Donnerstag, 4. Dezember 2008

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April 2006
aus Linux Enterprise Ausgabe: 11.2002
Pinguine in the Pocket
Vier Linux-PDAs im Test
von Julius Stiebert

Auch wenn der PDA-Markt im vergangenen Jahr sowie im ersten Quartal 2002 zurückging, sind die kleinen Helfer doch immer noch recht beliebt. Im Business-Umfeld ist es für viele gar nicht mehr vorstellbar, ohne den eigenen Kleinstcomputer auszukommen. Palm verteidigt den Posten des Marktführers noch immer, doch die Konkurrenz besteht nicht mehr nur in Handhelds mit Windows, sondern immer mehr Hersteller setzten auf das freie Linux.


Die Vorteile, die Linux für den Einsatz auf einem Personal Digital Assistent (PDA) qualifizieren, sind identisch mit den üblichen Vorteilen, die es bietet. Die Multitasking- und Multiuser-Fähigkeit von Linux sind für ein mobiles Gerät eben so vorteilhaft wie Speicherschutz oder die vorhandenen Implementierungen wichtiger Protokolle, die es erlauben, mobile Geräte in bereits bestehende Netzwerke zu integrieren. Weiterhin kann man sich auf die Unix-Sicherheitsstandards verlassen. Die Offenheit des Systems garantiert Stabilität, da flexibel auf Probleme reagiert werden kann. Auch auf individuelle Bedürfnisse wie die Verfügbarkeit neuer Protokolle kann wesentlich schneller reagiert werden, als bei einem proprietären System. Embedded Linux ist wirklich hundertprozentig kompatibel mit dem normalen i386 Linux. Daher können Neuerungen meist auch schnell für die Portierungen verfügbar gemacht werden. Ebenso wird die Portierung von bestehenden Applikationen deutlich erleichtert. Im Idealfall müssen nur noch Änderungen am GUI durchgeführt werden und die Software kann mittels Cross-Compiler sofort übersetzt werden. Nicht zuletzt die Kostenfrage spricht für das Open Source-System, denn hierdurch kann ein Hersteller Entwicklungs- und Lizenzkosten sparen und bleibt Unabhängig von einem Betriebssystem-Hersteller. Ferner lässt sich Linux ausgezeichnet portieren, was dadurch belegt wird, dass Linux neben der üblichen i386-Architektur auf etlichen anderen Architekturen läuft. So verwundert es auch nicht, dass Portierungen für die CPUs, die für PDAs interessant sind, bereits existieren. Die Hersteller müssen also nicht mit der Entwicklung eines neuen Systems beginnen, sondern können auf bestehende und vor allem getestete Software setzen.
Linux-PDAs sind daher ideal fürs Business geeignet, denn hier entscheidet nur allzu oft die Kostenfrage. Neben den Anschaffungskosten braucht mit fast keinen Kosten mehr gerechnet werden. Programme sind häufig frei und kostenlos oder zumindest günstig erhältlich. Weiterhin entfallen Ausgaben für Updates des Betriebssystems. Theoretisch lässt sich dieses sogar selber erweitern. All diese Vorteile sprechen dafür, über den Einsatz von Linux-PDAs anstelle von Palm OS oder Windows-Geräten nachzudenken. Mit einem Linux-PDA hält man nicht mehr nur einen Organizer, sondern eine kleine Workstation in den Händen. Sharp prophezeit derweil, dass in anderthalb Jahren bereits zwölf Prozent des PDA-Marktes den Linux-PDAs gehören werden. Aber was bietet der Markt bereits an?

Agenda VR3
Der VR3 war der erste PDA, der ab Werk mit einem Linux-System ausgeliefert wurde. Anfangs war die Freude und das Interesse der Community recht groß, doch scheinbar ging das Konzept nicht auf. Die amerikanische Firma Agenda Computing ging pleite, während Agenda Computing Deutschland [1] noch weiterarbeitete. Doch auch hier gelang es nicht, neue Investoren zu finden und so begab man sich im März in die Auflösungsphase. Die kanadische Firma Softfield Technologies vertreibt das Gerät nun aber weiter. Softfield hatte die Hardwarebasis für den VR3 entwickelt und entschied sich nun, ihn weiterhin zu verkaufen. Hier ist erstmals auch eine 16 MB Variante erhältlich, die nach Firmenangaben schneller laufen soll, als die getestete 8 MB Variante.
