Die XBox von Microsoft ist eigentlich nur als reine Spielkonsole gedacht. Betrachtet man die Hardwareausstattung und den Preis von mittlerweile unter 200 Euro, so liegt die Versuchung nahe, die Konsole nicht nur als Spielzeug, sondern als vollwertigen PC zu verwenden. Der folgende Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie Linux ohne Hardwaremodifikationen auf der XBox installiert werden kann.
Seit dem Verkaufsstart der XBox im November 2001 wurde die Spielkonsole weltweit bereits 13,7 Millionen mal verkauft (Stand: Januar 2004). Auf dem stark wachsenden Markt für Spielkonsolen belegt sie damit hinter der Sony Playstation 2 den zweiten Platz (vgl. [1]). Dabei verlief der Verkauf der Spielkonsole anfangs, wohl auch aufgrund des anfänglich hohen Verkaufspreises von 479 Euro, eher schleppend. Um im harten Wettbewerb bestehen zu können, hat Microsoft seit der Einführung der XBox auf dem deutschen Markt im März 2002 den Preis schrittweise auf unter 200 Euro gesenkt. In den USA wird die Spielkonsole seit der jüngsten Preissenkung vom 30. März 2004 sogar für nur noch 149 Dollar (ca. 122 Euro) angeboten (vgl. [2]), hierzulande ist jedoch noch nichts über eine anstehende Preissenkung bekannt. Dieser Preiskampf und die wohl zu üppige Hardwareausstattung der Spielkonsole scheinen dazu zu führen, dass Microsoft nach wie vor rote Zahlen mit der XBox schreibt (vgl. [3]). Aufgrund dessen soll der Nachfolger der Spielkonsole, der wahrscheinlich Ende 2005 oder Anfang 2006 erscheinen soll, vermutlich nicht mehr über eine eigene Festplatte verfügen (vgl. [4]). Denn im Gegensatz zu den Produkten der Hauptkonkurrenten Sony Playstation 2, Nintendo Game Cube und Sega Dreamcast liefert Microsoft die eigene Spielkonsole standardmäßig unter anderem mit einer internen Festplatte sowie einer Ethernet-Schnittstelle aus. Des Weiteren befinden sich folgende Hardwarekomponenten in dem Gerät:
- Intel Celeron 733MHz CPU
- nVidia GeForce 3MX Grafikchip
- 64 Mb DDR-SDRAM
- 8 oder 10 GB Festplatte
- DVD-Laufwerk
- 10/100 Ethernet-Karte
- Audio-Chip mit Dolby Digital- und Dolby Surround-Unterstützung
Die XBox beinhaltet damit von Haus aus alle notwendigen Hardwarekomponenten, um sie als vollwertigen PC betreiben zu können. Vergleicht man jedoch die Leistungsfähigkeit der Spielkonsole mit heutigen PCs, so erscheint die Hardwareausstattung auf den ersten Blick etwas unterdimensioniert. Allerdings erhält man für etwa die Hälfte des Preises eines marktüblichen Einsteiger-PCs ein Gerät, welches sich unter anderem durch ein überaus kompaktes und schickes Gehäuses sowie einen geringen Lärmpegel besonders für den Dauerbetrieb als Heimserver oder Multimediacenter eignet. Dabei gilt die Devise: Je neuer die XBox, desto leiser ist sie. Was liegt da näher, als Linux auf der Spielkonsole zu installieren und damit dem Gerät endgültig die Freiheit zu schenken?
Für die Durchführung dieses Vorhabens werden mindestens die folgenden Hard- und Softwarekomponenten benötigt:
- XBox Spielkonsole (Neupreis ca. 200 Euro)
- PC mit Unix-/Linux-, Windows- oder Macintosh-Betriebssystem (inklusive USB-Unterstützung)
- 2 x USB-Adapter zum Anschluss von Maus und Tastatur an die XBox (erhältlich u.a. bei eBay, Preis ca. fünf bis sieben Euro/Stück)
- USB-Memorystick (Größe: 8 MB bis maximal 256 MB, Neupreis ab ca. 30 Euro)
- XBox Spiel MechAssault (wird nur einmal benötigt, Neupreis ca. 25 Euro)
- Xebian Linux, Version 1.0.1, Kernel 2.4.25 (Download von [5], ca. 275 MB)
- CD-Rohling (besser: CD-RW und DVD-R)
Des Weiteren können zur Installation von Linux auf der XBox folgende Komponenten verwendet werden:
- Patchkabel RJ45 (Neupreis ca. 5 Euro)
- USB-Tastatur (Neupreis ca. 10 Euro)
- USB-Maus (Neupreis ca. 10 Euro)
Bevor wir uns jedoch der konkreten Realisierung dieses Vorhabens widmen, möchten wir zunächst auf einige Grundlagen und Interna der Spielkonsole eingehen.
