattern konnten und einen prestigeträchtigeren Ausbildungsabschluss vorzuweisen haben.
Blogger James Maguire kommentiert die Studie, die seiner Meinung nach die interessante Botschaft vermittelt, dass IT-Löhne grundsätzlich verhandelbar seien. Und das bedeute, dass für jeden IT-Angestellten in Sachen Gehaltszahlungen durchaus noch Luft nach oben sei:
Realize that no matter what your current salary, you can boost it. With added experience, more skills – perhaps an IT certification – and some judicious job switching, your paycheck can rise accordingly. Good luck. James Maguire
Auch Blogger Eric Spiegel bezieht sich auf die Studie und erzählt eine Anekdote über eine Situation in seinem Arbeitsleben, in der ausgerechnet er von allen Entwicklern der Abteilung die geringste Lohnerhöhung erhalten hatte – obwohl er seine Aufgaben immer überpünktlich erledigt, ständig die Kommunikation mit dem Kunden aufrechterhalten und regelmäßig den jüngeren Angestellten in technischen Fragen ausgeholfen hatte.
Da diese Skills beim Arbeitsgeber offenbar nicht wirklich geschätzt bzw. wahrgenommen wurden, erteilt Spiegel Ratschläge, wie man sich in Hinblick auf eine Gehaltsaufbesserung zielorientierter verhalten sollte:
- Die geleistete Arbeit und insbesondere auch die Hilfestellung für die Kollegen sollten stets in Berichten sichtbar gemacht werden.
- Werden die Deadlines eingehalten, wird das oft als Zeichen der Unterforderung wahrgenommen. Statt ein Lob über eingehaltene Fristen zu erwarten, sollte man lieber nach größeren Herausforderungen fragen.
- Konstruktive Kritik sollte niemals zurückgehalten werden. Wer kritisiert, scheint kompetent zu sein – wer schweigt, ein Mitläufer.
- Die größten Chancen für eine Gehaltsaufstockung hat man bei den anfänglichen Einstellungsverhandlungen. Ist man dann an Bord, wird ein Unternehmen kaum von sich aus an eine Erhöhung denken. Nur wer laut schreit, hat dann überhaupt Chancen, wahrgenommen zu werden.
Binsenweisheiten eines selbsternannten Unternehmenspsychologen oder wertvolle Tipps für die nächste Gehaltsverhandlung?


















Kommentare
Ne, danke da mach ich mich lieber weiter über *-Leiter;*-Manager lustig, bevor ich so eine dreißte Stellung einnehme. #zitieren
Irgendwann muss jeder Programmierer entscheiden: bleibt er bei dieser mehr als interessanten Tätigkeit und nimmt dafür in Kauf, nicht all zu weit auf der sog. "Karriererleiter" hochsteigen zu können, oder zieht er/sie es vor, mehr und mehr Knete machen zu wollen, dafür aber zum smarten "Berater" und/oder öden Projektbürokraten mutieren zu müssen...
Ich habe gewählt, und es nicht bedauert. #zitieren
Aber sie denken, sie habens nun geschafft, und fangen an,
a) einen Anzug mit Krawatte und Blackberry zu tragen wie Pfauen rumzustolzieren.
b) auf die Kollegen, die sich nicht "verkaufen", herabzusehen.
Sie fühlen sich nicht wirklich gut oder sicher, aber sie haben "es" geschafft.
Was auch immer.
Danach gibt es 2 Optionen:
Mit der Zeit merken sie, dass sie in Wirklichkeit gar nichts zu sagen haben und auch nichts weiter bringen und nur verarscht werden.
Oder sie stecken das weg oder sind so blöde, dass sie das nicht mal merken und wühlen weiter - fluchtartig nach oben - und werden so zum Fluch für die Kollegen und die ganze Firma.
Wirklich gute Leiter sehen ihre Tätikeit (wie gute Entwickler auch) als Berufung, nicht notwendiges Übel zur Firmenkarre.
Wirklich gute Firmen wissen das und kommunizieren das auch an ihre Mitarbeiter und leben die Förderung und das Nachhalten. IMHO ist es für eine Firma mittelristig eine der wichtigsten Sachen, gute Leier ohne Karriereallüren zu setzen, so wie sie gute Entwickler als Enwickler einsetzen.Und die Kohle an der echten Leistung orientieren - ohne Deckel nach Grad.
Es gibt solche Firmen. #zitieren