Mittwoch, 23. Mai 2012

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April 2006
aus dot.net magazin Ausgabe: 4.2004
Starke Mischung
Ein Rückblick auf die BASTA! 2004 Spring Edition, die dot.net Konferenz 2004 und die Entwicklertage 2004
von Andreas Kosch

Vom 9. bis 12. Februar fand in Frankfurt-Mörfelden eine Konferenz statt, die in mehrfacher Hinsicht bisher einzigartig ist. Dabei war es streng betrachtet nicht nur eine Konferenz, sondern es waren gleich drei auf einmal. Sowohl die BASTA! 2004 Spring Edition, die dot.net Konferenz 2004 als auch die Entwicklertage 2004 fanden zur selben Zeit am selben Ort statt. Um die Hintergründe für diese auf den ersten Blick starke Mischung verstehen zu können, muss ich etwas in die Historie abschweifen.


Ein Blick zurück
Seit dem Jahr 1997 veranstaltet der Software & Support Verlag im September die Entwickler Konferenz, die sich bisher primär um die Entwicklungsumgebungen von Borland - mit Delphi als Schwergewicht - gekümmert hat. Ab dem Jahr 2000 kamen im Februar die Entwicklertage hinzu, wobei dort eine Woche Ganztags-Workshops mit den Schwerpunkten Delphi und Java angeboten wurden. Die Entwicklertage im Jahre 2002 werden mir immer in Erinnerung bleiben, denn mitten in meinem Workshop platzte Masoud Kamali (der Veranstalter der Konferenzen) mit der brandaktuellen Meldung hinein, dass Borland entgegen früherer Veröffentlichungen just in dem Moment die eigene Unterstützung der .NET-Technologie ankündigte, als der Konkurrent Microsoft sein Flagschiff Visual Studio .NET nach 8 Monaten öffentlichen Beta-Tests in Deutschland offiziell als Produkt startete. Da die Beta 2 von Visual Studio .NET eine voll funktionsfähige und nahezu fehlerfreie Entwicklungsumgebung war, konnte VS.NET bei der offiziellen Einführung sofort durchstarten, wobei in dieser Zeit auch viele Delphianer in fremden Sprachgefilden gewildert haben. Fünf Monate später richtete der Software & Support Verlag die erste dot.net Konferenz im Marriott Hotel Frankfurt aus. Das war meine erste Konferenz, bei der ich in meinen vier Sessions und zwei Workshops nicht ein einziges Mal Delphi aufrufen durfte, sondern stattdessen nur mit VS.NET hantierte. Bereits im nächsten Jahr schlug .NET direkt auf die Entwickler Tage 2003 durch - denn bereits im vorigen Jahr fand parallel am selben Ort die zweite dot.net Konferenz statt.


Da in .NET die einzige sinnvolle Entscheidung nicht Entweder - Oder lautet, sondern Sowohl als Auch, war es nur konsequent, dass sich der Software & Support Verlag auch der BASTA! annahm. Die BASTA! - als Visual Basic-Tage gestartet - ging bis dahin ausschließlich auf Visual Studio und speziell auf die Sprache Visual Basic ein. Noch im Jahr 2003 war eine räumliche Trennung geboten, sodass im September die BASTA! und die Entwickler Konferenz an zwei unterschiedlichen Orten in und um Frankfurt stattfanden. Zu dieser Zeit wurde im Publikum noch gemeckert, wenn in einer Session auf einer Powerpoint-Folie ein Beispiel in der falschen Sprache (C#) zu sehen war.