Grundlagenforschung
Das mitgelieferte Betriebssystem der XBox basiert auf einem abgespeckten Windows 2000-Kern (vgl. [6]) und die Konsole verfügt über eine menügesteuerte Bedienoberfläche namens Dashboard, welche unter anderem dazu benutzt wird, Spiele zu starten oder CDs bzw. DVDs abzuspielen. In Abhängigkeit von der auf der Spielkonsole installierten Version kann das Dashboard jedoch das größte Hindernis für die Installation von Linux auf der XBox darstellen, da dieses über spezielle Sicherheitsmechanismen verfügt, welche die Installation von Fremdsoftware (z. B. Linux) auf der Spielkonsole unterbinden sollen. Die in diesem Artikel beschriebene Methode nutzt eine Schwachstelle im Spiel MechAssault, mit der ein spezieller Speicherzugriff auf die XBox möglich ist, um die Installation von Linux vorzunehmen. Diese als Software-Methode bekannte Vorgehensweise hat den großen Vorteil, dass keine aufwändigen und eventuell riskanten Hardwaremodifikationen an der XBox notwendig sind. Außerdem können weiterhin sämtliche Spiele gespielt werden. Allerdings ist es bei Verwendung dieser Methode nicht möglich, die eingebaute Hardware zu ersetzen, um beispielsweise eine größere Festplatte oder einen DVD-Brenner in die XBox einzubauen. Dazu existieren die folgenden Alternativen:
Die Hardware-Methode birgt diese Einschränkung prinzipiell nicht. Man erhält einen vollständigen (Linux-) PC, auf dem jedoch überhaupt keine XBox-Spiele mehr gespielt werden können. Um dies zu ermöglichen, wird auf der XBox der Schreibschutz des BIOS-Chips deaktiviert, indem zwei Brücken gelötet werden. Das weitere Vorgehen entspricht weitest gehend der Software-Methode, wobei zusätzlich das originale BIOS mit einem modifizierten Linux-BIOS überschrieben wird, sodass das Betriebssystem ohne Umwege beim Start der Konsole direkt gebootet werden kann. Es ist jedoch beim Umbau Vorsicht geboten, da Eingriffe in die Hardware immer mit dem Verlust der Gewährleistung/Garantie verbunden sind.
Eine weitere Möglichkeit vereint die Vorteile beider Methoden, erfordert jedoch auch den Einbau zusätzlicher Hardware: So genannte MOD-Chips verfügen über einen Flashspeicher, auf dem je nach Kapazität mehrere BIOS-Varianten für die XBox gespeichert werden können. Eine BIOS-Variante, die als Open Source-Projekt ständig weiter entwickelt wird, heißt Cromwell (vgl. [8]). Nach Einbau des Chips kann beim Einschalten der Konsole gewählt werden, welches BIOS verwendet werden soll. Es könnte beispielsweise das originale BIOS und damit die jeweils aktuellste Dashboardversion geladen werden, um XBox Live zu nutzen. In diesem Fall wird der zusätzliche Chip überhaupt nicht verwendet. Um ausschließlich Linux zu laden, könnte man den Chip samt Cromwell-BIOS aktivieren und somit sämtliche Freiheiten der oben beschriebenen Hardware-Methode genießen. An dieser Stelle soll nicht verschwiegen werden, dass es auch illegale BIOS-Varianten gibt, die mit Hilfe der XBox unter anderem das Anfertigen von DVD-Backups auf Festplatte ermöglichen. Wir möchten uns ausdrücklich von derartigen Hard- und Softwareprodukten distanzieren und hier auf diese nicht näher eingehen.
