Donnerstag, 20. November 2008

entwickler.com Magazine Konferenzen Entwickler Akademie Entwickler-Forum Jobbörse Bücher
Software & Support Verlag




April 2006
aus Linux Enterprise Ausgabe: 01/02.2004
"Unsere Entwickler arbeiten auf einem Linux-Grid"
Interview mit Dave Dargo von Oracle
von Nadja Rosmann

Auf der LinuxWorld Conference & Expo in Frankfurt am Main warb Oracle mit einem Unbreakable Linux-Forum einmal mehr massiv für den Linux-Einsatz. Wir sprachen mit Dave Dargo, Vice President Linux Program Office, Oracle Corporation, über die aktuelle Linux- und Grid-Strategie des Unternehmens.


Linux Enterprise: Oracle rührt mit der Unbreakable Linux-Kampagne mächtig die Werbetrommel für Linux. Was hat sich hier in den letzten Monaten getan?
Dave Dargo: Diese Kampagne ist unglaublich erfolgreich. Wir haben mit der Aktion im Juni 2002 im Hinblick auf Red Hat Linux begonnen, im März 2003 sind wir mit SuSE Linux nachgezogen. In dieser Zeit haben wir eine überwältigende Resonanz bei unseren Kunden gesehen, die Oracle auf Linux laufen lassen wollen. Nicht zuletzt große Kunden wie Merill Lynch, Amazon und Dell lassen sehr große Oracle-Systeme auf Linux laufen. Wir selbst sind natürlich auch ein großer Nutzer unserer Linux-Angebote. Unsere Entwicklungsabteilung wurde vollständig auf Linux-Systeme umgestellt. Die Unbreakable Linux-Kampagne richtet sich nicht nur nach außen an unsere Kunden, sondern hat ihre Identität auch in unserem Unternehmen gefunden.

LE: Wie hoch ist denn der Anteil Ihrer Linux-Kunden im Vergleich zu den anderen Betriebssystemen?
Dargo: Direkte Zahlen haben wir nicht, da unsere Lizenzen nicht an das Betriebssystem gebunden sind. Aber wir haben indirekte Indikatoren. Beispielsweise deployen 75 Prozent unserer Collaboration Suite-Kunden auf Linux. Von unseren 400 größten RAC (Real Application Clusters)-Kunden setzen 15 Prozent Linux ein.

LE: Ist Linux im Hinblick auf Clustering besser geeignet als andere Betriebssysteme?
Dargo: Das ist nicht wirklich die Frage. Unsere Software verhält sich auf allen Plattformen gleich. Aber Linux ist attraktiver, weil man sehr viel mit geringen Hardware-Ressourcen erreichen kann. Bei den großen Unix-Maschinen mit 32 oder 64 Prozessoren stellt sich für Kunden nicht unbedingt die Frage, diese in einem Cluster verbinden zu wollen. Aber für preisgünstige Intel-Maschinen ist das fast schon eine natürliche Wahl.

LE: Wo sehen Sie die speziellen Stärken von Linux im Enterprise-Einsatz?
Dargo: Jahrelang war es ein gängiges Paradigma für IT-Infrastrukturen, dass große Server für jeweils spezielle Ausgaben eingerichtet wurden. Das hat sich in der letzten Zeit deutlich geändert. Heute werden sehr oft kleinere Server zu Grids verbunden, die sehr flexibel anfallende Aufgaben bewältigen können. Die Server-Ressourcen lassen sich so optimaler nutzen und leichter für verschiedene Aufgaben anpassen.

LE: Sehen Sie Unterschiede in der Linux-Verbreitung, wenn Sie den amerikanischen Markt mit dem europäischen vergleichen?
Dargo: Was den Enterprise-Support angeht, zeigt sich der nordamerikanische Markt deutlich aggressiver als der europäische. In Europa und hier speziell in Deutschland tut sich dafür deutlich mehr auf dem Desktop. Aber diese verschiedenen Szenarien befruchten sich auch gegenseitig.

LE: Auf dem Datenbankenmarkt tut sich ja im Moment auch einiges. MySQL AB ist ja sehr energisch dabei, seine Datenbank für den Unternehmenseinsatz aufzurüsten. Sehen Sie hier eine Konkurrenz für Oracle heranwachsen?
Dargo: Der Fall MySQL ist sehr interessant. Viele Leute fragen uns, ob MySQL für Oracle dieselbe Herausforderung darstellt wie Linux für Microsoft. Aus unserer Sicht stellt sich das völlig anders dar, denn Oracle hat deutlich mehr zu bieten als eine SQL-Datenbank. Wir haben in unserem Portfolio Infrastrukturlösungen, Angebote für das Grid Computing und vieles mehr. Wenn wir sagen, dass MySQL hinter unseren Technologien, was die Entwicklung angeht, sechs, zehn oder sogar 15 Jahre hinterher hinkt, hören wir dann als Antwort, dass Microsoft dass zu Linux auch gesagt hätte. Ich denke, man muss vor allem sehen, dass wir verschiedene Märkte bedienen. MySQL ist eine Datenbank und kein System oder eine Philosophie für IT-Infrastrukturen. Oracle dagegen ist deutlich mehr als nur eine Datenbank. Wir bieten eine komplette Methodologie für Infrastrukturen. Wir sprechen darüber, wie man komplexe Infrastrukturen managt und wie man die Kosten im Enterprise Computing reduzieren kann.

LE: Lassen Sie uns noch ein wenig über Strategien sprechen. Was steckt hinter der neuen 10g-Produktlinie?
Dargo: Die Grundstrategie ist hier, mit geringeren Computing-Ressourcen auszukommen. Es geht um Standardisierung von Infrastrukturen und um Konsolidierung. Wenn Sie sich beispielsweise Systeme für die Abwicklung von Gehaltszahlungen ansehen, dann sind diese nur in speziellen Zeiten wirklich ausgelastet, nämlich dann, wenn die Zahlungen gemacht werden. Mit der 10g-Strategie wollen wir dahin kommen, dass Unternehmen ihre gesamten Ressourcen für alle anfallenden Aufgaben verwenden können. Das wird die Gesamtkosten reduzieren und mehr Effizienz bringen. Linux passt in diese Strategie natürlich sehr gut hinein, da es hier nicht zuletzt um den Einsatz günstiger Intel-Hardware geht. Wir selbst gehen natürlich mit gutem Beispiel voran. Ein Teil unsere Entwicklungsteams, das sind derzeit 5.000 Entwickler, arbeiten in einer Grid-Umgebung unter Linux.

LE: Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie unter www.oracle.com/.


    Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann abonnieren Sie das Entwickler Magazin direkt über unser Online-Formular.

zur vorherigen Seite
zurück
an den Anfang der Seite
nach oben
Diesen Artikel drucken
drucken
Diesen Artikel weiterempfehlen
empfehlen

Software & Support Verlag GmbH