Das Plastikgehäuse der Maschine macht einen eher billigen Eindruck. Darin arbeitet eine MIPS CPU mit 66 MHz. Diese CPU ist eine 32/64-Hybrid CPU, also eigentlich ein 32-Bit-Prozessor, der durch ein paar 64-Bit-Anweisungen erweitert ist. Der Speicher ist mit 8 MB nicht gerade üppig bemessen, 16 MB Flash-Speicher stehen außerdem zur Verfügung. Für den Test wurde das Gerät auf die letzte, von Agenda veröffentlichte, ROM-Disk (H20 v1.2.6) sowie den letzten Kernel geflasht. Das Graustufen-Display ist 240 x 160 Pixel groß. Grundsätzlich lässt es sich ganz gut ablesen, im Dunkeln kann man darauf aber nichts mehr erkennen. Neben einem Powerschalter besitzt der VR3 zwei seitliche Scrolltasten sowie zwei Tasten, die die Shift-Taste emulieren. An der Vorderseite finden sich ferner zwei Richtungstasten. Neben der obligatorischen seriellen Schnittstelle ist der PDA auch mit einer Infrarot-Schnittstelle und einem Kopfhöhrereingang ausgestattet. Die IrDA-Schnittstelle akzeptierte im Test alle Adressen und Termine, die von einem Palm gesendet wurden. Den Strom bekommt das Gerät über zwei AAA-Batterien, die leider keine allzu hohe Betriebszeit vorweisen können. Wirklich schlau ist hingegen, dass sich der VR3 auf Wunsch beim Herausnehmen oder Einstecken des Stiftes ein- beziehungsweise ausschaltet. Erhältlich sind bei Softfield außerdem ein 56 kb/s Modem sowie ein Ethernet Adapter für den VR3.
Auf dem VR3 läuft Linux VR [2], eine MIPS-Distribution, mit einem 2.4-test9 Kernel. Außerdem kommt ein XFree86 zum Einsatz, welches auf geringeren Speicherbedarf optimiert wurde. Das verwendete Fast and Light Toolkit (FLTK) ist eher weniger verbreitet, wodurch sich Entwickler erst neu einarbeiten müssen. Das Look & Feel ist anfangs also sehr ungewohnt. Die PIM-Suite besteht aus Adressbuch, Notizen, Kalender, Aufgabenliste und wird durch eine Ausgabenverwaltung erweitert. Das Erscheinungsbild dieser Applikationen ist durchweg unspektakulär, meistens sind es einfache Listen. Wenigstens bietet der Kalender neben einer Tages- auch eine Monatsübersicht. Das eMail-Programm Amail [3] wird übrigens von einem Freiwilligen weiterentwickelt und glänzt mittlerweile mit vielen brauchbaren Funktionen wie eigenen Ordnern. Neben POP3 unterstützt Amail auch IMAP. Gut ist, dass der gesamte Bildschirm genutzt werden kann. Die Bildschirmtastatur oder die Handschrifteneingabe wird nämlich nur auf Wunsch eingeblendet. Während die Tastatur ganz gut zu nutzen ist, ist die Handschriftenerkennung nur Mittelmaß. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus echter Erkennung der Schrift und Palms Graffiti Alphabet, was nicht wirklich als gelungen, aber als funktionell bezeichnet werden kann. Neben diesen PIM-Anwendungen sind noch weitere Programme vorinstalliert, so beispielsweise eine Weltzeituhr, ein Taschenrechner und natürlich fehlt auch das, für Linux-PDAs eigentlich obligatorische, Terminal nicht. Diverse Tools zum Einstellen des Gerätes erweitern das Angebot. Doch damit nicht genug, denn die Community hat einige weitere Programme portiert. Neben dem ohnehin schon enthaltenen vi bekommt man im Internet auch Portierungen des Apache Webservers, wodurch sich das kleine Gerät vielseitig nutzen lässt. Insgesamt arbeitet es leider etwas träge. Vor allem fällt dies auf, wenn mehrere Applikationen gleichzeitig gestartet werden, was ja bei einem Multitasking-System durchaus Sinn macht. Der Grund für diese Geschwindigkeitseinbuße ist unter anderem bei cramfs [4], dem verwendeten Dateisystem, zu suchen. Dabei werden alle Programme erst beim Start ins RAM entpackt, was natürlich nicht performant sein kann.
Für den Datenabgleich kann man den VR3 entweder in die mitgelieferte Dockingstation stellen oder man nimmt das Kabel ab und schließt es direkt an den PDA an. Diese Möglichkeit ist für Reisen sehr praktisch, da die Station zu Hause gelassen werden kann. Ursprünglich synchronisierte man über QuickSync, ein Tool, welches die Daten an GNOME-Programme weiterleitete. Man sollte nun aber auf zwei neuere Open Source-Programme zurückgreifen: Für Linux gibt es den Agenda Desktop [5], der eine serielle PPP-Verbindung zum Gerät aufbaut und für Windows existiert die Agenda Suite [6], die auf RSync setzt. Mit beiden Applikationen gelingt der Datenabgleich ganz gut, sodass man sich um Datenverlust keine Sorgen machen muss.