Als Grundlage für diesen Artikel haben wir die Software-Methode gewählt, da diese das geringste Risiko mit sich bringt, reversibel ist und einen guten Einstieg in das Thema Linux auf der XBox bietet. Außerdem kann bei Verwendung der Software-Methode bei Bedarf jederzeit auf eine der anderen Methoden umgestiegen werden. Allerdings ist die Grundlage für diese Methode eine Dashboardversion <=1.00.5659.0, sodass die Besitzer von Spielkonsolen neueren Herstellungsdatums ein Downgrade vornehmen müssen, um Linux auf der XBox installieren zu können (vgl. Textbox). Des Weiteren ist bei Verwendung der Software-Methode die Benutzung des von Microsoft angebotenen, kostenpflichtigen Online-Dienstes
XBox Live (vgl. [8]) nicht möglich, da bei jeder Anmeldung die installierte Version des Dashboards überprüft und gegebenenfalls aktualisiert wird. Wie bereits beschrieben (vgl. Textbox), verhindert eine aktuelle Version des Dashboards die Installation und den Einsatz von Linux auf der XBox. Daher ist von einer Nutzung des Online-Dienstes mit der hier vorgestellten Methode abzuraten. Bevor wir uns nun der eigentlichen Installation von Linux auf der XBox widmen, möchten wir noch darauf hinweisen, dass dieses Dokument auf der Arbeit des XBox Linux-Projektes (vgl. [12]) basiert, welches unter anderem wesentlich von Michael Steil (Gründer) und Edgar Hucek getragen und weiterentwickelt wird.
Vorbereitungen
Microsoft hat die Spielkonsole XBox mit einer Vielzahl von Sicherheits- und Schutzmechanismen ausgestattet, die verhindern sollen, dass das Gerät als vollwertiger PC verwendet werden kann und somit beliebige, d.h. nicht durch Microsoft zertifizierte Programme (z. B. Linux) ausgeführt werden können. Seit geraumer Zeit lassen sich diese Hindernisse jedoch mit Hilfe des Spiels MechAssault sowie entsprechend manipulierten Spielständen überwinden und damit u.a. ein vollwertiges Linux-System auf der XBox installieren. Dazu müssen die präparierten Spielstände aus dem Internet heruntergeladen und mit Hilfe eines portablen USB-Speichermediums (z. B. USB-Memorystick, Digitalkamera mit USB-Anschluss, 6-in-1 Card Reader etc.) auf die Spielkonsole übertragen werden. Um das portable Speichermedium für die Übertragung der Spielstände vorzubereiten, muss zunächst jedoch das XBox-kompatible USB-Kabel an einen freien Controlleranschluss der Spielkonsole angeschlossen werden. Daraufhin muss die Konsole ohne eingelegte DVD gestartet werden, sodass diese in das Hauptmenü, genannt Dashboard, gelangt. Dort werden die Menüpunkte Speicher, Musik, XBox Live sowie Einstellungen angezeigt und das portable Speichermedium (z. B. USB-Memorystick) kann mit Hilfe des USB-Kabels an die XBox angeschlossen werden. Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die auf dem Speichermedium gespeicherten Daten durch den nachfolgend beschriebenen Vorgang gelöscht werden. Außerdem sind nicht alle am Markt verfügbaren USB-Speichermedien mit der XBox kompatibel, sodass diese eventuell nicht korrekt durch das Gerät erkannt werden. Wir haben für die Realisierung beispielsweise einen 128 MB USB-Memorystick der Firma Verbatim verwendet, wobei ein identisches Gerät der Firma QDI hingegen überhaupt nicht durch die XBox erkannt wurde. Eine Übersicht der als kompatibel und nicht kompatibel bekannten USB-Speichermedien finden Sie unter [9]. Des weiteren erfolgt die Installation von Linux auf der XBox auf eigene Gefahr, die Autoren dieses Beitrages übernehmen keinerlei Haftung für eventuell entstandene Schäden an Hard- und Software. Stand dieses Dokumentes ist März 2004.