In der Realität angekommen
Die Entwickler haben sich einen Beruf - oder eine Berufung - ausgewählt, bei dem es selbstverständlich ist, ständig Neues dazulernen zu müssen. Denn bis auf wenige Ausnahmen haben wir im Alltag mit ständig wachsenden Anforderungen an die zu erstellende Software zu kämpfen, wobei selbstverständlich der eingeräumte Zeitrahmen immer kleiner wird. In dieser Evolution wird nur derjenige Entwickler auf Dauer überleben, der für jede Detail-Aufgabe ohne Scheuklappen zu dem Werkzeug greift, das für diesen Job am besten geeignet ist. Somit bleiben irgendwann auch lieb gewordene Vorurteile auf der Strecke, wobei ich dabei die beiden Glaubenskriege Welche Entwicklungsumgebung nutzen? und Welche Sprache nutzen? meine. Es war dann nur noch eine logische Folge, alle drei Konferenzen zusammenzuführen, damit jeder Teilnehmer problemlos fremdgehen konnte, um einen Blick über den eigenen Gartenzaum zu werfen. Ein überzeugter Delphianer musste zum Beispiel in diesem Jahr zur Kenntnis nehmen, dass an Visual Studio .NET stellenweise kein Weg vorbeiführt, denn sowohl bei den MS SQL Server 2000 Reporting Services als auch bei Yukon (dem Nachfolger vom MS SQL Server 2000) ist die IDE von VS.NET (wenn auch in einer abgespeckten Version) in jedem Fall dabei. Ein überzeugter C#-Mann (die C#-Entwicklerinnen wussten das bereits) hat in der selben Session gelernt, dass Microsoft stellenweise VB.NET bevorzugt (genauer gesagt, als einzige .NET-Sprache unterstützt), sodass ein jeder sein Päckchen zu tragen hatte.

Highlight ASP.NET 2.0
Aber genug der langen Vorrede - was waren die Highlights der Konferenztage? Nun - aus meiner Sicht gab es ein Highlight, das alle anderen überragte. Ich meine dabei nicht die kubanischen Tänzerinnen (die leider nur während der September-Konferenz die Teilnehmer in Wallung bringen) und auch nicht (!) das Freibier, sondern die Technical Keynote vom Microsoftie Scott Guthrie. Der Vater von ASP.NET verstand es, in seiner Keynote A Look into Visual Studio Whidbey and ASP.NET Whidbey den vollständig gefüllten Saal mit seinem Aus-blick auf die Fähigkeiten der nächsten VS.NET-Version (Projektname Whidbey) zu elektrisieren. Er zeigte, wie man in 45 Minuten eine professionelle ASP.NET 2.0-Anwendung entwickelt, wobei die typischen Aufgaben von bereits einsatzfertig herumliegenden Komponenten erledigt wurden, sodass nur sehr selten eigener Code eingetippt werden musste. Im Vergleich zu ASP.NET 1.0 und zu WebSnap/IntraWeb war der Unterschied derart riesig, dass in den Reihen hinter mir leise das Gemurmel Der PHP-Killer! zu hören war. Zwar gab es während der Keynote keine lautstarken Begeisterungsäußerungen - dies entspricht wohl auch nicht dem hiesigen Naturell - aber dafür war der Applaus am Ende umso deutlicher.


Das Thema ASP.NET 2.0 machte auch klar, wie schnelllebig unsere Zeit tatsächlich ist. Gerade erst am Vortag konnten sich die Teilnehmer über die Neuheiten von ASP.NET 2.0 informieren, wobei der Speaker die Preview-Version von der PDC 2003 mit Stand Oktober 2003 nutzte. In der Keynote spielte Scott Guthrie seinen Heimvorteil konsequent aus, indem er eine noch ofenfrische und gerade erst zwei Tage alte Version von Whidbey nutzte und somit deutlich mehr vorführen konnte. Seine Version war fast vollständig Feature complete, sodass Microsoft ab sofort nur noch auf die Bug-Jagd geht und somit dem öffentlichen Beta-Start im Sommer wahrscheinlich nichts mehr im Weg steht. Da ASP.NET 2.0 keine neuen Anforderungen an die Hard- und Software stellt und die bisherigen ASP.NET-Anwendungen auch weiterhin vollständig unterstützt werden, muss man kein Prophet sein, um die Beta von ASP.NET 2.0 als Selbstläufer vorherzusagen. Die endgültige Version von Whidbey und somit auch von ASP.NET 2.0 erscheint im nächsten Winter (Q4 2004 oder Q1 2005), um beim offiziellen Sprachgebrauch von Microsoft zu bleiben.

