Der Kernel 2.6 bietet erweiterte SkalierbarkeitLinux hat in den letzten Jahren im Embedded-Sektor einen wahren Siegeszug angetreten. Wir sprachen mit Jacob Lehrbaum, Product Marketing Manager für den Bereich Professional Edition and Developer Environment bei Monta Vista Software, über die Marktpotenziale von Embedded Linux und über die Strategien von Monta Vista.
Linux Enterprise: Welche technologischen Verbesserungen bringt die neue Professional Edition 3.1 von MontaVista? Was hat sich in den Bereichen Echtzeitfähigkeit und Networking getan?
Jacob Lehrbaum: Die MontaVista Linux Professional Edition 3.1 liefert für Hersteller von Embedded-Systemen eine Reihe technlogischer Erweiterungen auf der Core-Systemsoftwareebene, darunter Netzwerk- und Echtzeitfunktionen. Mit Pro 3.1 profitieren Entwickler von einer vorschriftsgemäßen Implementierung von IPv6 sowie von einem neuen Echtzeit-Scheduler und hochauflösenden POSIX-Timer. Die IPv6-Netzwerkspezifikation wurde dafür entwickelt, die enorm gewachsene Zahl vernetzter Geräte in Einklang zu bringen. IPv6 bietet eine Vielzahl an Funktionen, die vor zwanzig Jahren noch nicht als notwendig betrachtet wurden, als die v4-Spezifikation verfasst wurde. Der neue O(1)-Echtzeit-Scheduler verfügt über eine konfigurierbare Anzahl von Prioritäten, ist hochskalierbar und versetzt Entwickler in einem Multiprozessorsystem in die Lage, Prozesse einer spezifischen CPU zuordnen zu können. Die hochauflösenden MontaVista POSIX-Timer verleihen den Entwicklern eine verbesserte Leistungskontrolle ihrer Echtzeit-applikationen, indem sie die Standard-Linux-Timer-Auflösung von zehn Millisekunden auf die Mikrosekundenebene senken.
LE: Sie unterstützen gegenwärtig den Linux-Kernel 2.4.20. Wann rechnen Sie mit der Umstellung auf Kernel 2.6? Und welche Entwicklungen sind hiervon zu erwarten?
Lehrbaum: MontaVista liefert bereits viele der wichtigsten Verbesserungen, die Entwickler sich von dem 2.6-Kernel erwarten. Unsere preemptive Kernel-Technologie und der O(1)-Echtzeit-Scheduler sind zwei wichtige Verbesserungen des 2.6-Kernels, ebenso die erweiterte IPv6-Technologie, die mit der Pro 3.1 vorgestellt wurde. Zusätzlich hat MontaVista die Unterstützung für USB-Host-Systeme über das, was in der 2.4-Linie geboten wird hinaus ausgebaut. Die besonderen Vorteile eines 2.6-basierten Produkts sind die erweiterte Netzwerkleistung aufgrund einer Vielzahl neuer Technologien, die die bereits führenden Leistungseigenschaften von Linux noch verbessern. Des weiteren die Unterstützung für POSIX-Threads (NPTL), um die Portabilität vorhandener Systeme zu fördern und dem System zu ermöglichen, mit einer hohen Anzahl von Threads umzugehen. Für Firmen, die Systeme für Highend-Infrastrukturen erstellen, bietet der 2.6-Kernel erweiterte Skalierbarkeit und die Möglichkeit, Systeme mit Dutzenden von Prozessoren zu adressieren.
LE: Das neue Release beinhaltet auch die Entwicklungsumgebung DevRocket. Welche Funktionalitäten werden hier geboten?
Lehrbaum: MontaVista DevRocket ist eine integrierte Entwicklungsumgebung, die für die Entwicklung von System- und Applikationssoftware konzipiert wurde. DevRocket bietet eine Fülle von Standard-IDE-Funktionen und Projekt-Wizards sowie Analyse- und Optimierungsmöglichkeiten. MontaVista DevRocket, das auf der Eclipse-Technologie aufsetzt, liefert den Entwicklern Tools, um die nächste Generation intelligenter Geräte zu entwickeln. DevRocket-Projekt-Wizards versetzen Entwickler in die Lage, schnell eine Vielzahl von Softwarekomponenten zu erstellen und sich auf die Differenzierung ihrer Applikation zu fokussieren. Es bietet volle Unterstützung für plattformübergreifende Entwicklung und integriert über 30 verschiedene Tool-Familien, die die sieben wichtigsten Prozessorarchitekturen abdecken. Es verfügt über ein grafisches Interface, aber beinhaltet auch einen optionalen Zugang zur Kommandozeile für Firmen, die Skript-basierende Generierungsprozesse oder ferngesteuerte Entwicklungsmöglichkeiten benötigen. Ebenfalls enthalten sind einfach zu handhabende Projekt-Wizards, um vorhandene Projekte zu importieren, statische und gemeinsam genutzte Bibliotheken aufzubauen sowie C- und C++-Applikationen zu erstellen. Des weiteren bietet es einen leistungsfähigen Wizard, der den Aufbauprozess fertig einsetzbarer Plattform-Images automatisiert.