Nachdem Sie das Speichermedium (z. B. Memorystick) an die XBox angeschlossen haben, müssen Sie innerhalb des Dashboards den Menüpunkt Speicher auswählen. Sollte das Gerät erfolgreich durch die XBox erkannt worden sein, erscheint daraufhin die Meldung
Memory Unit 2A - Die eingesteckte Memory Unit funktioniert nicht richtig. Sie wurde gelöscht. und das Speichermedium wurde mit dem Dateisystem der XBox (FATX, modifizierte FAT32-Variante) neu formatiert (Hinweis: Die Meldung kann je nach verwendetem Controlleranschluss der XBox variieren.). Daraufhin erscheint im Menüpunkt Speicher des Dashboards neben dem XBox-Symbol eine zusätzliche Memory Unit (=Speichermedium), die Sie auswählen müssen. Notieren Sie sich die im nachfolgenden Bildschirm aufgeführte Gesamtzahl der Blöcke (z. B. 7933 Blöcke für 128 MB USB-Memorystick von Verbatim), kehren Sie zurück in das eigentliche Dashboard und schalten Sie die Spielkonsole aus. Entfernen Sie das USB-Speichermedium aus der XBox und verbinden Sie es mit einem PC. Unter Linux müssen Sie nun den Befehl
dmesg aufrufen, um den Gerätenamen des soeben dem System hinzugefügten USB-Speichermediums herauszufinden. Es erscheint in etwa folgende Ausgabe:
hub.c: new USB device 00:03.1-1, assigned address 4
usb.c: USB device 4 (vend/prod 0xea0/0x2168) is not claimed by any active
driver.
Initializing USB Mass Storage driver...
usb.c: registered new driver usb-storage
scsi1 : SCSI emulation for USB Mass Storage devices
Vendor: Verbatim Model: USB Drive Rev: 2.00
Type: Direct-Access ANSI SCSI revision: 02
Attached scsi removable disk sda at scsi1, channel 0, id 0, lun 0
SCSI device sda: 253952 512-byte hdwr sectors (130 MB)
sda: Write Protect is off
/dev/scsi/host1/bus0/target0/lun0: unknown partition table
WARNING: USB Mass Storage data integrity not assured
USB Mass Storage device found at 4
USB Mass Storage support registered.
Wie Sie der Ausgabe entnehmen können (
Attached scsi removable disk sda at scsi1, channel 0, id 0, lun 0 und
SCSI device sda), ist das Speichermedium unter dem Gerätenamen
/dev/sda erkannt worden und somit ab sofort ansprechbar. Hinweis: Sollte das USB-Speichermedium nicht sofort durch das System erkannt werden, muss eventuell das Modul
usb-storage mit Hilfe des Befehls
modprobe usb-storage nachgeladen werden. Falls infolgedessen das Gerät immer noch nicht korrekt erkannt wird, ist gegebenenfalls eine Neukompilierung des Kernels notwendig. Dieser Schritt sollte allerdings in den wenigsten Fällen wirklich notwendig sein. Außerdem kann die Warnmeldung
unknown partition table getrost ignoriert werden. Diese Meldung entsteht, da das auf dem USB-Speichermedium vorhandene und von der XBox erzeugte Dateisystem FATX dem Betriebssystem Linux standardmäßig nicht bekannt ist. Sollten Sie übrigens einen PC mit Microsoft Windows 98/ME/NT/2000/XP verwenden wollen, um die manipulierten Spielstände auf das USB-Speichermedium zu kopieren, finden Sie unter [10] mit dem so genannten
OzXMemory Stick Explorer auch ein entsprechendes Transferprogramm für diese Plattform. Eine weitere Möglichkeit um herauszufinden, ob das hinzugefügte USB-Speichermedium unter Linux korrekt erkannt wurde, ist die Ausführung des folgenden Befehls, den Sie am besten in ein Skript namens
findfatx.sh schreiben:
for i in /dev/sd? /dev/disk?; do
test FATX = $(dd if=$i bs=4 count=1 2> /dev/null) 2> /dev/null && echo $i
done
Speichern Sie die Datei, fügen Sie die Ausführberechtigung hinzu (
chmod +x findfatx.sh) und führen Sie diese aus (
./findfatx.sh). Sollten Sie einen Rückgabewert (etwa:
/dev/sda) erhalten, wurde das USB-Speichermedium korrekt erkannt. Andernfalls müssen Sie die Konfiguration Ihres Systems überprüfen und gegebenenfalls ein anderes USB-Speichermedium verwenden.
