Donnerstag, 4. Dezember 2008

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April 2006
aus Linux Enterprise Ausgabe: 05.2004
Java auf dem Desktop
Das Sun Java Desktop System im Kurztest
Karlheinz Günster

Für Sun gibt es keinen Grund mehr, überteuerte Betriebssysteme auf Arbeitsplatzrechnern zu verwenden. Denn jetzt gibt es das Sun Java Desktop System (JDS) mit einem einfachen Lizenzmodell, der Stabilität von Linux und dem Support von Sun. Und das mit einer Kostenersparnis von bis zu 75 Prozent - laut Sun - verglichen mit Windows. Die unter dem Projektnamen Mad Hatter angekündigte Distribution setzt auf den bewährten Suse Linux Enterprise-Server. Sun hat einige Modifikationen, auch in den Anwendungen, vorgenommen.


Die Empfehlung für den Rechner liegt bei 600 MHz und 256 MB Speicher sowie sechs Gigabyte Plattenplatz. Wir testeten mit 500 MHz und 384 MB und konnten gut damit arbeiten. Als absolute Untergrenze werden optimistische 266 MHz genannt. Wer Suse kennt, findet sich bei der Administration und vor allem bei der Installation mit YaST zurecht. Vorhandene Betriebssysteme können eingebunden werden. Darüber hinaus bietet Sun mit Hilfe der Partnerfirma EDS Hilfe bei der Migration größerer Bestände an.

Nach dem ersten Start fällt eine sehr ansprechende und liebevoll gestaltete Oberfläche auf. Es ist kein KDE vorhanden, Gnome in der Version 2.2 mit einigen Neuerungen reicht hier vollkommen aus. Überhaupt hat Sun die Auswahl auf das Notwendige beschränkt und eine sinnvolle Programmauswahl getroffen.

Dabei sollen offenbar drei Gruppen zufriedengestellt werden: Zuerst der einfache Benutzer. Für ihn heißt es beispielsweise Web Browser und eMail und Kalender. Keiner braucht sich Programmnamen wie Mozilla 1.4 und Evolution 1.4.5 zu merken. Installiert und gut konfiguriert sind unter anderem StarOffice 7, Gimp 1.3.18, der Instant-Messenger GAIN, der Realplayer Version 8, Acrobat Reader Version 5 und der Videoplayer Totem. Das reicht für die meisten Aufgaben im Büro vollkommen aus. Darüber hinaus gibt es Anwendungen fürs Zeichnen von Diagrammen und auch einfache Spiele. Zudem lassen sich leicht Datei- Druckdienste im Netzwerk ansprechen, auf Klick offenbaren sich im Dateimanager Nautilus NFS-, FTP-, Windows- und andere Server im Netzwerk. Leider fehlt im Nautilus ein Home-Button. Zu einem Java-Desktop gehören Java-Programme. Sie verwalten Projekte, erstellen Zeichnungen und Diagramme, durchsuchen Wörterbücher und analysieren die Festplatten. JDiskReport klärt ausführlichst über den belegten Plattenplatz auf. Die einzelnen Module von YaST2 sind gut in die Programmmenüs integriert.

Gut ist die Einbindung des XDMCP-Protokolls, mit dem sich auf entfernten Rechnern über den X-Server arbeiten lässt. Der JDS und Solaris bringen diese Fähigkeit von Haus aus mit, in Linux allgemein muss sie erst aktiviert werden. Das lässt ältere Rechner weiterleben, denn für die grafische Ausgabe taugen langsamere Rechner mit 100-Megabit-Netzwerkkarten allemal.

Die Administratoren sollen auch nicht klagen und diesen Desktop warten und installieren können, deshalb finden sie notwendige Werkzeuge und das textbasierte YaST. Leider fehlt der Midnight Commander. Ein Online-Update gegen Sicherheitslöcher ist vorhanden.

Die dritte Gruppe sind offensichtlich die Programmierer, oder die, die es werden wollen und sollen. Denn sie finden die Java 2 Platform Standard Edition und ein paar schöne Programme, die Lust auf Java machen. Darunter ein Malprogramm, Editor, Spiel und SwingSet, das die Möglichkeiten von Java samt dem dazugehörigen Code zeigt, sowie der empfehlenswerte Editor JEdit mit API-Reference. Zudem bindet sich der Desktop in ein vorhandenes Java-Enterprise-System ein.

Bei so viel Licht gibt es auch Schatten. Beim Installieren von Software kommen sich YaST und der Automounter manchmal ins Gehege, sodass ein CD-Wechsel nur mit einem eject in einem Terminal geht, nach dem der Prozess fam gekillt wurde. Manche Texte sind nicht vollständig übersetzt und zum Schmunzeln ist beispielsweise der Barrierefreiheitsstatus der Tastatur und Ordner werden abgetastet. Der Bildbetrachter EOG Eye of Gnome stört sich an großgeschriebenen JPG-Dateien.

Wir wissen schon lange, dass Linux für den Desktop geeignet ist. Allerdings ist für den Normalanwender die Programmvielfalt oft unüberschaubar und leider werden manchmal Projekte mit großem Enthusiasmus begonnen, während der letzte Schliff für die Benutzerfreundlichkeit und die Pflege dann fehlt. Hier bringt Sun auch durch Reduzieren auf das Wesentliche die Technik dem Durchschnittsanwender ganz klar näher und fördert die Akzeptanz von Linux. Bis zum 2. Juni kostet diese Distribution mit 45 Euro nur die Hälfte, schon alleine StarOffice ist teurer. Der Support-Vertrag lässt sich jährlich verlängern, die Updatemöglichkeit soll aber darüber hinaus weiterbestehen. Version 2 soll laut Carsten Müller, Produkt Manager bei Sun, noch im Frühjahr mit Fehlerbereinigungen und erweiterter Funktionalität im Administrations- und Managementbereich erscheinen. Die Sparc-Version ist für Ende 2004 geplant. Informationen gibt es unter de.sun.com/linux/software_und_loesungen/java_desktop_system.html.


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