Sonntag, 7. September 2008

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April 2006
aus Linux Enterprise Ausgabe: 3.2005
Frankophile Enterprise-Power
Mandrake Corporate Server 3.0
von Ralph Steyer

Mandrakesoft fokussiert sich bei Linux-Distributionen für den Privatmarkt traditionell auf gute Hardware-Unterstützung, eine einfache Installation und Benutzerführung und genießt bei seinen Desktop-Versionen gerade bei Einsteigern einen hervorragenden Ruf. Mit dem Mandrake Corporate Server 3.0 und dem Corporate Desktop als dafür optimierten Partner will Mandrakesoft aber auch im viel lukrativeren Enterprise-Geschäft seinen Anteil vom Kuchen. In der letzten Ausgabe 2.2005 von Linux Enterprise haben wir bereits die Enterprise-Strategien verschiedener Mitbewerber (SuSE/Novell, Red Hat, Debian und Sun) vorgestellt. Denen muss sich der Corporate Server 3.0 mit seinem Clientpartner zum Vergleich stellen.


Enterprise-Lösungen charakterisieren andere Faktoren als ihre Verwandten für den Privatgebrauch. Business-Kunden kaufen weniger ein oder mehrere Einzelprodukt(e) denn Konzepte. TCO (Total Cost of Ownership), Skalierbarkeit und Clustering-Fähigkeiten, vorhandene Applikationsserver und Programmierplattformen, Investitionssicherheit durch ausreichend lange Release-Zyklen, Supportleistungen oder Lizenzbedingungen sind die Schlagworte, bei denen eine Enterprise-Distribution keine Schwächen zeigen darf. Dazu müssen Fähigkeiten wie Identity Management (LDAP, ActiveDirectory-Integration), Sicherheitsfeatures, Usability und möglichst minimaler Aufwand beim Umstieg von anderen Systemen bereitstehen. Dahingegen adelt es eine als Server eingesetzte Enterprise-Distribution eher, wenn auf die Integration von unausgereiften oder überflüssigen Softwareprodukten verzichtet wird und ein System möglichst schlank daher kommt. Aber auch ein Desktop-Partner im Business-Umfeld sollte Anwender nicht mit Software, die für den Arbeitseinsatz unnötig ist, zum Spielen verführen und zudem Business-angepasst konfiguriert sein.




Solche Enterprise-Desktop-Systeme, die im Grunde meist abgespeckte Varianten der typischen Privatanwenderprodukte darstellen, sind deshalb in der Regel ausschließlich für typische Büroaufgaben auf einem Client ausgestattet, aber oftmals gegenüber Privatlösungen um einige spezifische Features erweitert. Die jeweiligen Serverdienste selbst stellt in einem Unternehmen normalerweise mindestens ein Enterprise-Serversystem wie der Corporate Server bereit. Desktop-Systeme bieten aus Verwaltungssicht vernünftigerweise keine Möglichkeiten zur Bereitstellung von Serverdienstleistungen wie Samba, Webserver oder NFS-Server an.