Nachdem Sie herausgefunden haben, unter welchem Gerätenamen das USB-Speichermedium ansprechbar ist, müssen Sie die manipulierten Spielstände von MechAssault auf das Speichermedium kopieren. Laden Sie dazu von [11] die entsprechende Datei herunter (ca. 6,5 MB) und entpacken Sie diese durch Eingabe des Befehls
unzip MechInstaller-1.0-FATX-Images.zip
Daraufhin werden die Dateien
MechInstaller-1.0-FATX-8MB-to-32MB.img,
MechInstaller-1.0-FATX-64MB.img,
MechInstaller-1.0-FATX-128MB.img und
MechInstaller-1.0-FATX-256MB.img erzeugt, bei denen es sich jeweils um speziell präparierte und auf die Größe des verwendeten USB-Speichermediums angepasste Spielstände für das Spiel MechAssault handelt. Um die richtige Datei für ein 128 MB großes USB-Speichermedium zu kopieren, welches über 4.000 bis 8.000 Blöcke verfügt (siehe oben), müssen Sie beispielsweise folgenden Befehl eingeben:
cp -f MechInstaller-1.0-FATX-128MB.img $(sh findfatx.sh)
Diesen Befehl müssen Sie entsprechend ihren lokalen Gegebenheiten anpassen, wobei momentan präparierte Spielstände für USB-Speichermedien in einer Größenordnung von 8 MB (< 2.000 Blöcke) bis 256 MB (> 8.000 Blöcke) durch das Xbox Linux Project (vgl. [12]) bereitgestellt werden. Nachdem Sie mit dem oben genannten Befehl die Datei auf das USB-Speichermedium kopiert haben, müssen Sie dieses erneut mit der XBox verbinden, damit die Spielstände auf die Festplatte der XBox übertragen werden können. Entfernen Sie eine gegebenenfalls vorhandene DVD aus dem Laufwerk der Spielkonsole und schalten Sie diese ein. Wechseln Sie daraufhin im Dashboard in das Untermenü Speicher und wählen Sie dort die angezeigte Memory Unit (=USB-Speichermedium) aus. Es erscheint infolgedessen eine Übersicht der auf der Memory Unit gespeicherten Spielstände, wobei Sie zunächst den Spielstand
MechAssault Linux I: Install Linux, der in der dargestellten Liste ganz rechts steht und durch ein Tux-Symbol dargestellt wird, selektieren müssen. Danach müssen Sie im nachfolgenden Menüpunkt Kopieren und Xbox-Festplatte auswählen, um den Spielstand auf die Festplatte der Spielkonsole zu übertragen. Wiederholen Sie diesen Kopiervorgang für die anderen Spielstände
MechAssault Linux: Emergency Linux sowie
MechAssault Linux: Restore Dashboard und entfernen Sie das USB-Speichermedium schließlich aus der XBox.
Jetzt geht's los
Gehen Sie zurück in das Hauptmenü des Dashboards und legen Sie das Spiel MechAssault ein. Nachdem der kurze Ladevorgang beendet ist, müssen Sie mit Hilfe des Controllers im Hauptmenü des Spiels den Menüpunkt Kampagne (engl.
campaign) auswählen. Sollten Sie über eine XBox neueren Herstellungsdatums oder eine aktuelle Version des Dashboards verfügen, müssen Sie zunächst den Eintrag Emergency Linux auswählen und die installierte Version des Dashboards ersetzen (vgl. Textbox). Andernfalls können Sie den Eintrag Install Linux selektieren, um die Installation von Linux auf der XBox endlich zu starten. Es erscheint die Meldung
Installing Linux boot loader Please don't turn off your system und die Installation von Linux wird vorbereitet. Nachdem dieser Vorgang abgeschlossen ist, wird die XBox automatisch neugestartet und das Spiel MechAssault ausgeworfen. Entnehmen Sie die DVD, starten Sie die XBox wie gewohnt und begeben Sie sich in das Dashboard. Dort existiert fortan anstelle des Menüpunktes XBox Live ein neuer Eintrag namens Linux.
