In kaum einem anderen Bereich sind die Anstrengungen so groß, dem Software-Riesen Microsoft Marktanteile abzunehmen, wie bei der Office-Software. An der Funktionalität liegt es inzwischen nicht mehr, wenn sich ein Unternehmen für Microsoft-Produkte entscheidet, eher an Unwissenheit, da sich die Linux-Lösungen gegenüber den Microsoft-Produkten sehr gut behaupten können.
Forderungen
Die wichtigste Forderung für den Einsatz von Office-Suiten lautet Kompatibilität. Schließlich findet Büroarbeit nicht im Linux-Elfenbeinturm statt, sondern geschaffene Werke verlassen per Internet schnell den eigenen Wirkkreis und müssen von Windows-Anwendern, die eindeutig die Mehrheit stellen, lesbar sein. Auch der umgekehrte Weg ist dabei natürlich notwendig.
Eine weitere Forderung ist die nach fortschrittlicher Ergonomie. Dies bedeutet nicht nur die Bedienung innerhalb des Programms, sondern kann kaum separat von MS Office betrachtet werden, da die meisten Bildschirmarbeiter die Arbeit mit den entsprechenden Programmen gewohnt sind und daher eine zumindest ähnliche Bedienung erwarten.
Eine dritte, für den reinen Anwender nicht unwichtige Forderung, ist die nach einer guten Integration in das Betriebssystem, damit aufwändige Konfigurationen und komplizierte Kopiervorgänge und Datei-Verschiebereien unterbleiben können.
Die von uns in Augenschein genommenen Produkte erfüllen die oben genannten Kriterien gut, zum Teil sogar sehr gut. In einigen Bereichen übertreffen sie sogar ihr Vorbild, so ist zum Beispiel die Textverarbeitung von StarOffice und OpenOffice deutlich besser für längere Texte geeignet als Word. Doch gerade beim Im- und Export unterscheiden sich die Produkte zum Teil erheblich.
OpenOffice 1.1
Die beiden Geschwister OpenOffice und StarOffice, über das wir im nächsten Abschnitt berichten, haben eine sehr bewegte und alles andere als gradlinige Entwicklung hinter sich. Zunächst in Hamburg als kostengünstige MS Office-Alternative entwickelt, wurde die Firma Star Division von Sun übernommen. Eine Weiterentwicklung wurde lange angekündigt und verlief sehr schleppend. Die StarOffice 5.x-Versionen wurden dann in vielen Linux-Distributionen kostenlos mitgeliefert, um nicht vergessen zu werden. Zwischenzeitlich wurden die Quellen von StarOffice offengelegt, da Sun hoffte, die Entwicklung damit zu forcieren. Ein völlig neuer Unterbau brachte erneut Verzögerungen und so kam die erste Version von OpenOffice erst recht spät zum Anwender. Inzwischen ist das System sehr stabil, mit allen notwendigen Features versehen und in Version 1.1 aktuell.
OpenOffice ist nicht nur in einer Linux-Version erhältlich, sondern steht auch für Windows und andere Unix-basierte Systeme zur Verfügung. Dies macht den Einsatz in gemischten Betriebssystemumgebungen besonders sinnvoll. Gerade hier kommt es auch auf eine gute Austauschbarkeit der Dokumente zwischen verschiedenen Office-Programmen an. OpenOffice zeigt sich in dieser Hinsicht nahezu perfekt. Der Austausch von Textdokumenten zwischen Word und OpenOffice Write funktioniert sehr gut, auch lange Dokumente behalten ihre Form und die Textformatierungen bleiben erhalten, eine kleine Einschränkung gibt es, wenn Formatvorlagen und manuelle Formatierungen gemischt werden, hier werden zum Teil nur die übergeordneten Formatvorlagen übernommen. Das soll aber mehr ein Aufruf zu sauberer Formatierung als eine Kritik an OpenOffice sein, da das Problem auch in anderer Richtung auftritt!

Längere Texte mit sauberer Absatzformatierung werden in OpenOffice problemlos importiert. Die Bearbeitung der Texte ist einfach und logisch aufgebaut. Auffällig sind die Schwächen der Rechtschreibhilfe in der Groß- und Kleinschreibung.