Die Mandrake-Features
Der Corporate Server von Mandrakesoft wurde nach eigenen Angaben für die neue Version gründlich erneuert und mit zahlreichen neuen Features ausgestattet. Offensichtlichste Neuerung ist wie bei der aktuellen Konkurrenz der Kernel 2.6 als Basis, der eine ganze Reihe der neuen Erweiterungen begründet. Dazu stellt Mandrakesoft mit dem neuen Corporate Desktop erstmals direkt einen schnellen, einfachen und kostengünstigen Linux-Partner für Business-Desktops bereit. Die Installation des Corporate Servers ist kaum einer Bemerkung wert. Sie ist in guter Mandrake-Tradition einfach und ausgereift (bis auf einige Sprachgemische). Dazu kommen sehr sinnvolle Defaulteinstellungen. So ist beispielsweise die Voreinstellung bei Sicherheit Hoch und statt einer schwergewichtigen GUI wie der KDE oder Gnome kommt XDM als Fenstermanager zum Einsatz (die KDE oder Gnome können aber natürlich nachinstalliert werden). Mit nur geringer Interaktion kann damit bereits ein vernünftig grundkonfiguriertes Serversystem aufgesetzt werden.
Wie üblich stellen auch bei Mandrake die Enterprise-Produkte im Kern eine weiterentwickelte und extrem weitreichend getestete Variante ihres Massenprodukts für den Privatanwender dar. Mandrakesoft verspricht sowohl für den Coporate Server als auch Desktop eine fünfjährige Produktlebensdauer und für den Server Release-Zyklen von 12 bis 18 Monaten. Obwohl die Release-Zyklen damit etwas kürzer als etwa bei SuSE/Novell sind (hier betragen sie 18 bis 24 Monate), sollte einem Anwender ausreichende Investitionssicherheit, Stabilität und Sicherheit gewährleistet sein. Die beim Server mitgelieferte Servertechnologie ist wie bei der Konkurrenz (natürlich) auf dem Stand der Zeit. Sei es NFS, LDAP, SMTP, NIS, Samba (Version 3 sowie ein Samba Tool zum einfachen Umstieg von Samba2 auf Samba3), Apache (Version 2) oder diverse weitere Applikationsserver. Typisch für Mandrake sind komfortable Konfigurationsassistenten auch für diese Server, um damit das Aufsetzen eines kompletten betriebsbereiten Systems in kürzester Zeit zu ermöglichen. Zwar werden Profi-Administratoren diese Assistenten kaum benötigen, aber nicht nur Befehlszeilenfreaks administrieren Server, und eine Systemeinrichtung muss ja nicht per Gesetz unbequem sein. Weitere interessante Features des Corporate Servers sind externe Terminals, integrierte kommerzielle Software wie z.B. die CrossOver Office Server Edition und NoMachine NX Server (Verwendung von zentral gelagerten Applikationen auf Thin Clients in einem Netzwerk), SMP und Hyper-Threading, NPTL, die automatisierte Installation durch PXE und automatische Hardware-Erkennung, die Unterstützung für x86-32- und x86-64-Architekturen, USB2 und IEEE1394, Unterstützung von journalisierenden Dateisysteme (etwa EXT3, ReiserFS oder XFS) und verschlüsselte Dateisysteme sowie für professionelle Hardware. Mit DrakPark gibt es ein neues Mandrakelinux-Tool zur leichten Aktualisierung von Software und zum Systemsicherheitsmanagement stehen Draksec und Drakperm zur Verfügung.




In einem der entscheidendsten Bereiche, dem Service und Support, bietet Mandrakesoft gängige Enterprise-Kost. Zur Wahl stehen für den Server Standard- und Premiumoptionen. Die Preise beginnen bei etwa 370 US-Dollar beziehungsweise 830 US-Dollar. Websupport steht in beiden Varianten unbegrenzt zur Verfügung, direkter Support über einen Zeitraum von einem Jahr. Dabei wird eine Reaktionszeit von zwei Arbeitstagen und eine 24-Stunden-Verfügbarkeit an sieben Tagen die Woche zugesagt. Wesentlicher Unterschied zwischen der Standard- und der Premiumoption ist die Verfügbarkeit des Extended-Server-Bereichs bei der Premiumoption. Bei der Standardoption erhält der Anwender Standard-Support plus Hilfe zum Apache-Webserver, Samba-Dateiserver, NFS, Postfix E-Mail-Server, FTP-Server, SSH Server, LDAP-Server, DNS, DHCP-Server und SQUID-Server. Die erweiterte Option umfasst den Standardsupport und beinhaltet erweiterte Unterstützung für TELNET, LDAP, NIS, DNS/DDNS, DHCP, SQUID, den Sympa-Server, den Datenbanken MySQL und PostgreSQL, CYRUS-SASL, Static Routing, Skripts zur System-Initialisierung, der Initialisierung, Netzwerk-Druckern, grundlegender Sicherheit sowie einem Basis-Backup. Mit dem Mandrakeonline Professional Level, der über eine Weboberfläche konfiguriert wird, kann ein Anwender die Aktualisierung eines kompletten Netzwerks durch einen zentralen und automatisierten Service in Anspruch nehmen.
Ralph Steyer ist Diplom-Mathematiker und hat nach dem Studium einige Jahre als Programmierer bei einer großen Versicherung gearbeitet. Seit 1995 ist er Freelancer und hält Computerschulungen, schreibt EDV-Fachartikel und -Bücher und berät Firmen. Zu erreichen ist er unter www.rjs.de.

Bezug und mehr Infos
Mehr Infos gibt es unter www.mandrake.com beziehungsweise www.mandrakesoft.com/business/corporate-server. Bezüglich der Kompatibilität der Mandrakelinux-Produkte wird unter www.mandrakelinux.com/de/hardware.php3 eine Liste bereitgestellt. Zur Kosteneinsparung bei der Anschaffung und Implementierung mehrerer Lizenzen gibt es Infos unter www.mandrakesoft.com/psmp.


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