Sonntag, 12. Februar 2012





April 2006
JAX in neuer Location
JAX 2005: europäische Konferenz für Java-Technologien, Industrie & Community
von Alexander Neumann und Sebastian Meyen

Vom 9. bis 13. Mai 2005 fand in Frankfurt die fünfte JAX - Konferenz für Java, XML und Web Services - statt. Mit über 1.200 Teilnehmern konnte die Konferenz eine Steigerung von 20 Prozent verzeichnen und auch die Zahl der Aussteller ist auf 45 gestiegen. Insgesamt konnten die Besucher aus einer Anzahl von rund 130 Sessions und insgesamt neun Keynotes und Late Talks auswählen - auch das eine neue Höchstmarke für die JAX. Wie in den Jahren zuvor konnten zudem zahlreiche internationale wie auch nationale renommierte Speaker als Vortragende gewonnen werden. Am neuen Standort der JAX, dem Congress Center im Herzen Frankfurts, herrschte dennoch weniger Gedränge in den Sessions und in der Ausstellung - die Location wurde von der Community mit großer Zustimmung angenommen.


Neu an der JAX ist das erweiterte Konzept. Der dreitägigen Hauptkonferenz (10.-12. Mai) wurde am Montag (9. Mai ) als neuer Programmpunkt der Management Day vorangestellt, der parallel zu den etablierten Power Workshops lief. Die 1.200 JAX-Teilnehmer konnten aus insgesamt neun Management-Day- und fünf Mobility-Day-Vorträgen, ca. 130 Sessions, sieben Keynotes, zwei Late Talks sowie insgesamt zehn ganztägigen Power Workshops ihr individuelles Programm zusammenstellen und bekamen dabei die Gelegenheit, sich über aktuelle technologische Entwicklungen zu informieren. Zusätzlich zu den bewährten Tracks der Hauptkonferenz (Enterprise, Web Apps, Web Services, Projekte managen, Modellieren, Paterns und Generieren, Testen und Qualitätsmanagement, Basics, Desktop und XML) gab es zum ersten Mal einen eigenständigen Track zum Thema Eclipse mit nahezu 20 Sessions. Das Programm war im Vorfeld der JAX durch ein Advisory Board zusammengestellt worden, das sich aus den Java Magazin-Autoren Adam Bien, Andreas Holubek und Peter Roßbach sowie Daniel Adelhardt von Sun Microsystems und Java Magazin-Chefredakteur Sebastian Meyen zusammensetzte.Von Montag bis Donnerstag fand zudem die JAX Expo statt, wo die Teilnehmer sich auf zwei Ebenen an den Ständen der Aussteller über deren Produkte und Services beraten lassen konnten. Als Aussteller waren u.a. die Sponsoren der JAX IBM, Borland, Compuware, Microsoft, SAP, Sun, BEA, ObjectStore sowie weitere wichtige Unternehmen der nationalen und internationalen Java-Industie vor Ort.

Management Day & Eclipse Code Camp
Die neun Vorträge des Management Day gaben einen Einblick in IT-strategische Themen und boten Orientierungshilfen für J2EE-basierenden Enterprise-Projekte. Schlagwörter wie Offshore, iterative Softwareentwicklung, Agile Development sowie Organisation von MDA-Projekten prägten hier die Debatte. Ein weiterer Vortrag widmete sich dem Lösen von sozialen Problemen in Teams und daraus resultierenden Risiken in Softwareprojekten. Als Vortragende waren u.a. Adam Bien und Bruce Sams sowie die Entwicklungs-Coaches und Buchautoren Jutta Eckstein, Frank Westphal und Bernd Oesterreich und schließlich Bill Curtis von Borland mit von der Partie.Den Management Day beschloss Bill Curtis von Borland. Er ist Gründer des Consulting-Unternehmens TeraQuest, das im Januar von Borland übernommen worden war. Im Zentrum seines viel beachteten Vortrags stand dabei die effizientere Gestaltung der Entwicklungsprozesse durch Anwendung von CMMI (Capability Maturity Models Integration), an deren Spezifizierung Curtis mitgearbeitet hat. CMMI ist ein Prozessmodell zur Beurteilung und Verbesserung der Qualität (Reife) von Produkt-Entwicklungsprozessen in Organisationen. Ein solches Prozessmodell kann verwendet werden, um die Stärken und Schwächen einer Produktentwicklung objektiv zu analysieren, um Verbesserungsmaßnahmen zu bestimmen und diese in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Es handelt es sich um eine offizielle Überprüfung eines Reifegrades und ist in der Industrie als de facto anerkannte Auszeichnung akzeptiert.