Excel-Tabellen importiert OpenOffice korrekt, sofern nicht all zu spezielle Funktionen Verwendung finden. Die Gestaltung von Tabellen geht leicht von der Hand, häufig genutzte Formate wie Währungen oder Rundungen stehen per Mausklick zur Verfügung.

Gelegentlich hat OpenOffice Probleme bei der Darstellung von Sonderzeichen. Dieser Fehler tritt bei kleinen Schriftgrößen oder kleiner Bildschirmdarstellung auf. Ein Einzoomen in die Anzeige hilft dagegen.
Die Arbeit an eigenen Dokumenten geht mit OpenOffice gut von der Hand. Kurze Texte wie Briefe sind schnell erstellt und ansprechend formatiert. Für längere Texte eignet sich das Programm deutlich besser als die Konkurrenz. Es ist insgesamt etwas stabiler und bei Änderungen am Text wird nicht stets das gesamte Dokument verunstaltet. Das Programm setzt sich noch einmal positiv ab, wenn es darum geht, verschachtelte, nummerierte Überschriften zu generieren, sowie bei der Verwaltung von Inhalts- und Stichwortverzeichnissen. Für diese Punkte stehen komfortable Werkzeuge zur Verfügung. Um in langen Dokumenten die Übersicht zu behalten, steht die Gliederungsansicht, ein komfortabler Navigator, zur Verfügung. Dokumente, die unterschiedliche Objekte enthalten, also neben Text zum Beispiel Bilder und Tabellen, lassen sich gut erstellen, da der Einsatz von Rahmen vorgesehen ist. Somit lassen sich auch Layout-Aufgaben erledigen, wobei fertige Vorlagen für Broschüren und ähnliches zusätzlich zur Verfügung stehen.
Das zweite oft genutzte Programm im Büroalltag ist die Tabellenkalkulation. Das in OpenOffice schlicht Calc genannte Modul ist für nahezu alle Aufgaben geeignet und bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie Excel. Der Import von Excel-Dokumenten gestaltet sich aber etwas schwieriger als bei Text-Dokumenten, da einige Funktionen nicht vorhanden oder etwas anders definiert sind. Bei den meisten Standard-Dokumenten gibt es aber keine Probleme. Neben einfachen mathematischen Funktionen und diversen Verknüpfungen gibt es zum Beispiel auch einen Szenarien-Manager, mit dem der Anwender Tabellen erstellen kann, die veränderliche Daten enthalten. Je nach Zustand der Ausgangszahlen werden Tabelleneinträge anders dargestellt, umsortiert und hervorgehoben. Tabellen lassen sich nach ihrer Fertigstellung bequem als Übersichtsgrafik darstellen, dazu dient wiederum ein Assistent.
Die mit Calc erstellten Grafiken bieten eine hervorragende Grundlage für das Präsentationsprogramm Impress, welches ebenfalls Bestandteil der Suite ist. Mit Impress lassen sich auf einfache Weise gelungene Präsentationen erstellen, die PowerPoint praktisch in nichts nachstehen. Zwei Einschränkungen muss man jedoch machen. Zum einen gibt es keine Möglichkeiten zur synchronen Nachvertonung. Zum anderen benötigt der Anwender stets die umfangreiche Vollversion der Software, da ein Standalone-Player derzeit weder verfügbar noch in Planung ist. Dafür kann Impress einmal erstellte Präsentationen als HTML- oder Flash-Dateien exportieren, um sie im Internet zu präsentieren, nahezu ideal für Firmenpräsentationen. Eventuelle Überblendeffekte gehen beim HTML-Export freilich verloren.
Eher ein Schattendasein führt das Modul Draw, obwohl es einige Funktionen beinhaltet, die es zum fast perfekten Mitarbeiter für Präsentationen machen, so zum Beispiel die Verknüpfungspalette, aber auch die schnelle Erstellung von einfachen 3D-Objekten.
Mit diesen Bestandteilen ist OpenOffice bestens für den professionellen Büroeinsatz gerüstet. Dem Gesamtpaket stehen zudem noch einige Features für den Datenaustausch zur Verfügung. Der Assistent, der bei der Erstbenutzung aktiviert wird, bietet die Möglichkeit, auf dem System vorhandene Datenquellen innerhalb der Suite zu nutzen. Zur Verfügung steht unter anderem die Benutzung der Mozilla-Ressourcen, des LDAP-Verzeichnisses und anderer Quellen, bei denen der Anwender auf korrekte Ansprache selber achten muss. ODBC- und JDBC-Quellen können über das Database-Tool ebenfalls direkt genutzt werden. Weiterhin steht für das gesamte Paket ein PDF-Export zur Verfügung, der den Datenaustausch erleichtert. Diverse Im- und Exportfilter sorgen dafür, dass keinerlei Schranken im Büro bestehen müssen.
