Mittlerweile tummeln sich auf dem Online-Marktplatz neben privaten Verkäufern auch etliche professionelle und semiprofessionelle Power-Seller. Gerade hier ist eine weitgehend automatisierte Abwicklung bare Münze wert. Seit kurzem unterstützt eBay selbst die Händler bei der Integration in die Plattform mit einem API; und das zu durchaus vertretbarem Aufwand.
Kennen Sie noch die PEZ-Spender? Die kleinen viereckigen Plastikdinger mit
den Comicfigur-Köpfen beherbergten kleine rechteckige Minz- und Fruchtbonbons.
Genau diese Dinger sammelte die Freundin von Pierre Omidyar, als dieser 1995
Auction Web entwickelte, und eigentlich sollte die kleine Website nur als Treffpunkt
für die PEZ-Enthusiasten aus der Nachbarschaft dienen. Innerhalb weniger Monate
begann die Site sämtliche Rekorde zu sprengen. Heute ist Echo Bay, kurz: eBay,
mit 75 Millionen Benutzern weltweit in 27 Ländern dieser Erde vertreten.
Zunehmend finden sich unter den Verkäufern neben privaten Anbietern auch professionelle
Händler, die teilweise sogar ihren Lebensunterhalt damit bestreiten können.
Lassen wir dahin gestellt sein, ob dies eine positive Tendenz ist, so ergibt
sich hier doch zumindest eine Vielzahl von Aufgaben. Sobald die Menge der abzuwickelnden
Auktionen eine gewisse kritische Masse erreicht hat, beginnt die Suche nach
geeigneten Werkzeugen zur Automatisierung. Bisher sind solche Systeme, die beispielsweise
Warenwirtschaft, Buchhaltung und nicht zuletzt Customer Relationship Management
zusammen mit einer Integration in die eBay-Plattform bieten, noch Mangelware.
Architektur
Das eBay-Backend-System besteht aus einer Datenbank, welche die Auktionen und
die Transaktionen der letzten drei Monate beinhaltet. Ein IBM Websphere J2EE-Server
beinhaltet die Geschäftslogik und stellt die Daten- und Funktionsbasis für die
einzelnen eBay-Webseiten zur Verfügung. Darauf setzt dann die Präsentationsebene
auf. Parallel dazu ermöglicht das Application Programming Interface (API) auch
einen Zugang zu den Geschäftsdaten, sprich: den einzelnen Auktionen, sowie im
Fall eines erfolgreichen Verkaufs auch zu den Informationen von Käufern und
Anbietern. Auch eBay selbst nutzt die API in einer Reihe von Zusatzanwendungen
wie etwa dem TurboLister, dem EditorKit oder dem Verkaufsmanager. Wobei die
erste Anwendung als Offline-System Windowsanwendern das automatisierte Einstellen
von Artikeln erlaubt. Der Verkaufsmanager ist ein HTML-basiertes Werkzeug zur
Geschäftsabwicklung. Daneben existiert bereits eine Reihe von 3rd-Party-Anwendungen,
die ähnliche Funktionen übernehmen können. Mit über einem Drittel ist der Anteil
aller Artikel, die mittlerweile bereits mithilfe des API eingestellt werden,
überraschend hoch.
Die Grundarchitektur des API besteht im Austausch von XML-Dokumenten, die mittels
des HTTPS-Protokolls zwischen dem API-Server und den Client-Anwendungen übertragen
werden. Dabei wurde das HTTP-Protokoll durch eine Reihe von Header-Feldern erweitert,
die neben der Identifikation der Anwendung und des Entwicklers auch den gewünschten
Methodenaufruf spezifizieren. Hier ist insbesondere zu beachten, dass bei Aufruf
drei Schlüsselwerte (DevID, AppID und CertID) übergeben werden, die nach der
Registrierung bereitgestellt werden. Die Übergabe des Anfrage-XML-Dokuments
erfolgt dabei mithilfe eines HTTPS-POST. Die Grundstruktur für den Datenaustausch
ist im Listing 1 ersichtlich, wo Sie das Protokoll eines Methodenaufrufs finden.
