Suse Linux soll weltweit die Nr. 1 werden. Die Übernahme von SuSE durch Novell war das Linux-Highlight kurz vor Jahresende. Wir sprachen mit Michael Naunheim, Director Solutions Marketing Nterprise EMEA von Novell, und Christian Egle, Director Media Relations Suse Linux AG, über die künftigen Perspektiven, die sich aus dem Deal für die bisherige Suse-Produktlinie sowie für Novells Linux-Pläne ergeben.
Linux Enterprise: Was erwartet sich Novell von der Suse-Akquisition?
Michael Naunheim: Mit der Akquisition von Suse verstärkt Novell deutlich seine Position im Open-Source und Linux Markt. Suse Linux ist die Nummer Eins im europäischen Markt - unser Ziel ist es, weltweit die Nummer Eins zu werden. Novell kann seinen Kunden heute ein komplettes Lösungsangebot rund um Linux bieten. Dazu gehören unter anderem Server, ein Desktop mit Officelösung, eine Systemmanagementlösung, eine standardbasierende Entwicklungsumgebung sowie Sicherheits- und Collaboration-Lösungen. Ergänzt wird dieses Angebot durch professionelle Services wie Consulting, Support und Training, die den Einsatz von Linux in den Unternehmen zu einer echten Alternative machen.
LE: Wo sehen Sie die Chancen für eine weitere Entwicklung von Suse, die ohne die Übernahme durch Novell nicht gegeben gewesen wären?
Naunheim: Durch das Zusammengehen mit einem starken Unternehmen wie Novell kann Suse die Verbreitung seiner Lösungen weltweit weiter stärken. Die Kombination der beiden Unternehmen, starke Marktpositionen sowie ein globales dichtes Partnernetzwerk machen Novell und Suse zu einer exzellenten strategischen Wahl rund um Linux und Linux-basierende Services, für Kunden und für Partner.
LE: Welche strukturellen Veränderungen bringt die Übernahme für Suse?
Naunheim: Da der Kauf von Suse voraussichtlich erst Ende Januar abgeschlossen sein wird, kann hier noch keine genaue Information erfolgen. Es ist geplant, Suse als eine eigenständige Novell Product Division in das Unternehmen einzugliedern.
LE: Wie wollen Sie das Suse-Produktportfolio weiterentwickeln? Und wie sieht vor diesem Hintergrund die Zukunft von NetWare aus?
Naunheim: Auch bezüglich detaillierter Produktroadmaps dürfen wir zur Zeit keine Angaben machen. Jedoch sind die Produktangebote beider Unternehmen komplementär zu sehen und ergänzen sich sehr gut. Die Kombination von Suse Linux fortschrittlicher Technologie mit Novell Technologien, Produkten und Services wird es Kunden einfacher machen, Linux auch in unternehmenskritischen Bereichen einzusetzen. Mit der Einführung von NetWare 6.5 in den Markt ist NetWare nicht mehr als reines Netzwerkbetriebssystem zu sehen, sondern als eine Suite von Netzwerkdiensten, die plattformübergreifend zur Verfügung stehen. Novell Nterprise Linux Services 1.0 ist der erste Meilenstein auf dem Weg zu NetWare 7. Mit NetWare 7 geben wir dem Kunden die Flexibilität und Wahlfreiheit, NetWare-Dienste auf dem traditionellen NetWare-Kernel oder/und Linux einzusetzen.
LE: Was wird aus der UnitedLinux-Allianz? Wird sie weitergeführt oder wollen Sie Suse wieder zum reinen Solo-Player machen, sodass es darauf hinausläuft, dass Suse und Red Hat künftig die einzigen ernstzunehmenden Linux-Anbieter sein werden?
Christian Egle: UnitedLinux 1.0, das Suse im November 2002 veröffentlicht hat, ist das Ergebnis einer Entwicklungspartnerschaft zwischen Conectiva, SCO, Suse und Turbolinux. Eine Verlängerung der Entwicklungspartnerschaft darüber hinaus ist nicht geplant. Für die Novell- und Suse-Kunden und Partner ändert sich damit jedoch nichts. Alle Verpflichtungen, die Suse ihren Kunden und Partnern gegenüber eingegangen sind, bleiben unverändert bestehen. Suse wird für den Suse Linux Enterprise Server powered by UnitedLinux 1.0 Systempflege für die Dauer von fünf Jahren leisten. UnitedLinux wurde mit dem Ziel gegründet, Anwendern sowie Hard- und Softwareanbietern ein einheitliches Linux-Betriebssystem für den Unternehmenseinsatz zur Verfügung zu stellen. Mit der Unterstützung und der Verstärkung durch Novell werden wir auf diesem Weg weitergehen und Linux zur Plattform der Wahl für jedermann machen.
LE: SCO hat ja auch einen Spagat zwischen Linux und dem eigenen proprietären UnixWare versucht und war damit nicht sonderlich erfolgreich. Sehen Sie Novell nicht in einer ähnlichen Gefahr?
Naunheim: Nein, diese Gefahr sehen wir nicht. Es handelt sich hier um Netzwerkdienste und nicht um eine Frage der Betriebssysteme.
LE: Welche Linux-Aktivitäten sind von Novell im Laufe des Jahres 2004 zu erwarten?
Naunheim: Im Jahre 2003 hat Novell durch seine Ankündigungen sehr schnell eine Stellung als Key-Player im Linux-Markt gewonnen. Dies wird durch eine Reihe von Produkteinführungen im Jahr 2004 verstärkt, so zum Beispiel neue Suse Linux-Pakete auf Basis des neuen Linux-Kernels 2.6., die Nterprise Linux Services 2.0, die Collaborationlösung GroupWise on Linux, Erweiterungen des Ximian Desktops sowie exteNd auf Linux.
LE: Vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Informationen finden Sie unter www.novell.de/ und unter www.suse.de/.