>Abb. 1: Bill Curtis auf dem Management Day

Am Abend des ersten JAX-Tages lud das Eclipse Magazin zum Eclipse Code Camp bei Pizza und Drinks. Hier leisteten Erich Gamma und sein OTI-Team sowie weitere erfahrene Eclipse Coaches bei kniffligen Fragen zu Eclipse Hilfestellung und die Teilnehmer konnten dabei Gedanken austauschen und Lösungen erarbeiten. So berichteten Teilnehmer auf der JAX-Blogging-Seite, dass sie z.B. ein Eclipse-Plug-in geschrieben hätten, welches Refactorings im JDT auslösen kann. Das soll eines Tages benutzt werden, um im Codegenerator AndroMDA die Änderungen, die ein User im UML-Modell macht, (z.B. Umbenennen eines Modellelementes) auch sofort im generierten wie im handgeschriebenen Code nachzuvollziehen.

The Future of Persistence
Nach der Eröffnung durch Sebastian Meyen startete Craig Russell (JDO Spec Lead) die JAX mit seiner Keynote The Future of Persistence. Ausgehend von einer historischen Betrachtung der Java-Persistenz bot er einen Überblick über die verschiedenen miteinander in Konkurrenz stehenden Persistenztechniken. Er verwies auf deren Vor- und Nachteile sowie deren spezifische Ausrichtungen auf besondere Anwendungsfälle hob die für ihn herausragenden Fähigkeiten des Domain Object Model (DOM) hervor. Schließlich wies er darauf hin, dass man im zukünftigen Standard EJB 3 die Persistenzthematik von den drei Faktoren JDO, Hibernate und TopLink beeinflusst werde. Diese drei Techniken, lange Zeit im sogenannten Persistence War verwickelt, bieten in Kombination einen Ausblick auf die Zukunft der Java-Persistenz im Enterprise-Umfeld. Welche zwei Technologien hier dominieren verrate ich Ihnen jetzt nicht, fügte der JDO-Experte mit Sarkasmus hinzu.


Abb. 2: Craig Russell während seiner Keynote

Im Zeichen von Eclipse
Im Laufe des ersten Hauptkonferenztages setzte das Thema Eclipse deutliche Akzente. So hielt Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, am Abend die zweite Keynote des Tages. Milinkovich hob hervor, dass man Eclipse nicht nur als Plattform für Java-Tools sehen dürfe, vielmehr gehe es dabei - auch im Rahmen der letztes Jahr gegründeten Eclipse Foundation - um ein Eco-System, bei dem z.B. auch C++ und CORBA sich wieder fänden. Die Basis liege in der Philosophie hinter dem Eclipse-Projekt, dass jedes Element in und um Eclipse ein Plug-in sei.Des Weiteren gab er eine Bilanz darüber, was sich seit der Gründung der Foundation getan hat. So finden sich in der Foundation nach neuesten Zahlen 98 Mitglieder und über 40 Open-Source-Projekte wieder. Auch ist die Zahl von etwa 50 Mio. Downloads ein deutliches Beispiel für die breite Akzeptanz in der Developer Community. Gerade im letzten Vierteljahr konnten Unternehmen wie BEA, Borland, Computer Associates, Sybase und Wind River als Strategic Developer gewonnen werden, die die Zahl von insgesamt 13 Strategic Developern komplettieren. Weiterhin gab Milinkovich einen Überblick über den Aufbau der einzelnen Projekte auf eclipse.org und verdeutlichte, wie sich die in diesem Jahr lancierte und alle halbe Jahre einem Update unterzogene Projekt-Roadmap darstellt.


Abb. 3: Total Eclipse Mike Milinkovich, Erich Gamma und Sebastian Meyen am zweiten Abend der JAX

Erich Gammas Late Talk Build to Last ging in seinem Late Talk auf die Version 3.1 von Eclipse ein, deren Final Release für diesen Sommer erwartet wird. Nachdem Eclipse nun im Sturm die Herzen und auch die Rechner der Entwickler gewonnen habe, gilt es heute, so Gamma, eine längerfristige Perspektive für das Entwicklungsframework zu schaffen, die auch ein eventuelles Abebben des Hypes in der Zukunft zu überdauern vermag. Auch machte sich Gamma Gedanken, wie sich auf lange Sicht eine vibrierende Developer Community erhalten lässt.Im Mittelpunkt seines Talks stand die Frage, wie lässt sich das Prinzip Flexibilität mit dem Ziel der Dauerhaftigkeit vereinen. In Analogie zur Architektur von Gebäuden, wo die verschiedenen Elemente wie Fundament oder Möblierung von sehr unterschiedlicher Beständigkeit sind, zeigte er auf, wie Eclipse gleichzeitig dauerhaft und wandlungsfähig sein kann. Unsere Plug-in-Architektur ist eigentlich nichts Innovatives. Innovativ daran ist nur, dass wir sie so konsequent durchgezogen haben, bemerkte er, das wichtigste Merkmal für die Zukunftsfähigkeit von Eclipse erläuternd. Auf der anderen Seite habe man das Thema Flexibilität sehr pragmatisch erfasst - Flexibility that matters anstelle von generischer Flexibilität bei jedwedem API.