Dieser Aufbau ähnelt stark Protokollen wie XML-RPC oder XML Web Services via
SOAP; noch enger verwandt ist der Aufbau mit WebDav, letztendlich aber folgt
er keinem dieser Standards. Laut eBay soll hier erst abgewartet werden, wie
sich der Markt in Bezug auf diese Technologien entwickelt, bevor man auf diesen
Zug aufspringt, allerdings ist es durchaus vorstellbar, dass es in Zukunft eine
Web Service-Schnittstelle geben könnte. Sicherlich ein gesunder Umgang mit dem
Hype, der um dieses Thema entstanden ist, auch wenn uns als Programmierern dadurch
zunächst einmal mehr Aufwand entsteht.

Abb. 1: eBay-API-Architektur
Was geht und was nicht
Bei einer ersten
Betrachtung der unterschiedlichen API-Funktionen wird schnell klar, welche Intention
eBay hier verfolgt. Zunächst stehen Funktionen bereit für das Einstellen von
Artikeln (AddItem, RelistItem) sowie eine Reihe von Möglichkeiten, um die bestehenden
Auktionen zu verändern. Es können Artikel gesucht und die Status- bzw. Detailinformationen
abgerufen werden; letztlich die Funktion der eBay-Webseite in Form einer Programmierschnittstelle.
Einzige Ausnahme ist eine Funktion zum Bieten auf Artikel, die nicht durch das
API erreichbar ist. Daneben fehlen einige kaum relevante Daten des Mein eBay-Bereichs.
Die typischen EndOfAuction-Mails können durch Angabe einer URL ersetzt werden;
beim Auftreten eines Ereignisses benachrichtigt das eBay-System dann z.B. Ihren
Webserver mit dem Absetzen einer SOAP Message. Insgesamt umfasst das API etwa
50 Funktionen in den verschiedenen Funktionsbereichen. Ähnlich wie die eBay-Webseite
ist auch das API einer ständigen Veränderung unterworfen, allerdings garantiert
eBay hier einen gewissen sog. Compatibility Level für mindestens ein Jahr. Spätestens
dann müssen allerdings Anwendungen entsprechend angepasst werden.
Zusammenfassend ist durch das API ein Zugriff auf die Business-Prozesse von
eBay möglich. Eine Einbindung von eBay-Daten in eigene Webseiten für die Darstellung
der eigenen laufenden Aktionen ist nicht Zweck des API, kann damit aber durchaus
realisiert werden (zweckgerechter ist hierfür das sog. EditorKit). Interessant
ist sicherlich auch, dass eBay in Kürze Katalogfunktionalitäten einführen wird,
durch die sich Produkte mit standardisierten Beschreibungen und Attributen versehen
lassen und auch gefunden werden können.
Listing 1: HTTP-Daten für den Abruf der eBay-Zeit
Request:
POST /ws/api.dll HTTP/1.0
X-EBAY-API-COMPATIBILITY-LEVEL: 305
X-EBAY-API-SESSION-CERTIFICATE: DevId;AppId;CertId
X-EBAY-API-DEV-NAME: DevId
X-EBAY-API-APP-NAME: AppId
X-EBAY-API-CERT-NAME: CertId
X-EBAY-API-CALL-NAME: GeteBayOfficialTime
X-EBAY-API-SITEID: 0
X-EBAY-API-DETAIL-LEVEL: 0
Content-Type: text/xml
Content-Length:
<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<request>
<RequestUserId>usa5</RequestUserId>
<RequestPassword>ebay</RequestPassword>
<Verb>GeteBayOfficialTime</Verb>
<DetailLevel>0</DetailLevel>
<ErrorLevel>1</ErrorLevel>
<SiteId>0</SiteId>
</request>
Response:
HTTP/1.1 200 OK
[...]
<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1" ?>
<eBay>
<EBayTime>2003-05-19 21:58:00</EBayTime>
</eBay>
Erste Schritte
Bevor Sie nun mit den ersten PHP-Skripten beginnen können,
müssen Sie zunächst in das eBay-Entwicklerprogramm eintreten. Dazu bedarf es
einer eBay-Benutzerkennung und des Aufrufs von developer.ebay.com/. Die Anmeldung
ist kostenlos und Sie erhalten danach einen Satz von Schlüsseln, den Sie für
den Aufruf einer API-Methode nutzen können. In der Developer Zone stehen Ihnen
dann der Zugang zu den Entwicklerforen (auch in Deutsch) und insbesondere die
Dokumentation der API zur Verfügung, die bisher leider nur online verfügbar
ist. Daneben steht hier ein kleines Test-Tool bereit, mit dem die API-Aufrufe
ohne größeren Aufwand durchgeführt werden können. Dieses mutet zwar ein wenig
kryptisch an, da hier letztlich die XML-Fragmente für den Datenaustausch stehen,
ist aber durchaus funktionell (zumindest solange Sie den Internet Explorer benutzen).