Insgesamt ist OpenOffice sehr gut in der Handhabung, versteht sich mit fast allen externen Programmen und bietet eine sehr gute Funktionsausstattung.
StarOffice 7
Sämtliche Funktionen, die OpenOffice bietet, stehen auch in StarOffice zur Verfügung. In einigen Punkten unterscheidet sich die kommerzielle Variante (UVP: 89,95 Euro) jedoch von der Open Source-Suite. Ein ganz wichtiger Punkt, der im professionellen Einsatz eventuell zu einer Entscheidung beitragen muss, ist die Rechtschreibhilfe. Störend ist dabei nicht, dass diese in OpenOffice für die jeweilige Landessprache separat nachinstalliert werden muss, dies ist schließlich nur ein einmaliger, noch dazu Assistenten-geführter Vorgang. Vielmehr bietet StarOffice eine deutlich bessere Rechtschreibprüfung mit aktuelleren Wörterbüchern. Am auffälligsten ist dies bei zusammengesetzten Wörtern, die in OpenOffice nahezu ausnahmslos angestrichen werden.
Des weiteren bringt StarOffice zahlreiche Schriften und Vorlagen für alle Programmteile mit, die in der freien Version fehlen. Auf die in StarOffice integrierte Datenbank Adabas können die meisten Anwender dagegen verzichten, ist sie doch in der Handhabung nicht ganz einfach und wird deswegen häufig durch Alternativen ersetzt. Für einfache Adressbücher und ähnliche Anwendungen gibt es unter Linux ohnehin jede Menge Alternativen.
Als weitere nette Dreingabe, vor allem für Einsteiger, bietet StarOffice neben einem ausführlichen Handbuch auch einen kostenlosen 60 Tage-Support an, der Anfängern über erste Klippen hinweg hilft, die aber glücklicher Weise die Ausnahme sind.
Ob die Ausgaben von ca. 90 Euro für StarOffice notwendig sind oder ob die kostenlose OpenOffice-Variante ausreicht, muss der Anwender selber entscheiden. Neben dem Handbuch, das für Neueinsteiger interessant sein kann, bieten die bessere Rechtschreibhilfe und zahlreiche zusätzliche Schriften und Vorlagen durchaus einen Mehrwert, der die Kaufentscheidung beeinflussen kann.
KOffice
KOffice stammt aus den Entwickler-Kreisen des KDE-Projektes und bietet eine entsprechend gute Integration in den KDE-Desktop. KOffice besteht aus einer Reihe von Programmen, die separat entwickelt werden und die mühevoll unter ein gemeinsames Dach gebracht wurden. Als wichtigste Bestandteile gelten auch hier die Programme KWord (Textverarbeitung), die Tabellenkalkulation KSpread und das Präsentationsprogramm KPresenter.

Mit KSpread lassen sich schnell ansprechende Tabellen realisieren. Das neue Design erhöht dabei die Übersicht und Wiedererkennung. Erklärungen zu den einzelnen Funktionen helfen dem Einsteiger.

KPresenter, hier innerhalb des Koffice-Arbeitsplatzes, bietet einige gute Vorlagen für ansprechende Präsentationen. Die Bedienung ist logisch und erlaubt eine schnelle Arbeitsweise.
Das größte Manko der KOffice-Sammlung wird jeder Anwender sofort bemerken, wenn er aufwändige Dokumente aus MS Office importieren möchte. Ist ein Import von gewöhnlichen MS Word-Dokumenten zumeist problemlos möglich, scheitert der Importfilter bei aufwändigeren Formatierungen und neueren Formaten als Office97. Der Import von Excel-Dokumenten sieht nicht besser aus, fehlen doch in KSpread zahlreiche Formeln, lediglich reine Zahlenwerke werden in Form von CSV-Dateien korrekt übernommen. Ein Import von Powerpoint-Dateien verbietet sich derzeit auf Grund völlig unzureichender Unterstützung. Aber auch die Export-Funktionen nach MS Office sind praktisch nicht vorhanden, hier kann man nur auf Ausweichformate setzen. Im Falle von Word zum Beispiel das RTF-Format, das aber nicht alle Formatierungen der beiden Programme kennt. Generell ist von Export-Versuchen jedoch abzuraten. Nähere Informationen zu den Filterfunktionen stellen die Entwickler unter www.koffice.org/filters/ bereit.