Der VR3 hat im Vergleich zu den übrigen Geräten im Test einen schweren Stand. Zu empfehlen ist er eigentlich für all diejenigen, die bisher mit dem Gedanken gespielt haben, sich einen Palm zuzulegen. Der VR3 ist im Vergleich zu den Palm OS-Computern recht günstig und bietet darüber hinaus die Vorteile, die Linux eben mitbringt - und diese können mit einem Palm ohne weiteres konkurrieren. Wem die gebotenen Funktionen also reichen, der sollte sich überlegen, ob er nicht zum günstigen VR3 greift. Für den PIM-Einsatz reicht er allemal, wenn man auch auf übermäßigen Komfort verzichten muss.


Abb. 1: Der VR3 ist eine gute und günstige Alternative zu einem Palm OS-PDA.

Compaq iPAQ mit mLinux
Compaqs iPAQ kann ohne weiteres zu den bekanntesten und beliebtesten Pocket-PCs gezählt werden. Doch obwohl Compaq selber sehr viel Arbeit investiert hat, um Linux auf dem Gerät zum Laufen zu bringen, vertreibt die Firma ihre Geräte nur mit Pocket PC 2002. Hervorgegangen aus der Ursprungsdistribution des handhelds.org-Projektes ist mLinux. Die Hamburger Firma LISA systems hat diese erstellt und vertreibt auch selber iPAQs mit vorinstalliertem Linux. Bereits Ende 2001 teste Linux Enterprise den iPAQ [7] mit einer damaligen Vorabversion von mLinux 1.0. Mittlerweile sind nicht nur neue Modelle, sondern auch die fertige Version 1.0 verfügbar. Zum Test trat ein iPAQ H3850 mit installiertem mLinux 1.0 an. Wer bereits einen iPAQ besitzt, kann sich die Distribution kostenlos aus dem Internet laden [8] und auf sein Gerät flashen.
Das Gehäuse hat ein formschönes Design, der Druckpunkt des Steuerkreuzes ist jedoch etwas schwammig, sodass man leicht einmal nach unten oder oben, statt nach rechts oder links drückt. Die anderen Knöpfe sind dafür aber sehr leicht zu bedienen. Im iPAQ arbeitet, ebenso wie in den zwei folgenden Geräten, ein Strong ARM-Prozessor mit 206 MHz. Mit 64 MB RAM bringt er genug Speicher zum Arbeiten mit und 32 MB Flash-ROM stehen für das System bereit. Das 240 x 320 Pixel Display glänzt mit 65.536 Farben und ist ausgesprochen hell und somit gut ablesbar. Ein Lithium-Polymer-Akku sorgt dafür, dass das Gerät lange läuft. Der PDA bietet neben einem Lautsprecher auch ein integriertes Mikrofon und einen Audioausgang. Weiterhin ist eine Infrarot-Schnittstelle zum Datenaustausch eingebaut und ein Slot oben am Gerät nimmt Secure Digital (SD) und Multi Media Cards (MMC) auf. Wem das nicht reicht, der kann sich Jackets zulegen, um CompactFlash (CF) Karten oder gar PC-Cards (ehemals PCMCIA) mit dem iPAQ zu benutzen. Vorher sollte man sich freilich informieren, ob die gewünschte Karte auch von mLinux unterstützt wird. Durch den Einsatz in ein Jacket wird die Maschine natürlich etwas dicker und schwerer.
mLinux benötigt zum Starten den Bootloader des handhelds.org-Projektes. Das System baut auf einen Linux Kernel 2.4.18, der mit allen nötigen Patches zum Betrieb auf einem PDA versehen wurde. Als grafische Oberfläche wird das Open Palmtop Integrated Environment [9] (Opie) genutzt, ein freier Fork von Trolltechs Qtopia (siehe SL-5500G). Opie ist komplett Open Source und wird offen und frei entwickelt. Dadurch, dass ein offener CVS-Zugang geboten wird, kann die Entwicklung wesentlich schneller voranschreiten. Qtopia hingegen wird immer erst mit Verzögerung im Web zum freien Download veröffentlicht. Dabei versucht Opie selbstverständlich eine komplette Binärkompatibilität zu den aktuellen Qtopia-Releases einzuhalten, sodass dem Anwender keinerlei Nachteile entstehen.