Die Entwicklung einer Anwendung kann dabei zunächst in der sog. Sandbox stattfinden.
Diese stellt ein Testsystem dar, das funktionell und von seiner Anmutung eBay.com
simuliert. Allerdings stehen hier nicht auch die Livedaten und insbesondere
nicht die angemeldeten Benutzer zur Verfügung. Sie sollten daher zuallererst
auf sandbox.ebay.com/ mithilfe des Web-Interfaces Registrierungen für einige
Benutzer vornehmen. Sinnvollerweise für mindestens einen Verkäufer und mehrere
Käuferkonten, um später den Handel simulieren zu können. Hierbei ist darauf
zu achten, dass Sie sinnvolle (amerikanische) Adressen und Telefonnummern verwenden,
da hier eine Prüfung stattfindet (www.yellowpages.com/ könnten Ihnen hier weiterhelfen).
In der Testumgebung können dann die Teilnehmer mittels eines Aufrufs von ValidateTestUserRegistration
mit virtuellem Geld ausgestattet werden, sodass ein Handel möglich ist. Nun
können Sie mittels Ihrer Benutzer einen regen Handel mit nicht vorhandenen Dingen
treiben, sprich: das Einstellen von Auktionen, das Bieten auf Artikel und die
Abwicklung der Transaktionen durchspielen. Leider stehen Ihnen zunächst keine
Testdaten zur Verfügung, vielmehr müssen Sie diese selbst durch einen Handel
Ihrer Testteilnehmer untereinander erzeugen. Auch in der Sandbox gilt, dass
Auktionen i.d.R. mindestens drei Tage laufen, und man muss sich hier evtl. mit
der Sofort-Kaufen-Option oder der Nutzung von EndItem behelfen, damit Transaktionsdaten
(also Verkäufe) entstehen. Beachten Sie dabei, dass Sie für das Bieten nur das
Web-Interface der Sandbox nutzen können, da die Bietfunktionalität nicht durch
das API abgedeckt wird.
Die Sandbox-Umgebung ist eben ein Abbild von eBay USA und unterscheidet sich
damit nicht nur durch ein englisches Benutzer-Interface und Dollar-Preise von
eBay Deutschland. Hier gelten neben anderen funktionellen Unterschieden zum
Teil auch andere Regularien für die Weitergabe von Benutzerdaten. Für die Zukunft
verspricht eBay aber lokalisierte Sandkästen mit den entsprechenden Eigenarten.
Sandbox- wie Liveumgebung besitzen jeweils ein Web-Interface und einen Zugang
zu den API-Servern. Die Systeme benötigen jeweils eine unterschiedliche Gruppe
von Schlüsseln, die nicht verwechselt werden sollten. Typischerweise hinkt das
Web-Interface innerhalb der Sandbox ein wenig hinter der Liveumgebung her, da
neue Funktionen zunächst dort eingeführt werden.
API und SDK
Innerhalb
der Developer Zone findet sich auch ein Download-Paket mit dem eBay SDK. Das
SDK ist eine Entwicklung auf der Basis von Microsoft .NET und stellt eine Abstraktionsebene
über dem API dar. Obwohl hier PHP explizit als unterstützte Sprache genannt
wird, ist der Download kaum sinnvoll. Durch die sog. Interop-Schnittstelle von
.NET lässt sich die Bibliothek wie eine COM-Komponente ansprechen und entsprechend
kann so auch eine Nutzung unter PHP realisiert werden. Abgesehen davon, dass
das Ganze natürlich nur auf der Microsoft-Plattform arbeitet, ist daneben auch
eine .NET Runtime zu installieren, die nur auf Windows 2000/XP und höher arbeitet.
Interessant ist der Integrationsteil des SDKs, der eine lokale Datenbank durch
Synchronisationsfunktionen mit den eBay-Daten abgleicht. Grundsätzlich wäre
hier auch eine Nutzung von z.B. MySQL als Datenbank möglich, erreichbar allerdings
nur mit zusätzlichem Aufwand. In Kürze soll hier aber auch ein SDK für PHP bereitstehen,
welches ähnliche Funktionen auch auf anderen Plattformen erlauben wird.