Damit Sie nun Ihr Lieblingsbetriebssystem dauerhaft auf der Spielkonsole installieren können, müssen Sie sich von [13] die aktuelle Version (1.0.1, zur Drucklegung 1.0.2 bereits verfügbar) von Xebian, einer speziell für die XBox angepassten Version der beliebten Debian-Distribution (vgl. [14]) herunterladen und auf CD (besser: DVD/CD-RW) brennen. Sobald dieser Schritt erledigt ist, müssen Sie, sofern noch nicht geschehen, die USB-Mouse und -Tastatur an die Spielkonsole anschließen, die erstellte Boot-CD von Xebian in das zugehörige Laufwerk legen und schließlich die XBox neu starten. Daraufhin wird Xebian von CD gebootet und nach einiger Zeit erscheint die X-basierte grafische Oberfläche. Melden Sie sich in der präsentierten Anmeldemaske mit dem Benutzernamen
root sowie dem Passwort
xbox an, um vollen Zugriff auf das System zu erhalten.
Alternativ können Sie auch mit SSH Zugriff auf das gestartete System erhalten, wobei die IP-Adresse standardmäßig 192.168.0.2 (Subnetmask: 255.255.255.0) lautet. Die Logindaten sind mit der lokalen grafischen Anmeldung selbstverständlich identisch. Bitte beachten Sie jedoch, dass es während des Starts und Betriebs von Xebian unter Umständen zu kurzen Ladevorgängen kommen kann, da sehr viele Daten vom relativ langsamen DVD-Laufwerk gelesen werden müssen. Außerdem sind die Einstellungen der grafischen Oberfläche zu diesem Zeitpunkt eventuell noch nicht optimal.
Um Linux endgültig dauerhaft auf der XBox zu installieren, bietet Xebian ein menügesteuertes Programm namens
XBOXLinuxInstall an, welches Sie zu diesem Zweck in einer Shell starten müssen. Im ersten Schritt fragt das Programm zunächst nach der Partition (=E, genutzt für Spielstände), auf der Sie Linux installieren möchten (
1 Installing XBOXLinux inside the Gamesave Partition). Wählen Sie hierbei aus Sicherheitsgründen
YES und bestätigen Sie die nachfolgende Warnmeldung ebenfalls mit
YES (Ja). Daraufhin können Sie die Größe der Swappartition bestimmen, wobei eine Größe von
256 MB völlig ausreichend ist. Bestätigen Sie diese und wählen Sie im nachfolgenden Bildschirm als Größe für die Rootpartition
2.000 MB, da momentan die Größe der ausgewählten Partition E (Gamesave) anscheinend auf diesen Wert beschränkt ist.
Das Programm beginnt danach mit der Erzeugung der Root- und Swappartition und kopiert die Daten schließlich von der CD/DVD auf die Festplatte der XBox. Dieser Vorgang kann einige Minuten in Anspruch nehmen. Um die Installation von Linux auf der XBox endgültig abzuschließen, müssen Sie in fünf weiteren Menüpunkten Ihre lokale Netzwerkkonfiguration (IP-Adresse, Subnetmask, Gateway, Host- und Domainnamen) festlegen. Dazu können Sie, falls Sie über keine spezielle Netzwerkkonfiguration verfügen, beispielsweise
192.168.0.2 als IP-Adresse,
255.255.255.0 als Subnetmask,
192.168.0.254 als Gateway (optional, falls vorhanden),
xbox als Hostname und
localdomain.local als Domainnamen verwenden. Damit ist die eigentliche Installation von Linux auf der XBox endlich abgeschlossen!
