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zu Ausgabe:
4.2003
Drum prüfe, wer sich ewig bindet...
Die Web Service Inspection Language (WSIL)
von Björn Stierand
Zum Auffinden von Web Services und zur Beschreibung ihrer Schnittstellen werden seit Beginn des Web Services-Booms zwei Standards genutzt: die Web Services Description Language (WSDL) und der Universal Description, Discovery, and Integration-Standard (UDDI). IBM und Microsoft schicken einen weiteren Standard ins Rennen, die Web Services Inspection Language (WSIL oder auch WS-Introspection). Es stellt sich die Frage, welche Vorteile dieser Standard bringt, ob er sich auf lange Sicht durchsetzen kann oder ob er nur eine von vielen Abkürzungen im Dschungel der Web Service-Standards bleibt.
Die Theorie zum Finden eines gewünschten Web Services sieht, geht es nach den federführenden Unternehmen in diesem Bereich, rosig aus. Der Nutzer stellt eine Anfrage an einen UDDI-Server, wie er es ähnlich von den Gelben Seiten aus dem normalen Leben gewohnt ist. Der Server übersendet ihm die gewünschten Informationen inklusive einer Beschreibung, wie er auf den ermittelten Dienst zugreift, und schon kann mit dem Web Service gearbeitet werden. Leider sieht es in der Realität wie so oft etwas anders aus. Es sind zwar bereits zentrale UDDI-Server, beispielsweise von Microsoft und IBM, verfügbar, jedoch wird deren Architektur und Komplexität in Bezug auf die restliche Web Service-Welt, die immer noch in den Kinderschuhen steckt, immer wieder kritisiert. Auch sind der Zugriff auf diese Server und das Hantieren mit Business Keys nicht jedermanns Sache und der Wunsch besteht, zum Auffinden von Web Services auf einen einfacheren Standard zurückgreifen zu können. Der WSIL-Standard An diesem Punkt kommt der WSIL-Standard zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine auf XML-Dokumenten basierende Möglichkeit, Informationen zur Auffindung von Web Services dezentralisiert zur Verfügung zu stellen. Dies steht zwar im krassen Gegensatz zu UDDI, dessen Kernpunkt die zentrale Bereitstellung von Informationen zu einzelnen Web Services ist, vereinfacht jedoch die Arbeit für den Administrator enorm, da die Administration der UDDI-Verzeichnisse zur Zeit noch sehr aufwändig ist und sich dort folglich viele verwaiste und doppelte Einträge finden.Wie in Abbildung 1 zu sehen bildet WSIL eine Zwischenschicht zwischen dem Client, der auf den Dienst zugreifen will, und der WSDL-Beschreibung beziehungsweise dem UDDI-Eintrag des Web Services. Es lässt sich erahnen, dass WSIL somit keine direkte Konkurrenz zu UDDI darstellen will, sondern als Bindeglied zwischen den bestehenden Standards und dem Client des Endnutzers dienen soll. Abb. 1: Eingliederung von WSIL in eine Web Services-Umgebung Die Struktur WSIL-Dokumente sind sehr einfach aufgebaut. Sie bestehen aus einem inspection-Root-Tag, welches neben einem abstract-Untertag mit einer Kurzbeschreibung eine beliebige Anzahl von service-Tags beinhalten kann, die jeweils einen angebotenen Dienst beschreiben. Ein service-Tag kann wiederum verschiedene andere Untertags enthalten. Das name-Tag beinhaltet einen kurzen Namen des zur Verfügung gestellten Dienstes, im abstract-Tag lässt sich eine etwas ausführlichere Beschreibung des Dienstes unterbringen und im description-Tag werden zu guter Letzt Informationen zum Auffinden der Web Service-Beschreibung vermerkt.Der genaue Aufbau einer solchen WSIL-Datei soll kurz an einem Beispiel erläutert werden. Die Firma Example.cx stellt einen Web Service zum Auffinden von Telefonnummern bereit, dessen Schnittstelleninformationen in einer WSDL-Datei namens phone.wsdl auf dem Webserver der Firma hinterlegt sind. Somit könnte eine potentielle WSIL-Datei für diesen Fall wie in Listing 1 aussehen. Listing 1 <?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>Wie im Beispiel zu sehen ist, finden sich die Kerninformationen innerhalb einer WSIL-Datei immer im description-Tag der einzelnen Services. Hier wird meist ein Verweis auf eine bereits bestehende Beschreibung des Web Services angegeben, welche dann durch den Client gefunden und verarbeitet werden kann. Dabei muss es sich nicht zwingend um Beschreibungen in bekannten Web Service-Standards handeln. Es ist hier beispielsweise auch möglich, als Beschreibung des Dienstes eine HTML-Seite mit den wichtigsten Informationen zu hinterlegen.Neben der Nutzung von service-Tags ist es ebenso möglich, durch Nutzung des link-Tags Verbindungen zu weiteren Servicebeschreibungen herzustellen. Dabei kann es sich um weitere WSIL-Dokumente, aber auch wie gezeigt um UDDI-Verknüpfungen oder WSDL-Dokumente handeln.Durch den dezentralen Ansatz von WSIL ergibt sich natürlich sofort eine Frage: Wie findet ein Web Service-Client eine WSIL-Datei? Innerhalb der Spezifikation sind dafür zwei Möglichkeiten vorgesehen. Zum einen kann eine Datei namens inspection.wsil am zentralen Einstiegspunkt der Webpräsenz des jeweiligen Unternehmens positioniert werden. Dies würde beispielsweise für das oben gezeigte Beispiel die URL http://www.example.cx/inspection.wsil ergeben. Der Administrator des Servers kann durch das bereits erläuterte link-Attribut die Struktur der WSIL-Dateien innerhalb seines Webservers dann selbst weiter untergliedern. Die zweite Möglichkeit, WSIL-Dateien für den Nutzer verfügbar zu machen, ist die Einbettung ihrer URLs in meta-Tags von HTML-Seiten in der Art, wie sie beispielsweise bereits für Cascading Style Sheets (CSS) verwendet wird. Ausblick Wenn UDDI gemeinhin als die Gelben Seiten der Web Services-Welt bezeichnet wird, so kann man bei WSIL von einer Art Web Services-Visitenkarte sprechen. Ein WSIL-Dokument fügt sich mit seinem einfachen dokumentbasierten Ansatz besser in die heutige Web Services-Welt ein als die mit Funktionalität und Komplexität überladene UDDI-Spezifikation. Solange UDDI durch Web Service-Clients noch nicht einfach und schnell genutzt werden kann, bietet sich mit WSIL eine interessante Möglichkeit, seine Web Services zu publizieren. Durch die einfache Syntax und die Wartung der Dateien auf dem eigenen Server ist es für den jeweiligen Administrator sehr einfach, schnell WSIL-Dokumente für die auf seinem Server publizierten Web Services bereitzustellen. Man kann nur hoffen, dass viele Anbieter von Diensten von dieser Spezifikation Gebrauch machen, um die Nutzung von Web Services weiter voranzutreiben. Zur Zeit ist WSIL noch ein proprietärer Standard. Es zeichnet sich jedoch ab, dass Microsoft und IBM die Spezifikation dem World Wide Web Consortium (W3C) vorlegen werden, um daraus einen offiziellen Web Services-Standard zu machen. Links und Literatur
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