Nutzen des API unter PHP
Für die Nutzung des eBay API benötigen Sie zunächst eine PHP-Installation mit
einer Reihe von Erweiterungen. Neben dem XML-Support (--with-xml), werden cURL
(--with-curl) sowie openSSL (--with-openssl) benötigt. Sinnvoll, wenn auch nicht
unbedingt notwendig, ist auch die Unterstützung für XSL-Transformation und die
Aktivierung des XML DOM-Supports. Bei einem eigenen Testsystem sollte es unproblematisch
sein, die Konfiguration durch Rekompilierung oder Editieren der
php.ini
zu erreichen. Die wenigsten Provider unterstützen allerdings standardmäßig diesen
Aufbau.
Für einen ersten Test beschränken wir uns auf die Methode GeteBayOfficialTime
für den Abruf der aktuellen eBay-Zeit. Nun benötigen Sie jene drei Schlüssel,
die Sie während der Anmeldung beim eBay-Entwicklerprogramm erhalten haben und
einen eBay-Benutzer-Account inkl. Passwort. Falls Sie auf der Sandbox arbeiten,
sind dies dann die Angaben für Ihren Testbenutzer, den Sie dort angelegt haben.
Jetzt stellen wir das XML-Anfragedokument zusammen, definieren die notwendigen
Header-Einträge in Form eines Array und können dann den Request mittels curl_exec
ausführen. Listing 2 zeigt den dazu notwendigen Code. Danach muss das Ergebnis-XML-Dokument
nur noch geparst werden, und die eBay-Uhrzeit steht zur Verfügung. Für eine
genaue Betrachtung fehlt hier der Platz, allerdings finden Sie ein Beispiel
auf der Heft-CD.
Viele der API-Funktionen können unter Umständen eine sehr große Datenmenge zurückliefern.
Das gilt beispielsweise für die Such-Funktionen GetSearchResults oder GetSellerTransactions
für den Abruf der aktuellen Verkäufe eines Benutzers. Hier nutzt die API eine
Unterteilung der Ergebnisdaten auf mehrere Seiten, wobei dann pro Seite ein
Maximum von jeweils 200 Einträgen erreichbar ist. Dieser Komplexität ist also
bei diesen Funktionen Rechnung zu tragen, damit alle Daten abgerufen werden.
Listing 2: Abruf der eBay-Zeit mittels PHP
$request = "<?xml version='1.0' encoding='iso-8859-1'?><request>"
. "<RequestUserId>" . EBAY_UID . "</RequestUserId>"
. "<RequestPassword>" . EBAY_PWD . "</RequestPassword>"
. "<ErrorLevel>0</ErrorLevel>"
. "<DetailLevel>0</DetailLevel>"
. "<SiteId>0</SiteId>"
. "<Verb>GeteBayOfficialTime</Verb></request>";
$headers[] = "X-EBAY-API-COMPATIBILITY-LEVEL: 305";
$headers[] = "X-EBAY-API-SESSION-CERTIFICATE: ".DEVID.";".APPID.";".CERTID;
$headers[] = "X-EBAY-API-DEV-NAME: ".DEVID;
$headers[] = "X-EBAY-API-APP-NAME: ".APPID;
$headers[] = "X-EBAY-API-CERT-NAME: ".CERTID;
$headers[] = "X-EBAY-API-CALL-NAME: GeteBayOfficialTime";
$headers[] = "X-EBAY-API-SITEID: 0";
$headers[] = "X-EBAY-API-DETAIL-LEVEL: 0";
$headers[] = "Content-Type: text/xml";
$headers[] = "Content-Length: " . strlen($request);
$curl = curl_init("https://api.sandbox.ebay.com/ws/api.dll");
curl_setopt($curl, CURLOPT_RETURNTRANSFER, 1);
curl_setopt($curl, CURLOPT_POST, 1);
curl_setopt($curl, CURLOPT_HTTPHEADER, $headers);
curl_setopt($curl, CURLOPT_POSTFIELDS, $request);
$result = curl_exec($curl);
Integrationswege
Die Integration des eBay API in bereits vorhandene Systeme ist in der Regel
kaum problematisch. In den allermeisten Fällen reichen hier die beiden Funktionen
AddItem und GetSellerTransactions aus, um die Grundfunktionen wie das Einstellen
und die Verkaufsabwicklung zu realisieren. In regelmäßigen Abständen aufgerufen,
könnte so auch eine Synchronisation mit einer lokalen Datenbank bzw. mit Austauschdateien
realisiert werden. Insbesondere bei XML-basierenden Systemen oder solchen mit
einer entsprechenden Schnittstelle lässt sich evtl. mithilfe einer einfachen
XSL-Transformation ein Integrationsweg finden. Hier hat dann auch der Verzicht
auf XML RPC oder SOAP einen deutlich positiven Effekt, da dadurch die Transformation
direkt auf dem Ergebnis- bzw. Eingangsdokument durchgeführt werden kann.