Starten Sie nun das System durch Eingabe des Befehls
reboot neu, entfernen Sie die eingelegte CD/DVD und wählen Sie im Hauptmenü (Dashboard) den Menüpunkt
Linux, um Linux erstmalig vollkommen von der Festplatte der XBox zu starten. Sobald das System gestartet ist, können Sie sich mit den oben beschriebenen Daten wie gewohnt am System anmelden und Ihnen steht fortan ein vollständiges Linuxsystem auf Basis der Debian-Distribution zur Verfügung. Weitere Informationen zur Verwendung von Debian finden Sie unter anderem unter [16] und [17]. Sollten Sie übrigens während der Arbeit mit Linux ein gewisses Kribbeln in den Fingern spüren, können Sie selbstverständlich auch nach der dauerhaften Installation von Linux jederzeit mit der XBox spielen, indem Sie einfach die Konsole (neu-) starten und das gewünschte Spiel einlegen. Viel Spaß :-)
Hilfe und Fazit
Das XBox Linux-Projekt hat geschafft, wovon Microsoft wohl nicht geträumt hat: Die Ausführung und Installation von Linux, d.h. von nicht durch Microsoft zertifizierte Fremdsoftware ist nun möglich. Diese wandelt die Spielkonsole in einen vollständigen PC um und zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche ungeahnten Möglichkeiten dieses phantastische Gerät bietet. Sollte es trotz dieser sehr ausführlichen Anleitung Probleme mit der Installation von Linux auf der XBox geben, finden Sie auf der Homepage des XBox Linux-Projektes (vgl. [12] und [18]) eine Mailingliste sowie zahlreiche Hilfetexte (vgl. u.a. [21]), die Ihnen zur Lösung Ihres Problems zur Verfügung stehen. Wie alle Open Source-Projekte lebt auch dieses von einer überaus starken und äußerst hilfsbereiten Community. Das Projekt betreibt einen sehr aktiven IRC-Kanal (vgl. [19]), auf dem interessierte Benutzer jederzeit kompetente und freundliche Hilfe bekommen können. Des Weiteren wird auf der Homepage des Projektes (vgl. [12]) unter dem Stichwort Users help Users weniger versierten Anwendern sogar angeboten, die notwendigen Modifikationen kostenlos für sie vorzunehmen. Dazu findet sich auf der Homepage eine weltweite Liste von Leuten, die diese Dienstleistung mehr oder weniger kostenlos anbieten (vgl. [20]): Als Gegenleistung wird unter anderem eine Tafel Schokolade, alte Hardware oder ein Bierchen akzeptiert, je nach Wunsch des helfenden Users. :-)
Den Linux-Kenner wird es kaum wundern, dass sich das Team nicht mit dem Erreichten zufrieden gibt, sondern das Projekt ständig weiterentwickelt wird: Auf dem Plan stehen unter anderem ein Grafiktreiber, der die Hardwarebeschleunigung des nVidia-Chips vollständig unterstützt sowie ein Treiber, der außer Lese- auch Schreibzugriffe auf die Memory Units der XBox erlaubt. Übrigens widmet sich Michael Steil, der Gründer des XBox Linux-Projektes, momentan einem weiteren ehrgeizigen Projekt:
Linux on (Nintendo) Gamecube (vgl. [22]). Wir dürfen also gespannt sein, was sich im Bereich der Konsolenumwandlung in der Zukunft tun wird, da die nächste Generation der Sony Playstation und der Microsoft XBox bereits vor der Tür steht und die auf dem Markt erhältlichen Geräte immer billiger werden ...
Dashboard Downgrade
Um den Missbrauch der XBox als Linux-PC zu unterbinden, liefert Microsoft die Spielkonsole seit ca. Januar 2003 mit einer aktualisierten und veränderten Version des Dashboards aus, die die Ausführung von Fremdsoftware und damit die Installation von Linux verhindert. Die Versionsnummer der eigenen XBox kann im Dashboard (=Hauptmenü der XBox) unter dem Menüpunkt Einstellungen herausgefunden werden. In diesem Menü erscheint nach Auswahl des Menüpunktes Systeminfo ein rechtlicher Hinweis, an dessen Ende die Versionsnummer der auf der XBox aktuell installierten Dashboardversion steht (z. B.
D: 1.00.5659.03). Ist die angezeigte Versionsnummer größer als
1.00.5659.0, muss manuell eine ältere Version des Dashboards installiert werden, damit die in diesem Artikel beschriebene Umwandlung der XBox in einen Linux-PC ordnungsgemäß funktioniert. Dazu benötigen Sie eine zweite XBox, die über eine ältere Softwareversion des Dashboards verfügt.
Um eine ältere Version des Dashboards zu installieren, müssen Sie die manipulierten Spielstände wie gehabt auf die XBox übertragen, das Spiel MechAssault einlegen und die Spielkonsole starten. Im Hauptmenü des Spiels müssen Sie den Eintrag Kampagne (engl.
campaign) selektieren und im erscheinenden Folgemenü Emergency Linux auswählen. Daraufhin startet ein Rettungssystem, welches ein minimales Linux im Textmodus bootet. Hinweis: Aufgrund eines Konfigurations- bzw. Softwarefehlers tritt bei der Verwendung einer XBox, die nach dem August 2003 produziert worden ist, in diesem Rettungsmodus ein starkes Flackern des Fernsehers auf, das den auf dem Bildschirm dargestellten Text unleserlich macht. Des Weiteren funktioniert im Rettungsmodus eine eventuell an die XBox angeschlossene Maus bzw. Tastatur nicht, sodass ein Zugriff auf die Spielkonsole nur über ein Netzwerk erfolgen kann.