Ebenso wie Qtopia läuft Opie direkt auf dem Linux Framebuffer und verschenkt dadurch keine wertvollen Resourcen, die ein X-Server beanspruchen würde. Dank dem 2.4.18er Kernel kann das Dateisystem JFFS2 [10] (Journaling Flash File System Version 2) benutzt werden, welches erstens Journaling-Funktionalität und damit Sicherheit für die Dateien bietet und zweitens die Komprimierung von Daten erlaubt. Laut LISA richtet sich mLinux an Entwickler, Systemadministratoren und fachkundige User - diese Einschätzung ist absolut korrekt. Auf der Testmaschine funktionierte kein IrDA, obwohl die nötigen Pakete installiert waren. Dieser Fehler muss von Hand behoben werden. Ebenso die Sound-Funktionalität: Um den Lautsprecher zu aktivieren, müssen händisch Symlinks gesetzt werden.
Besser funktioniert das Powermanagement. Die Helligkeit des Displays lässt sich mit einem Regler einstellen und nach einer festzulegenden Zeit wird die Helligkeit nochmals gedimmt, bis der Handheld in den Suspend-Modus verfällt. Sicherheit lässt sich durch eine einstellbare PIN erlangen, die dann jedes Mal beim Aufwecken eingegeben werden muss. Die üblichen PIM-Anwendungen gleichen naturgemäß denen von Qtopia. Kalender, Adressbuch und Todo-Liste bieten einen guten Funktionsumfang und sind wirklich komfortabel. Weiterhin enthält der iPAQ auch einen PDF-Viewer, einen Audio- und Video-Player, eine Tabellenkalkulation, ein Terminal oder einen Texteditor. Des Weiteren gibt es eine vorinstallierte Version von Klipper, der KDE-Zwischenablage. Ein wenig enttäuschend sind die Systemtools. Hier gibt es neben den üblichen Programmen für Uhrzeit, Software, Powermanagement und weiterem lediglich eine Applikation, um eine Wireless LAN-Verbindung einzurichten. Die noch in der 1.0PRE enthaltenen Assistenten für IrDA- oder sonstige Netzwerkverbindungen sucht man vergeblich. Der von LISA entwickelte Mailer ist zwar gut zu benutzen und soll sogar IMAPS unterstützen, verzichtet dafür aber komplett auf POP3-Support. Dieser sollte unbedingt implementiert werden, da die meisten eMail-Accounts wohl immer noch das Post Office Protocol nutzen. Ein Browser fehlt gleich ganz und muss nachinstalliert werden. Eine weitere gute Applikation, die Opie mitliefert, ist Today, angelehnt an die entsprechende Applikation aus Pocket PC 2002. Diese startet auf Wunsch, wenn man den PDA reaktiviert und präsentiert die aktuellen Termine, Aufgaben sowie eingegangene eMails. Dies verschafft schnell einen Überblick und nach einiger Zeit möchte man Today nicht mehr missen. mLinux beherrscht es derzeit noch nicht, eingelegte SD/MMC-Karten zu mounten, laut LISA soll diese Funktion aber schon bald in die Distribution eingepflegt werden. Die Eingabe erfolgt wahlweise über Bildschirmtastaturen mit unterschiedlichen Layouts oder per Handschrift. Die Erkennung der Buchstaben ist dabei sehr gut. Zumeist kann man sofort anfangen zu schreiben und wird nur in Einzelfällen auf den Trainer zurückgreifen müssen. Wer ein wenig übt, wird so per Handschrift eindeutig schneller zum Ziel kommen als mit einer der Tastaturen.
Für den Datenabgleich mit dem PC kommt der iPAQ in eine Dockingstation, die sowohl einen USB- als auch einen seriellen Anschluss besitzt. Derzeit muss man noch auf letztere Schnittstelle zurückgreifen. Auch zum Laden des Akkus muss das Gerät in dieser Dockingstation platziert werden. Die Verbindung zum Gerät wird unter Linux einfach per PPP-Verbindung hergestellt. Dann kann man sich ohne Probleme die XML-Dateien, die die Daten enthalten, auf den lokalen PC ziehen. Der automatische Datenabgleich funktioniert derzeit noch nicht, müsste sich aber in naher Zukunft mit dem Qtopia-Desktop oder mit dem in KDE 3.1 integrierten KitchenSync realisieren lassen. Wenn man unter Windows eine PPP-Verbindung zum PDA hinbekommt, so ließe sich auch hier die Synchronisation mit dem Qtopia-Desktop durchführen.