The Next Generation
Damit bin ich beim nächsten Stichwort angekommen - denn bei den Konferenzen standen deutlich mehr Alpha- und Beta-Versionen im Vordergrund, als das früher der Fall war. Denn während sich viele Delphianer erst mit dem Erscheinen von Delphi 8 mit .NET auseinander setzen und somit mehr Grundlagenwissen nachfragten, ist die BASTA!-Klientel routinierter und somit mehr an Ausblicken auf Zukünftiges interessiert. In der Konferenz-Agenda wurden diese Ausblick-Sessions in der Rubrik Next Generation .NET geführt. So waren die Yukon-Sessions gut besucht, auch wenn der Speaker leider von Microsoft keine Erlaubnis bekam, den neuen SQL Server auch in freier Wildbahn auf seinem Notebook vorführen zu dürfen. Im Gegensatz dazu konnten sich die Teilnehmer bei den Longhorn- und Avalon-Sessions durchaus selbst ein visuelles Bild von den bevorstehenden Veränderungen machen, wenn auch vieles noch unscharf bleiben musste. Unter der Bezeichnung Avalon führt Microsoft eine dritte Alternative der Präsentations-Schicht von WinFX (der am Horizont erscheinenden dritten Version des .NET Frameworks) hinzu, die das bisherige Duo Windows Forms und ASP.NET Web Forms ergänzt. Nur zur Erinnerung, Longhorn (der Windows XP-Nachfolger) wird, wie es zurzeit aussieht, voraussichtlich erst im Jahr 2007 fertig werden und somit fällt auch Orcas (der Whidbey-Nachfolger) in den gleichen Zeitrahmen.


In .NET kann ein bestimmtes Ziel oftmals über verschiedene Wege erreicht werden, sodass auch die Indigo-Session von Ingo Rammer mit dem Tenor Was Sie bereits jetzt wissen müssen eine hilfreiche Unterstützung war. Unter der Bezeichnung Indigo führt Microsoft die Verschmelzung der bisher völlig getrennten .NET-Zweige ASP.NET Web Services, .NET-Remoting und .NET Enterprise Services (COM+). Brummt Ihnen jetzt von all diesen neuen Schlagworten der Kopf? Vielleicht führt der folgende Satz aus diesem Irrgarten heraus: Mit dem neuen Betriebssystem Longhorn steht das Framework WinFX zur Verfügung, das unter anderem aus den Teilstücken Avalon, WinFS und Indigo besteht und für das erst die übernächste Visual Studio .NET-Version Orcas neue Anwendungen kompilieren kann. Für die meisten von uns bedeutet diese Zeitachse nur, dass mittelfristig zwei gravierende Änderungen anstehen: Zuerst der Wechsel zur Version 2.0 des .NET Frameworks und dann der Wechsel zur Version 3.0 (auch wenn diese zurzeit nicht unter dieser Nummer geführt wird, sondern nur unter dem Begriff WinFX). Bei der Auswahl der Werkzeuge, der Klassen und Komponenten sollten wir uns daher fürsorglich davon überzeugen, dass diese auch mittelfristig einsetzbar bleiben (gerade die Delphianer haben da mit der VCL.NET eine harte Nuss zu knacken).

Resümee
Die im Vergleich zum letzten Jahr deutlich gestiegene Teilnehmerzahl macht deutlich, dass auch im Internet-Zeitalter, in dem fast alles auch im Web recherchiert werden kann, eine persönliche Anwesenheit durch nichts ersetzt werden kann. Neben der konzentrierten Wissensvermittlung in den Sessions spielt vor allem die Kommunikation untereinander eine große Rolle. Außerdem gab es noch keine Konferenz, bei der ich nicht das eine oder andere Aha-Erlebnis hatte, denn etwas mit den eigenen Augen zu sehen, ist in vielen Fällen einfach wirkungsvoller, als nur etwas darüber zu lesen.


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