Donnerstag, 24. Mai 2012

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April 2006
aus Linux Enterprise Ausgabe: 5.2005
Mein liebes Tagebuch!
Das Weblog Serendipity
von Karlheinz Günster

Früher gab es das Poesie-Album und das Tagebuch. Gut, das gibt es auch heute noch, aber das ist im Internet-Zeitalter fast völlig out, denn jetzt wird gebloggt, und zwar im Weblog. Weblog ist ein zusammengesetztes Kunstwort aus Web und Logbuch. Darin schreibt zunächst einmal der Autor seine Gedanken und alles, was ihm so einfällt, nieder und hofft, dass es jemand im Internet liest und darauf antwortet. Was der Kommunikation aller im Internet dient, kann auch in einem Intranet hilfreich sein. Warum also nicht ein Weblog im internen Netzwerk verwenden? Dinge können darin wie auf einem schwarzen Brett bekannt gegeben und auch gleich kommentiert werden. Wir haben uns einen Vertreter der Weblogs, Serendipity, angeschaut und erklären, wie es in Betrieb genommen wird.


Mit dem Begriff Serendipity ist das gemeint, was man im Web beim zufälligen Surfen als positive Überraschung entdecken kann. In unserem Fall ist aber alles Absicht. Sie finden das Softwarepaket auf [1]. Lassen Sie sich nicht von der Ziffer 9 im Namen irritieren, sie steht stellvertretend für die neun ausgelassenen Buchstaben. Es gibt noch eine weitere Reihe schöner Blogsoftware. Eine Übersicht dazu finden Sie unter [2]. Bei den Distributionen gibt es kein einheitliches Bild. In der aktuellen SuSE-Linux-Version 9.3 ist kein Weblog dabei, während Debian Sarge gleich mehrere anbietet. Uns gefiel bei Serendipity spontan, dass es sich leicht einrichten lässt, eine Datenbank benutzt und deshalb auch größerem Ansturm gewachsen ist, und weil es alles Erforderliche mit dabei hat. Das alles trifft aber auch auf viele andere Weblogs zu.
Nach dem Download des 1,5 Megabyte großen Paketes wird es mit tar xvfz serendipity-0.8.1.tar.gz ausgepackt, und zwar am besten gleich in das Document-Root-Verzeichnis des Webservers. Das kann im systemweiten /usr/local/httpd/htdocs sein, unterhalb von /var/www/htdocs oder in einem Benutzerverzeichnis ~/public_html. Damit könnten beispielsweise mehrere Mitarbeiter auf einem Rechner problemlos über ihr eigenes Blog verfügen. Beachten Sie, dass Sie den Apache dafür einrichten müssen. Das bedeutet, dass Sie die Auslieferung von Dokumenten aus dem Homeverzeichnis gestatten müssen, indem Sie das Modul userdir freigeben. Das geschieht unter Debian mit a2enmod userdir. Danach sollte in einem Webbrowser unter der Adresse localhost/~Benutzername/serendipity die Datei index.php erreichbar sein. Falls Ihnen Ihr Browser nur einen Download von index.php anbietet, funktioniert die Zusammenarbeit mit PHP nicht. Dann müssen Sie PHP für den Apache installieren. Bei Debian heißt das Paket libapache2-mod-php4. Es gibt für die Webserver-Version 1.3 und 2 jeweils eigene Pakete. Vergessen Sie danach nicht, das neue Modul mit a2enmod php4 zu enablen. Taucht nun nach dem erneuten Aufruf im Browser keine Seite mit dem Titel Serendipity Installation auf, könnte es helfen, den browsereigenen Cache zu löschen, ihn für diese Zeit auf den Wert Null zu setzen und einen eventuellen Proxy zu umgehen, sowie in die Logdateien des Webservers zu schauen. Und, wenn das alles nichts hilft, einmal den Browser schließen, auf dass sich dessen Anzeige damit endlich aktualisiert.


Abb. 1: Bei der Installation gibt Serendipity bekannt, was fehlt und was verbessert werden kann.