Going live und Kosten
Nach dem Abschluss der Entwicklung und dem Test auf der Sandbox gilt es nun,
die neue Anwendung in der Produktionsumgebung in Betrieb zu nehmen. Hier wird
zum einen eine andere URL für das Absetzen der HTTP-Anfrage benötigt, daneben
muss zwingend eine Zertifizierung durchlaufen werden, deren Ergebnis die Übergabe
des neuen Schlüssel-Tripples durch eBay ist. Nur mit diesen Schlüsseln kann
dann auf der Liveumgebung gearbeitet werden.
Das eBay-Entwicklerprogramm unterscheidet in individuelle und kommerzielle Anwendungen
bzw. Mitgliedschaften. Für individuelle Mitglieder entstehen, abgesehen von
der Zertifizierung in Höhe von 100 Dollar, keine weiteren Kosten, wobei hier
aber die Nutzung auf 50 Aufrufe täglich beschränkt ist. Für alle Anwendungen
gilt, dass die Nutzung des API für das Einstellen von Artikeln nicht in den
gebührenpflichtigen Aufrufen vermerkt wird. Es werden natürlich weiterhin Einstellgebühren
sowie evtl. Verkaufsprovisionen fällig.
Die kommerziellen Einstufungen erheben Gebühren, die sich aus einem Sockelbetrag
und Nutzungsgebühren je Aufruf berechnen. Nur mit einer kommerziellen Lizenz
darf eine Anwendung vertrieben werden; hier wird die Zertifizierung nach einem
Review durch eBay vorgenommen und mit einer eigenen AppID ausgestattet. Dieses
Gebührenmodell existiert seit Juli 2003 und ging mit einer massiven Senkung
der Kosten einher.
Wesentlich ist allerdings, dass nicht der Endbenutzer, sondern der Entwickler
diese Gebühren zu entrichten hat. Der Vertrieb einer Anwendung oder eines Skriptes
wird damit letztlich technisch eher schwierig durchführbar. Im Rahmen eines
kommerziellen Projekts müssten die Schlüsselinformationen im Skript mitgeliefert
werden. In der Konsequenz ist somit die Anwendung mit geeigneten Mitteln zu
verschlüsseln - der Verlust der Schlüssel könnte bei einer notwendigen Sperrung
und Neuzuteilung aufwändig sein - und man muss die Forderungen seitens eBay
auf seine Kunden umlegen. Ein Billing-Mechanismus ließe sich z.B. über einen
Webserver implementieren, bei dem die Desktop Clients ihre API-Nutzungen registrieren.
Einfacher und praktischer ist eine Realisierung als ASP-Modell, wobei die Anwendung
auf dem eigenen Server gehostet wird und damit eine Abrechnungsmöglichkeit gegenüber
den Endnutzern realisiert werden kann. Hier sollte eBay das Lizenzmodell so
erweitern, dass alternativ auch eBay-Benutzer entsprechende Schlüssel erhalten
können und damit die entstehenden Kosten in Rechnung gestellt bekommen.
Ausblick
Mit der geänderten Gebührenstruktur wird die Nutzung des eBay API durchaus erschwinglich
und sicherlich werden mehr und mehr Anwender die Initiative ergreifen und sich
stärker mit ihren Anwendungen in die eBay-Plattform integrieren wollen. Insbesondere
die Integration von Warenwirtschaftssystemen und CRM-Systemen wird in nächster
Zeit ein spannendes Thema werden. Neben der Kernkompetenz der Auktionen entwickelt
sich eBay stark auch im Bereich des Festpreisgeschäfts und mit der Einführung
einer Katalogfunktionalität in Bereichen, die wir vielleicht vor kurzem noch
als eProcurement bezeichnet hätten.