Mehr Keynotes
Am zweiten Hauptkonferenztag hielt Dennis Leung, Vice President of Development for EJB and TopLink bei Oracle, die erste Keynote des Tages. Sein Vortrag EJB: There's something different about you! gab einen Überblick über die nächstes Jahr im Frühjahr zu erwartende Version 3 der Enterprise JavaBeans (EJB). Dabei hob er vor allem hervor, dass das Ease of Development zentraler Grundgedanke der neuen Version ist, die es als Preview-Implementierungen bereits von diversen Unternehmen gibt (u.a. Oracle, JBoss). Zentral dabei der Verzicht auf Home Interfaces, Deployment-Deskriptoren sowie Session Bean Interfaces. Dieses und darüber hinaus zahlreiche weitere Features wurden an einigen Codebeispielen verdeutlicht.


Abb. 4: Dennis Leung von Oracle


Abb. 5: George Paolini von SAP

Weiter ging es mit George Paolini, Gründungsmitglied des Java Community Process, der das Unternehmen SAP, bei dem er Senior Vice President Platform Ecosystem Development ist, als Anbieter sowohl von Solutions als auch einer Plattform für Unternehmensanwendungen präsentierte. Ins Zentrum seiner Darstellung The Killer Platform rückte er die Enterprise Service Architecture (ESA), die als Gravitätszentrum zahlreiche businessrelevante Endpoints wie Storage, branchenspezifische Systeme und auch Netweaver fungiere.Um Kriterien für erfolgreiche Technologien, die sich dauerhaft am Markt etablieren, bemühte er Vergleiche aus der jüngeren IT-Geschichte, wo proprietäre Technologien mit offenen Ansätzen konkurrierten und zumeist das offene, standardbasierte Konzept als Sieger hervorgegangen sei. Warum habe sich nicht Compuserve durchgesetzt, sondern das World Wide Web, obwohl Ersteres jahrelangen Vorsprung besaß? Warum sind nicht herstellerspezifische Tools marktführend, sondern heute Eclipse? Warum habe nicht der Mac das Rennen gemacht, sondern der PC? Und warum gehört nicht ABAP die Zukunft, sondern Java? Diese Lessons from History haben SAP gezeigt, dass ein offener Ansatz auf Dauer deutlich bessere Chancen besitze, sich am Markt zu behaupten, als proprietäre. Merkmale erfolgreicher Technologien seien einfache Verfügbarkeit, Erweiterbarkeit sowie generischer Aufbau bei möglichst hoher Disposition zur Spezialisierung, so Paolini.Als folgenden Programmhöhepunkt gab es dann noch den Late Talk von Prof. Rainer v. Ammon und Daniel Jobst. Die beiden Late Talk-Sprecher vom Institut für Bankinnovationen an der Uni Regensburg gingen auf das momentane Hypethema serviceorirentierte Architekturen (SOA) ein. Web Services, die zugehörigen Techniken und Protokolle, seien bekannt und würden heute bereits in vielen Projekten verwendet. Jedoch handelt es sich beim einfachen Einsatz von SOAP, WSDL & Co. bereits um serviceorirentierte Architekturen (SOA)? Beileibe nicht, wie der Vortrag deutlich machte. Die beiden Late-Talk-Sprecher verdeutlichten anhand eines so genannten Enterprise-Cockpits einer großen deutschen Bank, welche architektonischen Voraussetzungen zu treffen sind, um eine Unzahl heterogener Anwendungen unter einen technologischen Hut zu bringen. Mit feinen Spitzen gegen die Toolanbieter (den Adapter müssen Sie eigentlich nur runterladen, deployen und nach drei Minuten läuft die Legacy-Anbindung) und jeder Menge ironischer Bemerkungen über Buzzwords und Illusionen der Hersteller und Unternehmensmanager lieferten die beiden einen gewinnbringenden Überblick über die Komplexität großer Integrationsprojekte. Eine Ernüchterung aber bleibt: Wenn Sie eine SOA einführen, dann sind Sie am Ende zwar flexibel in Ihrem Unternehmen, brauchen aber mindestens drei Jahre Zeit für deren Einführung.

