Mittwoch, 19. November 2008

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April 2006
aus Linux Enterprise Ausgabe: 01/02.2004
"PHP soll kein zweites Java werden"
Interview mit Brad Young von Zend Technologies
von Nadja Rosmann

Von PHP 5 erwartet sich die PHP-Entwicklergemeinde sehr viel im Hinblick auf die Enterprise-Tauglichkeit der Skriptsprache. Wir sprachen auf der International PHP Conference in Frankfurt mit Brad Young, Director of Product Marketing von Zend Technologies, dem Unternehmen, das mit der Zend Engine an der Kernentwicklung von PHP teilhat, über die Entwicklungsperspektiven von PHP.


Linux Enterprise: Was sind die wichtigsten Meilensteine bei PHP 5?
Brad Young: Es gibt im Prinzip drei Punkte, die die neue Version prägen. Über das neue Objektmodell wurde sicher schon am meisten diskutiert, denn die Objektorientierung bringt mehr Flexibilität und bietet viele gute Ansatzpunkte für Entwickler, die bereits mit anderen objektorientierten Sprachen gearbeitet haben. Die beiden anderen wichtigen Punkte sind die XML-Fähigkeit auf Basis von SimpleXML und die Integration von SQLite. SQLite soll nicht der ultimative Datenbankserver sein. Es soll Entwicklern schlicht helfen, schnell zur Sache zu kommen bei der Implementierung von Datenbankfunktionalität für kleinere und mittlere Websites.

LE: Bisher wird PHP ja vor allem in kleineren und mittleren Anwendungen eingesetzt und dies hauptsächlich von kleineren und mittleren Unternehmen. In welcher Hinsicht muss PHP noch optimiert werden, um für größere Unternehmen mit größeren Applikationsumgebungen eine gute Wahl zu sein?
Young: Ich denke, bei dieser Frage geht es nicht unbedingt um Features. Für größere Unternehmen spielen die Unterstützung durch Hersteller und der Support eine tragende Rolle. Deshalb ist aus der Sicht von Zend auch unser Announcement, das PHP künftig auch auf den Java Web Servern von Sun lauffähig ist, ein großer Schritt. Ein großer Teil der Fortune 1000-Unternehmen arbeitet mit den Solaris-Servern und ist auch nicht bereit, andere Produkte in der DMZ einzusetzen. Die Enterprise-Anwender wissen zwar, dass Apache sehr sicher ist, aber sie wollen dennoch kein Risiko eingehen. Auf der anderen Seite hat man in den Unternehmen das Phänomen, dass immer mehr Entwickler kleinere Anwendungen in PHP implementieren und diese dann auch gerne auf den Unternehmensservern laufen lassen würden.

LE: Liegt das Akzeptanzdefizit bei den großen Unternehmen auch daran, dass es noch nicht viele große Anbieter gibt, die professionelle Unterstützung für PHP bieten?
Young: In dieser Hinsicht tut sich gegenwärtig schon einiges. Adobe ist dabei, PHP in seine Produktlinie zu integrieren. Macromedia bietet PHP-Unterstützung in seinen Produkten. Auch bei Oracle bewegt man sich in Richtung PHP.

LE: Soll PHP eine Enterprise-Sprache wie Java werden?
Young: Nein. Kommen wir noch einmal auf das Objektmodell zurück. Diese Umsetzung macht PHP zu einer Sprache, die im Hinblick auf das Objektmodell sehr ähnlich wie Java ist. Das hat den Vorteil, dass Entwickler, die bereits mit objektorientierten Sprachen arbeiten, sich sehr schnell heimisch fühlen werden und bisherige PHP-Entwickler endlich in den Genuss der Objektorientierung kommen. Aber dennoch bleibt PHP weiterhin eine Skriptsprache. Es ist weder Zends Absicht noch die der PHP-Community, aus PHP ein zweites Java zu machen. PHP muss ja auch nicht überall eingesetzt werden. Ich hätte zum Beispiel große Zweifel, wenn meine Bank plötzlich alle Transaktionen unter PHP laufen lassen würde

LE: Wird das neue Objektmodell die Sprache für Einsteiger nicht zu kompliziert machen? Einer der großen Vorteile von PHP ist ja die relativ niedrige Lernkurve.
Young: Das Objektmodell macht PHP ja noch nicht zu einer objektorientierten Sprache. Wenn man Java lernt, kommt man an der Objektorientierung nicht vorbei. Bei PHP hingegen verändert sich die Architektur der Sprache durch das Objektmodell nicht oder kaum. Wir haben eine Abwärtskompatibilität. Eines der Haupt-Designziele von PHP 5 ist es, die Einfachheit der Sprache zu erhalten.

LE: Die Verfügbarkeit von PHP auf Sun Servern bedeutet zunächst lediglich, dass PHP hier lauffähig ist. Wie sieht es mit Interaktionsmöglichkeiten zwischen Java- und PHP-Programmen aus?
Young: Die Verfügbarkeit ist eine Frage der Produktintegration gewesen. Wir arbeiten mit Sun auch in Standardfragen zusammen. Mit der Java Specification Request-Initiative, die im Sommer ins Leben gerufen wurde und auch von Borland, Apple, Macromedia und MySQL unterstützt wird, wollen wir künftig erreichen, dass PHP mit Java-Objekten interagieren kann.

LE: Wann wird PHP 5 denn für den Einsatz in Produktivsystemen tauglich sein?
Young: Es war schon einmal der Dezember 2003 im Gespräch, aber Sie wissen ja, wie das mit solchen Vorhersagen ist. Ich gehe davon aus, dass wir auf jeden Fall im ersten Quartal 2004 so weit sein werden.

LE: Was glauben Sie, wie lange es dauern wird, bis die ISPs PHP 5 anbieten? Bei Apache 2 hat das ja eine Weile gedauert.
Young: Für Hoster ist es nicht so ein Umstieg wie bei Apache. PHP 5 bietet neue Funktionen, ist aber abwärtskompatibel, sodass sich aus der Perspektive der ISPs nicht viel ändert. Ich denke, wenn die Nachfrage auf Kundenseite vorhanden ist, werden die ISPs sehr schnell PHP 5 anbieten.

LE: Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen über Zend Technologies finden Sie unter www.zend.com. Der aktuelle Entwicklungsstand von PHP lässt sich unter www.php.net/ verfolgen.


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