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zu Ausgabe: 06.2004
Nachgefragt
Michael Naunheim von Novell
Nadja Rosmann
Novell meint es mit seinem neuen Linux- und Open Source-Engagement ernst. Auf der hauseigenen Entwicklermesse BrainShare stellte Novell seine integrative Produktstrategie für die kommenden Monate vor. Außerdem gab es am Rande ein kleines Geschenk für die Open Source-Community: das Setup-Tool YaST von Suse sowie Novells iFolder-Technologie werden künftig unter GPL verfügbar sein. Wir sprachen mit Michael Naunheim, Solutions Director Cross-Platform Services Novell EMEA, über die aktuellen Entwicklungen.

Linux Enterprise: Welchen Nutzen haben Entwickler, Anwender und Kunden durch die Freigabe von YaST und iFolder unter der GPL? Michael Naunheim: Novell möchte mit YaST erreichen, was Linux für das Betriebssytem bietet - nämlich Partnern und Kunden Flexibilität, Wahlfreiheit und die beste Technologie zu geben. Deshalb übergibt Novell YaST als Werkzeug an die Entwicklergemeinde. Diese Plattform kann künftig die Management-Tools unterschiedlichster Hersteller verknüpfen - wie z.B. Novell ZENworks, Red Carpet, HP Openview, IBM Tivoli, Red Hat und CA Unicenter. Novell iFolder - unsere mobile Speicherlösung, die überall Zugriff auf persönliche Daten bietet - sehen wir als ein ebenso wichtiges Werkzeug, das jetzt von der Community zum Nutzen aller weiterentwickelt und verbessert werden kann. iFolder-Versionen können damit z.B. für Linux, Windows, Macintosh und NetWare weiterentwickelt werden.

LE: Wie wird die Weiterentwicklung von YaST und iFolder künftig koordiniert? Naunheim: Die aktuelle Version von iFolder wurde auf der Basis des Mono-Frameworks entwickelt. YaST, das von Suse entwickelt wurde, basiert ebenso auf offenen Standards und neuester Standard-kompatibler Linux-Technologie. Der Quellcode wird unter GNU General Public License (GPL) bereitgestellt. Das iFolder Open Source-Projekt wird über Novell Forge (forge.novell.com/) koordiniert. Der Sourcecode von YaST wird - wie gewohnt - mit Suse Linux verbreitet und steht jedermann zur Weiterentwicklung zur Verfügung.

LE: Welche Strategie steht hinter dem neuen Novell Open Enterprise Server? Naunheim: Mit dem Novell Open Enterprise Server schlägt Novell eine Brücke zwischen Suse Linux und NetWare. Die Funktionalitäten von NetWare 7 werden mit dem Suse Linux Enterprise Server 9 sowie den Produkten von Ximian kombiniert. Die Kunden erhalten mehr Flexibilität beim Einsatz und der Verwaltung ihrer Netzwerk-Infrastrukturen, die Interoperabilität zwischen den zwei Plattformen wird unterstützt. Unser strategisches Ziel ist es, die Akzeptanz von Linux in Unternehmen schneller zu steigern. Dazu trägt der Novell Open Enterprise Server entscheidend bei. Die Ankündigung auf der BrainShare ist damit eine konsequente Weiterführung unserer Linux-Strategie.

LE: Wie hoch ist zur Zeit die Nachfrage nach Linux-Lösungen bei den Novell-Kunden? Naunheim: Das Interesse unserer bestehenden Kunden an Linux ist sehr hoch. Viele Kunden suchen nach Alternativen, die ihrer heterogenen Systemarchitektur besser gerecht werden. Novell kann seinen Kunden heute ein komplettes Lösungsangebot rund um Linux bieten. Dazu gehören unter anderem Server, ein Desktop mit Officelösung, eine Systemmanagement-Lösung, eine Standard-basierte Entwicklungsumgebung sowie Sicherheits- und Collaboration-Lösungen. Ergänzt wird dieses Angebot durch ein Indemnification Programm zur Haftungsfreistellung sowie professionelle Services wie Consulting, Support und Training, die den Einsatz von Linux in den Unternehmen zu einer echten Alternative machen. Aber Linux ist nicht nur ein Thema bei den Novell-Kunden, sondern ein allgemeiner Markttrend. Linux ist mit 34 Prozent das am schnellsten wachsende Betriebssystem am Markt (laut IDC) - und langfristig gesehen das einzig wachsende Betriebssystem. Novell als führender Anbieter von sicheren und skalierbaren Netzwerklösungen gibt dieser Entwicklung zusätzliche Dynamik und ist nach der Übernahme von Suse Linux der einzige Anbieter, der das komplette Linux-Angebot, vom Server bis zum Desktop inklusive Support und Beratung, anbietet. Mit Novell und Suse Linux verbinden sich über 20 Jahre Erfahrung im Management von Netzwerken mit der Kompetenz im Linux-Bereich - das ist ein entscheidendes Argument für viele Kunden, Linux einzusetzen.

LE: Wo sehen Sie für Unternehmen gegenwärtig die größten Herausforderungen beim Betrieb von heterogenen Systemarchitekturen? Naunheim: Die größten Herausforderungen im Bereich der heterogenen Netzinfrastrukturen stellen sicher ein kostengünstiges Resource Management sowie eine plattformunabhängige Enterprise Application Integration dar. Dabei müssen bereits getätigte Investitionen geschützt werden und die künftigen Managementkosten minimiert werden. Novells One Net Strategie hat das Ziel, Kunden Lösungen zu bieten, die heterogene Systemarchitekturen einfach und kostengünstig verwaltbar machen sowie durch fortschrittliche Lösungen im Bereich Secure Identity Management sicher und für Anwender und Administration transparent machen.

LE: Mit welchen Produkten will Novell diese Bedürfnisse künftig aufgreifen? Naunheim: Novell wird konsequent die "One Net"-Strategie weiterführen, die wir vor mehreren Jahren in den Markt eingeführt und seitdem immer wieder den geänderten Marktanforderungen angepasst haben. Daher hat sich unsere Produktstrategie nur unwesentlich geändert, sondern wir haben lediglich Linux und Open Source hinzugefügt.

LE: Wie soll sich das Produktportfolio rund um Suse Linux in Zukunft entwickeln? Wird es auch in Zukunft Consumer-Distributionen geben oder planen Sie hier ähnliche Schritte wie Red Hat mit Fedora? Naunheim: Die Weiterentwicklung von Linux selbst unterliegt der Open Source-Gemeinde. Novell/Suse wird neben der Rolle des
Linux-Distributors auch für den Consumer Markt, die wichtigen IT-Bereiche Sicherheit, sicheres Identity Management, Web Services, Resource Management und Enterprise Network Services weiterentwickeln. Linux spielt hierbei als IT-Plattform eine wichtige Rolle - bereits heute schon, aber aufgrund des starken Marktwachstums zukünftig noch mehr.

LE: Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie unter www.novell.com/de-de.

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