Kommen wir aber zu den eigentlichen Programmen und ihrer Nutzung zurück. KWord wartet im Vergleich zu anderen Textverarbeitungen mit einer Überraschung auf, das Programm ist rahmenorientiert. Dies fällt dem Benutzer allerdings nicht sofort auf, da ein neu angelegtes Dokument automatisch einen Textrahmen in voller Seitengröße anlegt. Während bei anderen Programmen der Rahmen als optionales Hilfsmittel für das Layout zur Verfügung steht, muss der Anwender in KWord damit arbeiten. Die Vorteile dieses Konzeptes zeigen sich aber relativ schnell, da sich Briefe mit Standard Briefkopf und einem separaten Anschriftenfeld so sehr schnell anlegen lassen. Überhaupt hilft die Arbeitsweise beim Layouten von Druckdokumenten sehr.
Für die üblichen Schreibarbeiten stellt KWord alle notwendigen Werkzeuge bereit. Unter der angenehm aufgewerteten Oberfläche bietet es darüber hinaus auch Werkzeuge für größere Dokumente wie die Verwaltung von Fußnoten, unterschiedliche Kopf- und Fußzeilen auf den ersten und den Folgeseiten. Es stehen verschiedene Formatierungsmöglichkeiten zur Verfügung, die abschnittweise oder global in den hier Styles genannten Formatvorlagen beherbergt werden können.
Die Möglichkeiten der Autokorrektur fallen in KWord gegenüber OpenOffice bzw. StarOffice leider deutlich ab, obwohl das recht bekannte Ispell-System zur Verwendung kommt. Der Anwender kann sich darauf nicht mit hundertprozentiger Sicherheit verlassen.
KSpread, die Tabellenkalkulation des KDE-Projektes ist, ebenso wie KWord, für den Alltagsgebrauch bereits gut ausgestattet. Allerdings gelten auch die gleichen Einschränkungen wie bei der Textverarbeitung. Für regelmäßig anfallende Aufgaben im Haushalt oder dem Büro sind die wesentlichen Funktionen enthalten. Neue Tabellen lassen sich leicht anlegen und auch mehrere Tabellen innerhalb eines Dokumentes sind schnell erstellt. Der Umfang an komplexen Berechnungen ist in KSpread deutlich geringer als in MS Excel, aber die gängigen Formeln sind natürlich vorhanden, seien es nun mathematische, finanztechnische oder statistische Funktionen. Für eine schnelle Eingabe großer Datenmengen stehen Validitätsprüfungen zur Verfügung und in großen Tabellen sorgen zustandsabhängige Formatierungen für Übersicht. Innerhalb von KSpread lassen sich problemlos externe Daten wie Grafiken oder Bilder verwenden. Grafische Auswertungen von Tabellen lassen sich dabei sowohl innerhalb von KSpread (für einfache Grafiken) oder extern mit Hilfe von KChart erstellen. Um exakte Formeldarstellung kümmert sich das Programm KFormula, dessen Daten ebenfalls in KSpread übernommen werden können.
Der KPresenter bietet die Möglichkeit, schnell und mit wenig Einarbeitungszeit ansprechende Präsentationen zu erstellen. Die grafischen Möglichkeiten sind für normale Präsentationen völlig ausreichend. Unschön ist hingegen die Tatsache, dass sich Präsentationen nicht nach MS Powerpoint exportieren lassen. So bleibt als Austauschformat lediglich der inzwischen integrierte HTML-Export.
Eine Reihe kleinerer Programme ergänzt das Portfolio von KOffice, so zum Beispiel das Programm Kivio zur Visualisierung von technischen Sachverhalten, oder Karbon14 zur Erstellung von Vektorgrafiken. Andere Projekte sind noch mitten in der Entwicklung und kaum für die Produktion geeignet wie zum Beispiel Krita, das Pixel-basierte Zeichenprogramm, das in Version 1.3 integriert sein soll, KPlato eine Projekt-Management-Software, oder Kexi, das Programm zum Datenbank-Management.