Angesichts der Tatsache, dass die Synchronisation noch nicht so leicht möglich ist und dem Aufwand, um das System komplett funktionsfähig zu machen, empfiehlt sich der PDA bisher nur bedingt. Das Gerät an sich ist zweifelsohne einer der besten PDAs überhaupt. In Verbindung mit mLinux werden, wie LISA richtig erkannt hat, Entwickler und Systemadministratoren ihren Spaß mit dem iPAQ haben - schließlich müssen sie hier ein bisschen mit dem System arbeiten. Auch fachkundige Nutzer werden bestens bedient. Nutzer, die jedoch einen PDA erwarten, der nach dem Auspacken sofort läuft, werden nur dann glücklich, wenn sie in der Firma einen Administrator haben, der mLinux vorkonfiguriert. Diese Situation wird sich wahrscheinlich in nächster Zeit in Folgeversionen noch ändern, doch bis dahin gilt: nur für erfahrene Nutzer.


Abb. 2: Compaqs iPAQ mit mLinux richtet sich derzeit noch an Linux-Kenner.

G.Mate Yopy
Der Yopy ist bereits eine Legende unter den Linux-PDAs. Bereits Anfang 2000 wurde er angekündigt, damals noch von Samsung. Nach einigen Vorserienmodellen erteilte Samsung dem PDA jedoch eine Absage. Die koreanische Entwicklerfirma G.Mate wollte die investierte Arbeit jedoch nicht einfach so verwerfen und entschloss sich kurzerhand, das Gerät selber auf den Markt zu bringen. Seit Anfang des Jahres ist er nun unter der Bezeichnung Yopy 3000 erhältlich - der Vertrieb in Europa erfolgt über YOPY.AT aus Österreich, die auf Wunsch jedoch auch weltweit versenden.
Wie alle neueren Linux-PDAs läuft der Yopy auf einer 206 MHz Strong ARM-Plattform, verfügt über 64 MB RAM sowie 16 MB ROM. Um ein kleines und klappbares Design zu ermöglichen, wurde bei dem 240 x 320 Pixel großen TFT Display auf eine Hintergrundbeleuchtung verzichtet. Dieser Kompromiss zahlt sich leider nicht aus, denn das Display kann so nur bei optimalen Lichtverhältnissen abgelesen werden, die fast nie gegeben sind. So muss der Nutzer seine Augen stark anstrengen und erschwert sich somit die Arbeit. Auch die Befestigung des Stiftes ist etwas unkonventionell; er wird in eine, an einem Band befestigte, Kappe gesteckt. Dafür ist der Yopy tatsächlich recht klein und leicht. Ist das Gerät aufgeklappt, so bietet es neben einigen Funktionsknöpfen, einem Lautsprecher und einem Mikrofon auch eine Tastatur. Die Anordnung der Tasten ist etwas ungewöhnlich, sodass man sich erst einmal einarbeiten muss. Ist dies geschehen, so kann durchaus damit gearbeitet werden, an die Tastatur des SL-5500G kommt die des Yopy jedoch nicht heran. Dem Tester gefiel es übrigens besser, die Tasten mit dem Stift zu bedienen, als mit den Fingern. Neben einer Infrarotschnittstelle gibt es noch einen Slot für Multimedia Cards. Jackets für weitere Funktionen, beispielsweise Mobilfunk, sind seitens G.Mate angekündigt worden.
Auf dem Yopy läuft eine von G.Mate erstellte Linux-Distribution namens Linupy [11], die auf einen Kernel 2.4.2 und das X-Window-System setzt. Die Oberfläche basiert dabei auf Gtk und ist komplett deutschsprachig. Zwar sieht die Oberfläche durchaus gut aus, es ist aber fragwürdig, ob es angesichts der wenigen Programme, die es für das verbreitetere Qtopia gibt, Sinn macht, seine eigene Suppe zu kochen. Aufgrund der Gtk-Basis kommen einige Programme zum Einsatz, die von GNOME her bekannt sind. Als eMail-Client fungiert beispielsweise eine Portierung von Sylpheed, Gpaint ist vorinstalliert und eine Gnumeric Version befindet sich auf der CD-ROM. Als PIM-Applikationen stehen selbstverständlich Adressbuch, Kalender und Aufgabenverwaltung zur Verfügung. Diese arbeiten alle ziemlich komfortabel und bieten einige nützliche Optionen. So kann für jede Aufgabe, jeden Kontakt oder Termin eine Notiz angelegt werden. Eine Alarmfunktion wird ebenfalls geboten. Leider wollte der Yopy keine Adressen akzeptieren, die über IrDA von einem Palm gesendet wurden. Besonders gut hingegen gefällt die Möglichkeit, die PIM-Daten auf Knopfdruck zu sichern. Hierfür steht ein extra reservierter, circa 1 MB großer Speicherbereich bereit.