Hervorragende Resonanz für eBay
Interview mit Mico Pütz,
dem Leiter des Entwicklerprogramms bei eBay Deutschland. Wir hatten am Rande
der eBayLive in Berlin die Gelegenheit zu einem Gespräch.

PHP-Magazin:
Herr Pütz, in den USA ist eBay schon seit Ende 2001 auf dem Markt. Wie ist die
Resonanz hier in Deutschland?
Mico Pütz: Das europäische Programm gibt es in seiner jetzigen Form seit Anfang
des Jahres und stößt insbesondere in Deutschland auf eine hervorragende Resonanz.
Mittlerweile beantworten sich die Entwickler viele Fragen auf dem deutschen
Board schon selbst. Circa ein Drittel der Entwickler hat bisher die Zertifizierung
durchlaufen und arbeitet damit aktiv auch auf dem Livesystem. Ungefähr drei
Viertel nutzt dabei den Individual Tier.
PM: Können Sie abschätzen, wie viele PHP-Entwickler
mit dem eBay API arbeiten?
Pütz: Von einigen hundert eingeschriebenen Entwicklern in Deutschland sind etwa
ein gutes Drittel PHP-Entwickler.
PM: Ein SDK gibt es bisher lediglich für .NET, gibt es Pläne, hier auch für
die PHP-Gemeinde etwas Ähnliches anzubieten?
Pütz: PHP ist im Freelancer-Bereich die bedeutendste Webtechnologie und damit
natürlich auch für uns ein spannendes Thema. Wir denken zurzeit intensiv darüber
nach und prüfen, ob wir selbst ein SDK für PHP entwickeln. Wahrscheinlich können
wir schon in Kürze konkretere Aussagen hierzu machen.
PM: Bei jeder Auktion wird doch eine Provision für eBay
fällig, warum stellen Sie dann die Nutzung des API in Rechnung?
Pütz: Das Einstellen von Artikeln ist generell kostenfrei
und für individuelle Anwendungen mit einigen hundert Transaktionen pro Tag stellen
wir ebenfalls keine Gebühren in Rechnung. Bei kommerziellen Anwendungen, die
vielleicht von mehreren tausend Anwendern genutzt werden, brauchen wir zwingend
einen Weg, die Entwickler zur Umsetzung von effizienten Verfahren anzuhalten.
Das erreichen wir durch die aufrufbasierte Abrechnung. Wir arbeiten hier kostendeckend
und ohne Gewinnabsichten; für einen kommerziellen Anwender fallen für die Abwicklung
einer Transaktion Kosten von etwa einem Cent pro Artikel an.
PM: International scheint sich eBay stark im Festpreissegment zu expandieren,
wie sehen die Pläne hier bei uns aus?
Pütz: Festpreisangebote sind seit März 2002 und Auktionen mit Sofort-Kaufen-Option
seit Juni 2001 funktionaler Bestandteil des deutschen Online-Marktplatzes und
finden große Akzeptanz. Letztendlich entscheiden natürlich unsere Nutzer über
das Ausmaß der Verwendung. Beide Angebotsformate sind im Übrigen auch komplett
durch das API abgebildet, sodass es ohne weiteres möglich ist, den eBay-Verkaufskanal
aus einem bestandsführenden System heraus mit Festpreisangeboten zu bestücken.
PM: Welche Tendenzen sehen Sie für die Weiterentwicklung des Programms, welche
Möglichkeiten wird es dort in Zukunft geben, insbesondere für Entwickler hier
in Deutschland?
Pütz: Wir haben hier das Potenzial sicherlich noch nicht annähernd ausgeschöpft.
Die Integration der eBay-Plattform in standardisierten Schnittstellen (wie OpenTrans
oder BMECat) oder auf der Basis von proprietären Systemen ist bis dato noch
nicht vorhanden. Auch die Anbindung an XML-Datenbanken wie Tamino oder Oracle9i
sind sicherlich spannende Themen. Letztlich bietet uns das XML-Format durch
seine einfache Transformation ja einen Weg, die eBay-Plattform in bestehende
Warenwirtschafts- oder Content-Management-Systeme zu integrieren. Ich denke,
die eBay-Geschäftsprozesse stehen bald auch in BPML-modellierter Form in den
IDEs zur Verfügung und ermöglichen dann die Integration und Interoperabilität
einzelner Softwaremodule auf den verschiedenen Prozessstufen.
PM: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Pütz.