Grundlegender Mangel des Koffice-Paketes ist derzeit noch die etwas geringe Unterstützung des Dokumenten-Austausches mit Fremdprodukten. Wer darauf nicht angewiesen ist, erhält gerade mit den drei Hauptprogrammen KWord, KSpread und KPresenter drei Programme an die Hand, die für nahezu alle Standardaufgaben geeignet und zudem leicht zu beherrschen sind.
Gnome Office
Noch mehr als beim KDE Office-Projekt sind die Strukturen bei Gnome Office aufgelöst. Der Anwender findet kein komplettes Software-Paket, welches den Namen Gnome Office trägt, jedoch eine ganze Reihe von Programmen aus dem Gnome-Umfeld, welche die Anforderungen an eine moderne Bürosoftware erfüllen. Da wir bei den anderen Programmen unser Hauptaugenmerk auf die Programme zur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation gelegt haben, fällt eine Einordnung der Komponenten aber recht leicht. Dazu gesellt sich bei Gnome natürlich noch die leistungsfähige Bildverarbeitungssoftware GIMP, auch wenn dies nicht notwendigerweise in den Bereich Office fällt.

Gnumeric bietet deutlich mehr Funktionen als die Konkurrenz und bleibt dennoch leicht bedienbar. Die Erstellung passender Grafiken erleichtert auch hier ein entsprechender Dialog.

Abiword als einer der ältesten Vertreter importiert MS Word-Dokumente sehr gewissenhaft. Die Oberfläche ist gut bedienbar und neue, auch komplexere Dokumente lassen sich im Handumdrehen erzeugen. Der Export in Richtung Word ist allerdings auf das RTF-Format beschränkt.
Mit Abiword enthält Gnome Office eine der am längsten entwickelten Textverarbeitungen überhaupt. Sie ist dadurch sehr stabil und bereitet in den seltensten Fällen Probleme. Die Entwicklungen der letzten Zeit gingen daher auch weniger in Richtung neue Features als in Richtung Integration zu Gnome Office. Dies hängt aber unter anderem mit dem leistungsfähigen Plugin-System von Abiword zusammen. Neue Funktionen finden häufig über Plugins Eingang in Abiword. So stehen zum Beispiel Rechschreibprüfungen, der bekannte Thesaurus, Suchhilfen für Google oder ein Gimp-Plugin zur direkten Bearbeitung eingebetteter Bilder zur Verfügung. Auch der Im- und Export von Dokumenten wird über Plugins realisiert, was dem Programm eine ganze Reihe Dateiformate beschert hat. Der Importfilter für MS Word und Word RTF-Dateien ist allerdings Bestandteil vom Hauptprogramm und muss nicht separat installiert werden.
Auch ohne zusätzliche Plugins ist Abiword für die alltäglich anfallenden Arbeiten gut ausgerüstet. Eine aufgeräumte Oberfläche bietet dabei schnellen Zugriff auf häufig benötigte Funktionen. Reine Textdokumente sind dabei ebenso leicht zu erstellen wie komplexe Dokumente mit Bildern und Tabellen. Wobei die für Standard-Dokumente verwendeten Formatierungsoptionen per Mausklick zu erreichen sind. Die Rechtschreibhilfe hat in der aktuellen Version noch einmal zugelegt, auch wenn die mitgelieferte Version hinter StarOffice zurück bleibt. Einige nützliche Erweiterungen wie zum Beispiel ein Floskelmenü erleichtern zusätzlich die Standardaufgaben.
Eine leistungsfähige Tabellenkalkulation beinhaltet Gnome Office mit Gnumeric. In der aktuellen Version versprechen die Entwickler nicht weniger als 100 Prozent aller Excel- plus 60 zusätzliche Funktionen, was sich kaum überprüfen lässt. Wichtige fehlende Funktionen konnten wir jedoch nicht entdecken. Der Im- und Export von Excel-Dokumenten ist ebenfalls nahezu perfekt, einfache Tabellen stellen überhaupt kein Problem dar und selbst komplexere Werke werden zumeist anstandslos importiert.