Der Yopy hat natürlich noch mehr Software zu bieten. Für den Musikgenuss unterwegs sorgt ein MP3-Player. Der Lautsprecher hört sich aber blechern an, sodass man besser Boxen über den Kopfhörereingang anschließt. Die Qualität ist dann wesentlich besser. Um auch das Mikrofon nutzen zu können, gibt es eine Software für Voice Memos. Weiterhin liegen ein kleines Zeichenprogramm, ein Texteditor oder ein Browser bei. Die Software-Ausstattung ist nicht unbedingt riesig, dafür kann sie jedoch überzeugen. Sylpheed als eMail-Client ist schon auf dem Desktop sehr beliebt und auch auf dem PDA arbeitet es äußerst komfortabel. Die PIM-Anwendungen lernt der Nutzer ebenfalls schnell schätzen und auch weitere Programme wie Gnumeric machen bei der Arbeit Spaß. Weniger brauchbar ist hingegen der Browser. Das Installieren von neuer Software ist dank Softwaremanager einfach. Dieser installiert die entsprechenden RPMs auf Knopfdruck. Eingelegte MMCs werden automatisch ins Dateisystem eingebunden und können zur Sicherung von Daten benutzt werden. Die Eingabe von Informationen kann entweder über die erwähnte Tastatur oder aber per Stift erfolgen. In letzterem Fall hat man die Auswahl zwischen Handschrift oder Bildschirmtastatur. Die Erkennung der Handschrift arbeitet zufrieden stellend und reicht für einfache Notizen oder die Eingabe einer Adresse. Manche Zeichen lassen sich aber über die Bildschirmtastatur wesentlich einfacher eingeben, sodass diese bei längeren Notizen öfters genutzt werden sollte, um Eingaben nicht unnötig oft zu wiederholen.
Für den Abgleich mit dem Computer wird der PDA in eine USB-Dockingstation gestellt, in die er auch zum Aufladen des Akkus muss. Synchronisiert werden können die Daten entweder direkt mit Lotus Notes, Outlook, Outlook Express oder dem Yopy Desktop. Letzterer liegt auf CD bei und ist dem Palm Desktop sehr ähnlich. Neben den üblichen PIM-Anwendungen können so auch Daten in beliebige Ordner auf dem PDA übertragen werden. Trotz USB-Schnittstelle nimmt dieser Vorgang jedoch teilweise recht viel Zeit in Anspruch. Diese Methoden sind nur unter Windows möglich. Im Internet existieren Anleitungen, um eine USB-Verbindung unter Linux herzustellen [12].
Auch wenn der Yopy an sich ein schönes Gerät ist und er der einzige PDA im Test ist, der ein dickes, gedrucktes Handbuch mitbringt, so disqualifiziert er sich selber durch die fehlende Hintergrundbeleuchtung. Beworben als Multimedia-PDA taugt er tatsächlich sehr gut als, zugegebenermaßen teurer, MP3-Spieler. Als digitaler Assistent ist er nur bedingt einsetzbar: Zum Verwalten von Adressen und ein paar Terminen reicht er aus; das Display lässt sich meist so drehen, dass es gut ausgeleuchtet wird. Soll es aber an längere Texte oder Tabellen gehen, so wird man nicht lange Freude am Yopy haben. Daher bleibt nur die Hoffnung auf einen koreanischen Nachfolger mit beleuchtetem Display.


Abb. 3: Der Yopy ist klein und smart, verzichtet hierfür aber leider auf ein beleuchtetes Display.

Sharp SL-5500G
Der Zaurus, wie er auch heißt, war zu erst in einer Entwicklerversion [13] erhältlich, bis er zur CeBIT in diesem Jahr als lokalisierte Version der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Angetrieben wird der Zaurus von einer Strong ARM-CPU mit 206 MHz. Das ROM, in dem das Betriebssystem, Anwendungen und Treiber liegen, ist 16 MB groß, als RAM stehen 64 MB zur Verfügung. Das berührungssensitive TFT-Display ist 240 x 320 Pixel groß und bietet 65.536 Farben. Auf der Hardwareebene ähnelt der SL-5500 also dem iPAQ und dem Yopy. Das kleine Gerät bietet jedoch noch mehr: Erweitern lässt es sich sowohl über CF- als auch über SD/MMC-Karten. Der Strom kommt von einem auswechselbaren Lithium-Ionen Akku, der außerdem von einer Notbatterie unterstützt wird, die für Datenerhalt sorgt. Weiterhin verbirgt sich in dem PDA eine Tastatur, die ausgezogen werden kann und dann die Eingabe von Texten erleichtert. In der Regel kann man darauf ohne Probleme mit zwei Fingern schreiben und so ist sie ideal, um beispielsweise eine eMail zu schreiben. Der geringe Platz fordert jedoch Kompromisse und so sind Zahlen und Sonderzeichen nur per Kombination mit der FN-Taste nutzbar. Der deutschen Tastatur wurden Umlaute und Euro-Zeichen einfach als Drittbelegung einiger Tasten hinzugefügt. Diese liegen leider recht nahe bei der zur Eingabe nötigen Gr-Taste, sodass die Bedienung teilweise etwas fummelig ist. Grundsätzlich ist die Tastatur jedoch eine gute Idee, die zwar nützlich ist, dem Anwender aber bei der Eingabe längerer Texte einige Verrenkungen abverlangen kann.