Dazu verfügt die Spielkonsole auf der Rückseite interessanterweise über einen RJ45-kompatiblen Netzwerkanschluss, der mit Hilfe eines CrossOver- oder Patch-Kabels direkt oder unter Zuhilfenahme eines Switch bzw. Hubs mit einem Computer oder Netzwerk verbunden werden kann. Dabei verfügt die XBox im Rettungsmodus standardmäßig über die IP-Adresse 192.168.0.3 (Netzmaske: 255.255.255.0), sodass unter Umständen die Änderung der eigenen Netzwerkkonfiguration notwendig ist, um auf die Spielkonsole zugreifen zu können. Die korrekte Funktionsweise der Netzwerkverbindung zur XBox kann beispielsweise mit Hilfe des Befehls
ping kontrolliert werden:
$ ping -c 3 192.168.0.3
PING 192.168.0.2 (192.168.0.3) 56(84) bytes of data.
64 bytes from 192.168.0.3: icmp_seq=1 ttl=64 time=0.309 ms
64 bytes from 192.168.0.3: icmp_seq=2 ttl=64 time=0.412 ms
64 bytes from 192.168.0.3: icmp_seq=3 ttl=64 time=0.618 ms
Falls Sie keine oder eine stark abweichende Ausgabe erhalten, müssen Sie Ihre lokale Netzwerkkonfiguration erneut überprüfen und gegebenenfalls korrigieren. Andernfalls können Sie mit einem beliebigen FTP-Programm (z. B. GFTP für Unix/Linux oder ws_ftp für Microsoft Windows) unter Verwendung des Benutzernamens
root sowie des Passwortes
xbox eine FTP-Verbindung zur Spielkonsole (IP-Adresse: 192.168.0.3) aufbauen. Schalten Sie innerhalb der FTP-Verbindung auf den Transfertyp Binär (Binary) um und wechseln Sie auf dem Server (=XBox) in das Verzeichnis
/mnt/C. Erstellen Sie daraufhin eine Sicherheitskopie aller in diesem Verzeichnis vorhandenen Dateien und Verzeichnisse, indem Sie diese auf den lokalen Client übertragen. Löschen Sie danach den kompletten Verzeichnisinhalt und transferieren Sie die alte Version des Dashboards, die Sie vorher mit der gleichen Methode von einer anderen XBox auf Ihre lokale Festplatte übertragen haben (Verzeichnis
/mnt/C auf zweiter XBox nicht löschen!) auf die Spielkonsole. Beenden Sie danach die FTP-Verbindung zur XBox und starten Sie diese neu. Die Installation (Downgrade) einer älteren Version des Dashboards ist damit abgeschlossen.
Referenzen Für die Erstellung dieses Artikels haben wir uns folgender Quellen bedient:
[1]
www.heise.de/newsticker/meldung/44105[2]
www.heise.de/newsticker/meldung/46104[3]
www.heise.de/newsticker/meldung/44138[4]
www.heise.de/newsticker/meldung/44249[5]
prdownloads.sourceforge.net/xbox-linux/dist-1.0.1.tar.bz2?download[6]
www.heise.de/newsticker/meldung/11216[7]
cvs.sourceforge.net/viewcvs.py/xbox-linux/cromwell/[8]
www.xbox.com/de-DE/live/[9]
unmodded.mine.nu/docs/XboxUsbCompatibilityList[10]
www.ozxchip.com/downloads_content.htm[11]
prdownloads.sourceforge.net/xbox-linux/MechInstaller-1.0-FATX-Images.zip?download[12]
xbox-linux.sourceforge.net/[13]
xbox-linux.sourceforge.net/docs/debian.html[14]
www.debian.org/[15]
xbox-linux.sourceforge.net/docs/howtodebian.html[16]
channel.debian.de/faq/[17]
www.xinux.de/docs/linux/debian/[18]
xbox-linux.sourceforge.net/docs/mailinglist.html[19] Server irc.oftc.net, Channel #xbox-linux
[20]
www.xbox-linux.org/docs/usershelpusers.html[21]
wiki.xbox-linux.org/[22]
www.gc-linux.org/