Donnerstag, 4. Dezember 2008

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April 2006
aus Linux Enterprise Ausgabe: 12.2002
Risk Management mit ZUP
ERP-Optimierung mit Echtzeitdaten in großen Produktionssystemen
von Anna Weinberg , Vitaly Berezka (Solev),Vladislav Lenshin, Vyacheslav Kuminov (RTSoft),Valerie Chavez, Stephen Jarvis, Armin Röhrl und Stefan Schmiedl (Approximity)

Machen wir es besser als gewöhnlich - Als der russische Premierminister Chernomyrdin sagte: Wir wollten das Beste, aber machten das Übliche, hätte er genauso über die Managementsituation in den meisten großen Firmen sprechen können. Denn eine Folge des Einsatzes von traditionellen ERP-Systemen ist die mangelnde Transparenz sowie die schlechte Integration von Finanzsystemen, sodass große Geldmengen nicht sofort wieder zum Geldverdienen eingesetzt werden können oder bei Bedarf nicht rechtzeitig abrufbar sind. Spätestens seit Enron et al ist Risk Management ein wichtiger Begriff.


Existierende Systeme
Wegen der Komplexität heutiger Konzerne gibt es keine Lösungen von der Stange, die auf die gesamte Firma und ihr Umfeld anwendbar ist. Daher wird oft eine nicht-optimale Lösung eingesetzt, die weniger Gewinn erzeugt als möglich wäre.


Abb. 1: Das klassische ERP-System

Während traditionelle ERP-Systeme dem Unternehmen dabei helfen, Geld auszugeben sowie die Produktion zu organisieren, tragen sie nicht dazu bei, proaktiv Geld zu sparen. Der Grund liegt vor allem darin, dass nicht mit Echtzeit-Daten gearbeitet wird und die Analyse nicht auf dem Cash-Flow basiert, der ja einer der kritischen Indikatoren für den Gesundheitszustand einer Firma ist und noch dazu einfach gemessen werden kann.

Cash-Flow ist der Hauptindikator
Investoren und Eigentümer messen die Entwicklung ihrer Firma am Businessplan und den strategischen Zielen, die oft auf dem Cash-Flow basieren. Um eine Firma effizient verwalten zu können, benötigt das Management genaue Informationen über den aktuellen Zustand der Firma, zumindest auf einer tagesaktuellen Basis. Die vom Gesetzgeber verlangten und von den meisten ERP-System unterstützten monatlichen Gewinnermittlungen sind nicht detailliert genug und kommen oft zu spät, um ein aufgetretenes Problem noch rechtzeitig zu beseitigen oder gar zu verhindern.


Abb. 2: Der Operationszyklus im Finanzsystem

Das Finanzsystem
Totes Geld ist eine schlechte Investition. Eine Firma kann ihren Cash-Flow, sowie vorhandene Geldressourcen für kurzfristige Investitionen benutzen, um so ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Damit dies effizient funktioniert, muss das Finanzsystem in der Lage sein, die Ausgaben zu planen, Risiken abzuschätzen und auch die Einkünfte für kürzere Zeiträume vorhersagen zu können. Heutige ERP-Systeme können das nicht.

Die ZUP-Komponente
Mit der nun verfügbaren preiswerten und gut vernetzbaren Monitoringhardware können kosteneffiziente MES-Systeme entwickelt werden. Deren Messdaten können in Echtzeit über das Internet gesammelt werden (auch verschlüsselt), und in einer neuen Komponente ZUP ausgewertet werden, die von uns entwickelt wird. Die Abkürzung ZUP steht für das russische Äquivalent zum Mission Control Center der NASA: den Kontrollraum in StarCity, der einst verbotenen Stadt.


Abb. 3: ZUP optimiert den Cash-Flow und nutzt vorhandenes Kapital.

Diese zentrale Softwarekomponente erzeugt verlässliche Ergebnisse mit neuartigen Algorithmen, die auf den neuesten Entwicklungen in Statistik, Operation Research und Informatik beruhen. Das große Ziel ist, die in der Firma ablaufenden Prozesse zu verstehen und basierend auf objektiven Messungen mit wissenschaftlich korrekten Modellierungsverfahren Vorhersagen zu treffen, mit denen die vorhandenen Betriebsmittel optimal genutzt werden können.