Nach dem ersten Start fragt ein Assistent einige Einstellungen ab. Wer mag, kann auch gleich ein Kennwort in Form einer Zahlenkombination festlegen, welches dann beim Einschalten und Reaktivieren des Gerätes abgefragt wird. Auf der Softwareebene hat Sharp auf die Linux-Portierung Embedix Plus PDA [14] mit einem Kernel 2.4.6, Trolltechs Qtopia 1.5.0 und die Jeode Java Virtual Machine gesetzt. Qtopia erinnert in Look & Feel sehr an Windows CE, ist jedoch nicht zu bunt, sondern übersichtlich und gut zu bedienen. Die typischen PIM-Anwendungen Adressbuch, Aufgabenliste und Kalender sind selbstverständlich mit von der Partie und bieten einen guten Funktionsumfang. So können Kontakte Kategorien zugeordnet werden und der Kalender bietet verschiedene Ansichten sowie eine Alarmfunktion. Des Weiteren ist der Zaurus mit einem einfachen Texteditor, einem Media Player, Voice Recorder, Bildbetrachter und einem eMail-Client ausgestattet. Letzterer kennt POP3, IMAP und SMTP, beherrscht aber kein IMAPS. Der Client kann mehrere eMail-Konten verwalten und bietet die Möglichkeit, große eMails auszulassen. Auch Operas Browser, der die Texte auf Webseiten vergrößern und verkleinern kann, ist mit dabei. Terminal und Dateimanager, in der Entwicklerversion noch installiert, liegen nun nur noch auf der CD-ROM bei. Dafür können sie auf eine Speicherkarte geschrieben werden, die dann in den entsprechenden Slot geschoben wird. Der Zaurus erkennt die Karten automatisch und bindet CF-Karten als /usr/mnt.rom/cf und SD-Karten als /usr/mnt.rom/card in das Dateisystem ein. In der Startleiste am unteren Bildschirmrand erscheint jeweils ein Icon, welches einem auch die Möglichkeit bietet, die Karten wieder aus dem Dateisystem zu entfernen. Ferner sind auf dem Zaurus kleinere Tools enthalten, um Energiesparmodi einzustellen, eine Netzwerkverbindung zu erstellen oder die Anwendungstasten, auf der Vorderseite des Gerätes, mit anderen Funktionen zu belegen. Ein Desktop-Konverter konvertiert automatisch alle Word- und Excel-Dateien, die auf den PDA überspielt werden, in HTML-Dateien. Einige Formatierungen gehen dabei meist verloren, die Dokumente sehen aber immer noch recht gut aus und reichen, um sich einen Überblick zu verschaffen oder in der Bahn Texte zu studieren. Die Eingabe erfolgt, ähnlich wie bei den anderen Geräten, per Tastatur, Bildschirmtastatur oder Handschrift. Die Handschrifteneingabe hat die selbe Qualität wie die von Opie, man kann also ohne lange Eingewöhnungszeit schreiben und erzielt gute Ergebnisse.
Über die Infrarot-Schnittstelle des Zaurus können Daten mit anderen Geräten ausgetauscht werden. Adressen und Termine, gesendet von einem Palm, akzeptiert er anstandslos und sendete auch selber an den Palm. Auch an ein Siemens S45 sendete er Daten, nahm die vom Telefon gesendeten Adressen aber nicht an. Dafür kann er jedoch per IrDA, über selbiges Mobiltelefon, eine Verbindung zum Internet herstellen. Eine grundlegende Funktion bei PDAs ist die Synchronisation mit dem PC. Zu diesem Zweck bringt der Zaurus eine USB-Cradle und entsprechende Windows-Software mit. Zum einen gibt es Intellisync, um den SL-5500 mit Microsoft Outlook oder dem kostenlosen Palm Desktop abzugleichen. Auch können Daten mittels Intellisync auf das Gerät übertragen werden. Zum anderen ist Trolltechs Qtopia Desktop dabei, ein Programm, welches sich deutlich am Palm Desktop orientiert.