LE: DevRocket basiert auf der Eclipse-Plattform. Welche Vorteile bringt das für MontaVista aus Entwicklungssicht und welche Vorteile haben die Anwender?
Lehrbaum: MontaVista sieht die Eclipse-Technologie als Schlüsselelement zur Erstellung erfolgreicher Entwicklungstools. In einem sehr fragmentierten Markt wie dem Embedded-Bereich werden Entwickler mit einer breiten Palette von proprietären, inkompatiblen Lösungen konfrontiert. Dies schwächt die Produktivität und kostet Zeit bei der Markteinführung. Eclipse ist eine Anwender-neutrale Technologie, die es Unternehmen ermöglicht, zueinander passende Angebote zu machen, die eine vertraute Oberfläche und Handhabung aufweisen. Aufgrund der Eigendynamik, die Eclipse gerade erfährt und über die nächsten zwei Jahre noch weiter erfahren wird, wird diese Technologie zur ersten Wahl für Entwickler avancieren und für Software-Anbieter, wenn sie Plug-Ins erstellen. Durch die Unterstützung von Eclipse in ihren Produktstrategien profitieren die Firmen zudem von den Bemühungen Tausender Entwickler rund um die Welt. Eclipse wird effektiv eine Trennung in der Industrie zwischen proprietären und offenen Tools herbeiführen. Diese Aufteilung ist vergleichbar mit dem, was heute im Betriebssystembereich passiert. Firmen, die einen proprietären Ansatz wählen, haben große Nachteile, wenn man an Produktfunktionen, Entwicklungskosten und zugängliche Nutzerdatenbank denkt.
LE: Mit DevRocket wird nun auch Windows als Host-Plattform unterstützt. Welchen Stellenwert hat das Cross-Development aus Ihrer Sicht?
Lehrbaum: Linux wurde ursprünglich als Betriebssystem für Workstations bzw. Server entwickelt und nicht für den Einsatz in einer plattformübergreifenden Embedded-Entwicklungsumgebung. Der erste Schritt, um Linux für die Verwendung in Embedded-Applikationen geeignet zu machen, war die Kreierung eines plattformübergreifenden Musterbeispiels. Frühe Anwender von Embedded Linux waren häufig Technologie-Enthusiasten, die an Linux als Technologie glaubten und die deshalb eher bereit waren, es auch auf ihren Entwicklungs-Workstations einzusetzen. Als Linux ein allgemein anerkanntes Betriebssystem wurde, zeigten mehr und mehr Entwickler Interesse an plattformübergreifender Entwicklung von einer Windows- Plattform aus. Die Mehrheit der Entwickler im Embedded-Bereich verwendet Microsoft-Betriebssysteme als Workstation-Plattform, obwohl eine wachsende Zahl sich für Linux entscheidet. MontaVista bietet Entwicklern die Flexibilität, von einer Reihe von Standardplattformen aus, darunter Linux, Solaris und Windows, ihre Designs durchzuführen. Die Tatsache, dass Linux in die Zielapplikation integriert werden sollte, hatte als Begründung nicht genügt, die Entwickler zu veranlassen, die Umgebung ihrer Wahl zu wechseln.
LE: Was sind gegenwärtig die wichtigsten Trends im Embedded-Bereich? Wie reagiert MontaVista auf diese Entwicklungen?
Lehrbaum: Es gibt viele Trends, die die Embedded-Entwicklung momentan vorantreiben. Die Embedded-Systeme werden heutzutage immer komplexer, beinhalten Netzwerkfähigkeit, umfangreiche Software-Stacks und eine Vielzahl an Hardware-Komponenten. Parallel zu den komplexer werdenden Systemen steigt der Druck, die Kosten zu verringern und die Markteinführungsfrist mehr denn je zu reduzieren. Unsere Tools versetzen Entwickler in die Lage, anspruchsvolle Embedded-Systeme in kürzerer Zeit zu entwickeln und sie bieten Analyse-und Optimierungs-Möglichkeiten. Zudem bietet MontaVista als Ergänzung einsatzbereite Softwarekomponenten und arbeitet mit einer großen Anzahl von Software-Partnern zusammen, um durch den Einsatz vorgefertigter und bereits validierter Komponenten die Generierung komplexer Software-Stacks zu erleichtern. Die modernen Betriebssystem-Eigenschaften im Linux-Kernel eignen sich sehr gut für eine breite Palette an Embedded-Applikationen. Hersteller von Embedded-Systemen können so ihre Vorgaben erfüllen, während sie sich in aggressiven Projekt-Zeitrahmen bewegen.
LE: Vielen Dank für das Gespräch.
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