Gnumeric eignet sich gleichermaßen für einfache Tabellen, die dazu notwendigen Formate und Funktionen sind stets schnell zu erreichen, als auch für komplexe Tabellen und Auswertungen. Die notwendigen, unter anderem statistischen und eine kleine Anzahl Finanz-Funktionen beinhaltet ein entsprechendes Drop-Down-Menü. Mit zahlreichen Stilen zur Kennzeichnung von Tabellen und den Möglichkeiten, Balken-, Ring- und Tortengrafiken zu erstellen, bringt das Programm alle notwendigen Optionen mit.
Die Gnome-Präsentationssoftware Agnubis ist derzeit nicht für den Einsatz tauglich, letzte Entwicklungen sind von Ende 2002 bekannt, sodass in Frage steht, ob sie jemals fertig wird. Auf der Gnome Office-Homepage wird entsprechend auch auf Impress aus dem OpenOffice-Paket verwiesen.
Mit den zwei sehr guten Hauptprogrammen Abiword und Gnumeric sowie zahlreichen weiteren Office-tauglichen Programmen (GIMP, Evolution, Gfax, gnucash), steht Gnome Office gut da. Die Funktionalität ist sehr gut, nur eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Programmen und eine Vereinheitlichung der Oberflächen wären wünschenswert.
Alternativen
Neben den oben genannten Programmen nach Alternativen zu suchen, fällt nicht nur schwer, sondern ist zumeist auch verzichtbar. Dennoch möchten wir Ihnen diese Möglichkeiten natürlich kurz aufzeigen. Hancom Office ist eine vornehmlich im asiatischen Raum bekannte Office Suite mit den Bestandteilen Word, Sheet (Tabellen), Presenter und Painter. Durch seine gute Unterstützung asiatischer Schriftzeichen und Schreibweisen ist es im dortigen Raum recht bekannt. Auch hierzulande lässt es sich jedoch sinnvoll anwenden, da es alle Möglichkeiten für das tägliche Office-Geschäft mitbringt. Eine kostenlose 30 Tage-Demo-Version macht einen Vergleich möglich.
Weitere Alternativen findet man in zwei speziellen Linux Desktop-Distributionen. Sowohl der Suse Linux Desktop als auch Xandros Linux sollen einen Office-Arbeitsplatz ohne viele Umstände bereitstellen. Eine einfache Installation auch auf Festplatten mit Windows-Partitionen sowie ein fertig eingerichteter Office-Arbeitsplatz sollen dabei Erleichterung schaffen. Als Standard-Applikation findet jeweils Open- bzw. StarOffice Verwendung. Wer nicht auf original Windows-Software verzichten kann, für den ist in beiden Fällen CrossOver Office integriert, mit dem der Anwender die wichtigsten Windows-Programme installieren und nutzen kann. Während Xandros einen Schwerpunkt auf einfache Bedienung und den privaten Desktop legt, ist der Suse Desktop mit seinen Kommunikationsmöglichkeiten etwas mehr auf Bürolösungen ausgerichtet.
Fazit
Zweifelsfrei stellen wir fest, dass die angebotenen Lösungen mehr sind als nur ein Ersatz für Word, Excel und Co. Für jeden Anwender findet sich dabei das passende Programm und da sie bis auf StarOffice kostenlos sind, kann sich jeder auch noch bestimmte Pakete herauspicken. Wo geht das unter Windows? Wobei als Standard Office-Alternative praktisch überall OpenOffice zum Einsatz kommt, da es die umfassendste Komplettlösung ist. StarOffice empfiehlt sich wegen seines gedruckten Handbuches, welches ja nicht mal die teuren Produkte von Microsoft mitbringen, und wegen seiner erweiterten Sprach-, Rechtschreib- und Schriftfähigkeiten. Etwas schlanker und dennoch funktionell gibt sich KOffice. Es kann aber noch nicht in allen Bereichen mit OpenOffice mithalten. Eine Sonderrolle nimmt das Gnome Office-Projekt ein. Noch mehr als KOffice besteht es aus getrennten Applikationen. Daher ist der Datenaustausch zwischen den einzelnen Bereichen nicht so leicht und elegant möglich wie zum Beispiel mit StarOffice. Da die Gnome-Applikationen wie Gnumeric und GIMP teilweise einen deutlichen Mehrwert bringen und die Eignung für die Bürokommunikation, Stichwort Evolution, besonders gut ist, ist ein Blick hierauf unbedingt anzuraten. Gegebenenfalls ergänzt man das Lieblings-Office einfach mit der entsprechenden Applikation.