Unter Linux kann man den PDA nach einiger Handarbeit anbinden [15]. Der Sharp SL-5500G scheint der ausgereifteste PDA im Test zu sein. Ehrlich gesagt verwundert dies auch nicht, schließlich steht hinter dem Gerät eine große Firma, die ein umfangreiches Entwicklerprogramm laufen ließ und mehr Geld in die Entwicklung investieren konnte als beispielsweise Agenda Computing. Dies merkt man dem PDA einfach an. Durch die Partnerschaft mit Trolltech sind PDA und Desktop Software sehr gut aufeinander abgestimmt, was sich bezahlt macht. Sharp bringt weiterhin Updates und vernachlässigt so die Käufer nicht. Als dieses Jahr ein Sicherheitsloch bekannt wurde, folgte ein neues ROM-Image, welches nach dem Einspielen eben dieses stopfte. Neben Sharps Werbung dürfte nicht zuletzt die Tatsache, dass der SL-5500G auch in den großen Elektronikmärkten erhältlich ist, wesentlich zur Verbreitung beitragen.


Abb. 4: Sharps SL-5500G verfügt über eine eingebaute Tastatur zur Texteingabe.

Wie es weitergeht ...
Die Entwicklung steht natürlich nicht still. Nicht testen konnten wir den Filewalker von Invair (www.invair.de/), da die Firma uns bis zum Redaktionsschluss kein Testexemplar zur Verfügung stellen konnte oder wollte. Wir werden versuchen einen Test in einer der nächsten Ausgaben nachzuliefern.
Darüber hinaus kündigen aber immer mehr Firmen PDAs mit Linux an. Häufig passiert nach diesen Ankündigungen aber nichts mehr. Sicher ist jedoch, dass die Strong ARM-Prozessoren bis Ende 2002 oder Anfang 2003 langsam aber sicher von Intels schnelleren XScale-CPUs abgelöst werden. Diese bieten dann erst einmal Leistungen um die 400 MHz und damit ein viel größeres Potential für bessere Embedded Linux-Lösungen. Compaq hat bereits die H3900-Familie angekündigt und LISA systems arbeitet an einer mLinux Portierung auf XScale. Auch Sharp hat Zaurus-Nachfolger auf XScale-Basis versprochen. Ferner wagen sich neue Firmen wie Asus in den PDA Markt und so ist es gut möglich, dass weitere Projekte entstehen, die Distributionen für neue XScaleGeräte erstellen. Sicher ist, dass die Entwicklung der Linux-PDAs erst am Anfang steht und in nächster Zeit weitere Fortschritte machen wird.

Fazit
Es wäre töricht eine Empfehlung für ein Gerät auszusprechen. Vielmehr hängt die Wahl des richtigen PDAs vom geplanten Einsatzgebiet ab. Wer eher sparsam ist und eine gute, auf Linux basierende Alternative zu den Palm OS-Rechnern sucht, der wird mit dem VR3 gut fahren. Er ist auch gut geeignet für Linux-Nutzer, die wenig Wert auf bunte Oberflächen legen, sondern lieber mit der Shell spielen. Der Preisvorteil spricht auf jeden Fall eindeutig für den VR3. Der iPAQ, vertrieben von LISA, ist (noch) die erste Wahl für Entwickler, Systemadministratoren und Nutzer, die über gute Kenntnisse des Linux-Systems verfügen. Wenn sich dies in naher Zukunft ändert, wird er auch ideal für diejenigen, die nicht Basteln wollen, sondern nur ihre Termine et cetera verwalten möchten. Dann kann der iPAQ durch sein schönes Design, die Erweiterbarkeit und vor allem durch das herausragende Display punkten. Doch auch schon jetzt kann er, mit einigen Abstrichen, zusammen mit Yopy und Zaurus am ehesten mit den Windows-Maschinen konkurrieren. Leider ist das Display des Yopys jedoch kaum zu gebrauchen, sodass er sich eher zum Multimedia-Gerät entwickelt, welches weniger dazu benutzt wird Informationen zu verwalten als Musik zu hören. Der Zaurus hingegen hat ein gutes Display, gute Abmessungen und Software, die sofort einsetzbar ist. Er fährt also derzeit an der Pole Position und dürfte der richtige PDA für all jene sein, die sich sonst für ein Pocket PC 2002 System entscheiden würden und nicht lange basteln wollen, bevor sie produktiv arbeiten können. Der beste Weg ist jedoch, sich die Geräte selber einmal anzuschauen. Möglich ist das sicher auf Messen wie der CeBIT oder dem LinuxTag. iPAQ und Zaurus finden sich außerdem im Mobile Linux Showroom in Hamburg [16]. Dann kann jeder für sich entscheiden, wer der Beste unter den Besten ist. Vergessen sollte man nie, dass man nicht nur einen simplen Organizer, sondern eine kleine Workstation in den Händen hält. Viel Spaß ist so mit einem mobilen Linux garantiert.

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