<table bgcolor="#000000" cellpadding="6" cellspacing="1" border="0"><tr><td bgcolor="#FFFFFF">Ungewohnt und doch bekannt - persönliche Eindrücke von der JAX 2005</td></tr><tr><td bgcolor="#FFFFFF">Wir waren in diesem Jahr zum vierten Mal auf der JAX als Speaker und zum ersten Mal mussten wir bei der Anreise aus Paderborn daran denken schon am Westkreuz Frankfurt die Autobahn zu verlassen. Hier begann bereits die Reise in eine andere JAX-Welt, die ungewohnt, aber doch in vielen Punkten sehr bekannt war. Die neue Location (wie es so schön heißt) war nicht mehr ein Hotel mitten in der Pampa, sondern das Congress Center im Herzen der Mainmetropole.
Doch schon beim Betreten wurden wir von den bekannten JAX-Gesichtern begrüßt und die erste Annäherungsangst war genommen. Ein Blick in die Runde und man wusste - die JAX ist richtig groß geworden. Durch den Ausbau des Sessionprogramms konnte man aus einer teilweise fast schon unübersichtlichen Fülle für sich das Richtige auswählen. Was wir vermisst haben, sind mehr persönliche Erfahrungsberichte und Diskussions-Panels - davon werde es aber, so versicherten uns die Veranstalter, bei künftigen JAXen mehr geben. Höhepunkt der JAX waren für uns die Keynote von Mike Milinkovich und der Late Talk von Erich Gamma. So konnten wir aus erster Hand interessante Einblicke in das Eclipse-Produkt und in die Foundation erhalten.
Auch am neuen Ort gab es genügend Platz und Zeit für Entspannung zwischen den Sessions. Überhaupt geizt das Congress Center nicht mit Platz und im Vergleich zu den Vorjahren musste man sich nicht zu sehr durch Menschenmassen quälen, um von einem Raum zum nächsten zu gelangen. Abends konnte man sich dann in der JAX-Lounge entspannen oder im Foyer bei lauterer Musik abtanzen. Auch dieser JAX-Programmpunkt war gut gelöst - wenn auch hier bestimmt noch Platz für Verbesserung ist. Denn so ganz an die legendären Partys im JAX-Hotel reichte es in diesem Jahr nach unserer Meinung noch nicht.
Zusammenfassend waren wir positiv überrascht. Die JAX hat den sicherlich nicht einfachen Übergang von einer kuscheligen Familienkonferenz hin zu einem der wichtigsten europäischen IT-Events mit Bravour bestanden. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft die bekannten Stärken der JAX auch nicht verloren gehen.
<span style="float: right;">Matthew Langham & Carsten Ziegeler</span></td></tr></table>

JAX, 3. Tag
Auch am letzten der drei Hauptkonferenztage wurden weitere inhaltliche Highlights präsentiert. So hielt mit Petr Hrebejk einer der Kernentwickler aus dem Netbeans-Team an dem Tag seine Netbeans-Session, an dem die neue Version 4.1 für final erklärt worden war. Des Weiteren gab Adrian Colyer, der Project Lead des AspectJ-Team ist, eine Keynote Aspect Oriented Programming with AspectJ, in der er die Prinzipien der aspektorientierten Programmierung anschaulich und mit vielen einleuchtenden Beispielen dem interessierten Auditorium erläuterte. Die letzte Keynote kam dann von Microsoft. Hier stellte Dariusz Parys Microsofts Paradigmenwechsel hin zu so genannten Softwarefabriken vor. Er verdeutlichte das anhand einer Live-Demo einer Beta-Version des noch dieses Jahr erscheinenden Visual Studio 2005 Team System.Ihren Abschluss fand die Konferenz in der Abschlussveranstaltung, auf der - obligatorisch - zahlreiche Preise wie Softwareprodukte, JAX-Teilnahmen, Bücher u.v.a.m. verlost wurden. Damit ging eine überaus erfolgreiche Konferenz zu Ende, die zusätzlich zu den hier vorgestellten inhaltlichen Höhepunkten auch mit zahlreichen zum Teil neuen Community Features aufwartete, wie z.B. das zweimal stattfindende JAX Jogging, Massage, Kicker-Automaten sowie JAX Partys mit Livemusik, DJ, Kino und Freibier - aber das sehen Sie ja in unserer Bildercollage.




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