Was macht ZUP?
Die einfachste Aufgabe von ZUP ist das Sammeln und Organiseren von Daten in Echtzeit, mit denen ZUP den Zustand der Firma diagnostiziert und eine solide Hilfe für die täglichen Managementaufgaben bietet. Diese Hilfestellung beschränkt sich aber nicht nur auf Ratschläge für Entscheidungen, hierzu gehört auch die Möglichkeit für das Management, Entscheidungen per Fernsteuerung direkt an die ausführenden Stellen zu übermitteln.
Als adaptives und selbstlernendes System ist ZUP in der Lage, die Prozesse innerhalb einer Firma zu optimieren sowie Businessentwicklungen vorherzusagen, die für die Firma von Bedeutung sind. So erhöht sich die Stabilität der Firma, indem eine solide Basis für Riskmanagement geliefert wird. Die Abstände zwischen operativen und finanziellen Zyklen werden verkürzt. Weiterhin sorgt ein hochauflösender Kontrollmechanismus dafür, dass sich (soweit möglich) eine just-in-time Produktion einstellt, die deutlich weniger Teile oder Rohmaterial lagert als eine klassische Firma.
Basierend auf Solevs Know-how arbeiten wir mit dem Management der Firmen, identifizieren und lösen die Hauptprobleme und überwachen die sensiblen Regionen, sodass sie nicht wieder auftreten können. Sehr oft sind es ja nur kleine Veränderungen, die große Effizienz-Gewinne für die Firma mit sich bringen. Sie zu finden, ist eine Mischung aus Expertenwissen und gesundem Menschenverstand, der von ZUP unterstützt wird. So kann zum Beispiel ein Zulieferer einer Druckerei mit vernetzten Sensoren Nachschub liefern, bevor die Druckfarbe aufgebraucht ist. Oder ein großer Automobilkonzern konnte die Verluste durch menschliche Fehler beträchtlich absenken, indem die Produktion für alle Beteiligten transparenter gemacht wurde.
Durch die Nutzung des Internets kann man kosteneffektive Interaktionen innerhalb und zwischen verschiedenen Organisationen auch über Tausende von Kilometern aufrecht erhalten. Daten können für die sichere Übertragung verschlüsselt werden, sodass Geschäftsgeheimnisse auch welche bleiben. Über die gleichen Kommunikationswege kann das Management verschiedene Aspekte der Firma fernsteuern. Durch redundante Kommunikationswege und Sensoren wird die Funktionalität selbst unter extremen Zuständen gesichert.
Für ZUP haben wir uns aus verschiedenen Gründen für den Einsatz von Open Source-Komponenten entschlossen: Wenn überhaupt nötig, sind die Lizenzkosten viel billiger bei vielfach überprüfter und gesicherter Qualität des Quellcodes. Programmierer können die Komponenten vor Ort optimal anpassen. Und die Verfügbarkeit der Software ist langfristig gesichert, was bei proprietärer Software ja nicht immer der Fall ist. Wir verweisen hier nur auf die klammheimliche Abschaffung der Netscape-Plugins im Internet Explorer 5.5 Service Pack 2 durch Microsoft. Und schließlich sind die Hardwareanforderungen meistens bescheidener als bei den meisten kommerziellen Systemen, wobei oft auch noch eine große Anzahl von EDV-Geräten unterstützt wird (man denke hier nur an NetBSD oder Linux).

Den Informationsraum verwalten
Das System als Ganzes ist eine offene Architektur für die kontinuierliche Weiterentwicklung. Sie wird mit den Aufgaben einer wachsenden Firma und verbesserter Hardware skalieren. Existierende Standard-Komponenten können integriert werden, wenn sie über grundlegende Datenaustauschmöglichkeiten verfügen, sodass Trainingskosten für Anwender gering gehalten werden können. Die Speicherung der Daten wird kompatibel mit ISO-Anforderungen sowie russischen und internationalen Buchhaltungsstandards sein.
ZUP verwaltet den Informationsüberfluss durch extensives Filtern auf verschiedenen Ebenen. Wenn etwas in der Produktion misslingt, so wird der zuständige Ingenieur automatisch informiert. Bleibt das Problem bestehen, so wird der Manager in der nächsten Verwaltungsebene informiert, während die Geschäftsleitung erst einmal nur erfährt, dass es ein Produktionsproblem mit Unit XYZ gibt, wegen dem die Firma soundsoviel Geld pro Stunde verliert. Die Chefetage kann also auf Grund der aktuellen Situation beurteilen, wie viel vom verfügbaren Kapital in kurzfristige Anlagen investiert werden kann, sodass der Ertrag des vorhandenen Geldes optimiert wird. Letztendlich wird ZUP also nicht nur helfen, Verluste zu vermeiden, sondern auch, Gewinne zu erzielen.


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