Konfiguration im Browser
Die Version 0.8.1 von Serendipity kann sich mittlerweile geändert haben. Im neuen Verzeichnis serendipity werden Sie keine Readme-Datei finden, dafür müssen Sie ins Verzeichnis doc wechseln. In der Datei INSTALL steht alles Notwendige für die Inbetriebnahme. Die Einrichtungsseite (Abb. 1) von Serendipity ist in die Abschnitte PHP installation, php.ini configuration und Permissions unterteilt. Angezeigt werden verschiedene Werte in den Farben Grün, Orange und Rot. Das heißt Alles in Ordnung, Empfehlung und Hier muss man etwas tun. Wir sehen, dass bei unserer Beispielinstallation die Database Extensions fehlen und dass wir Verzeichnisrechte erweitern müssen. Ganz unten auf der Seite steht sogar, wie es geht. Falls Sie sich wundern, was hier ImageMagick sucht: Das wird gebraucht, wenn Bilder angeliefert werden, deren Größen in der Regel reduziert werden müssen. Fangen wir mit dem Einfachsten an und erweitern die Rechte mit chmod 1777 serendipity/ serendipity/templates_c. Wichtig ist das Sticky-Bit, das in unserem Fall dafür sorgt, dass nur derjenige, dem die Dateien im Verzeichnis gehören, sie löschen darf, und kein anderer. Ein neuer Check sagt uns jetzt, dass nur noch eine SQL-Datenbank eingerichtet werden muss, um dem Database-Fehler zu begegnen. Wenn Sie noch keine Datenbank installiert haben, richtet bei Debian ein apt-get install php4-mysql mysql-server auch diese mit ein. Installieren Sie zusätzlich phpMyAdmin oder mysql-admin, mit denen bequem Benutzer für die Datenbank zugefügt werden können. Debianer finden ihren ersten Zugang zur SQL-Datenbank in der Datei /etc/mysql/debian.cnf und SuSE-Nutzer in /etc/my.cnf. Unter user und password sind die Anmeldedaten eingetragen. Wir benutzen mysql-admin, das unter SuSE mysql-administrator heißt. In der User-Administration legen Sie den Benutzer an, den Sie in Serendipity für den Datenbankzugang eintragen. Weisen Sie dem Benutzer mit Rechtsklick den localhost zu und gewähren Sie ihm im Karteikartenreiter Schema Privileges ausreichend Rechte, denn Serendipity legt die Datenbank mit den verschiedenen Feldern selbst an. Sie müssen sich nur um die Zugangsmöglichkeit und die ausreichenden Rechte, eine Datenbank anzulegen und in ihr schreiben zu können, kümmern. Dafür legen Sie die Schemata mit dem Namen Ihrer Wahl, in unserem Fall Serendipity, an. Das ist der Name der Datenbank, die Sie im Konfigurationsdialog von Serendipity angeben. Als Datenbanken sind außer MySQL auch PostgreSQL und SQLite möglich. Letztere wird aber nicht vollständig unterstützt.


Abb. 2: Die Installation ist geschafft und die SQL-Datenbank eingerichtet.

Module zusammensuchen
Wenn Sie die Empfehlungen berücksichtigen wollen, dann ändern Sie bei Bedarf die Konfigurationsdatei php.ini, die sich bei Debian im Verzeichnis /etc/php4/apache2 befindet und bei SuSE in /etc/php5/apache2. Unter SuSE 9.3 wollte die Installation erst mit PHP5-Modulen für den Apache starten. Unter Umständen muss man sich die Pakete auch erst zusammensuchen. Falls GDlib nicht auftauchen will: Es heißt je nach Version php5-gd oder php4-gd. Abgesehen davon ist das Finden der benötigten Module nicht so schwer, wenn man in YaST nach nach php- sucht. Bei Debian hilft für diesen Fall ein apt-cache search php | grep gd weiter.
Anschließend trifft man die Entscheidung zur einfachen oder der Experten-Installation. Wir sind heute die Experten. Die sich jetzt präsentierenden Felder sind bereits mit sinnvollen Vorgaben belegt. Tragen Sie das Kennwort für die Datenbank und vor allem den Namen des Administrators ein, der das Weblog verwalten soll. Hier können Sie schon in etwa erahnen, wie das Ganze funktioniert. Trägt jemand etwas ins Weblog ein, können Sie benachrichtigt werden. Suchen Sie sich einen Namen und eine Beschreibung aus, die bevorzugte Sprache, die Zahl der Einträge, die auf der Seite erscheinen sollen und vieles mehr. Interessant ist die Möglichkeit, den Browser als WYSIWYG-Editor zu benutzen. Das soll laut Hinweis nur mit einem Browser neuer als Mozilla 1.3 gehen. Derzeit ist 1.7 aktuell.
Möglich sind weitere Einstellungen, die vor E-Mail-Adressen-Klau und Werbung schützen. So könnten von Gästen - oder bösen Menschen - Links auf Werbung platziert werden. Die werden auf Wunsch von Serendipity nur als Text dargestellt.
Die anschließende Erfolgsmeldung von Serendipity kann trotzdem täuschen, denn unter Umständen kann es sein, dass in dem aktuellen Verzeichnis gar keine Anweisung Directory Index erlaubt ist, die von Serendipity erstellt worden ist. Der Webserver antwortet dann mit 500 Internal Server Error. Dem können Sie abhelfen, wenn Sie in der Konfigurationsdatei des Apache im Abschnitt zur Anweisung AllowOverride den Begriff Indexes hinzufügen. Sollte es einmal Schwierigkeiten geben, Ihr Weblog nicht mehr startet, weil sich vielleicht die Datenbankeinstellungen geändert haben, passen Sie die Datei serendipity_config_local.inc.php an. Darin stehen die Zugangsdaten. Wenn Sie die Datei löschen, gelangen Sie beim nächsten Aufruf wieder in den Konfigurationsdialog und können von vorne beginnen.


Abb. 3: Das neue Weblog läuft, die ersten Einträge sind verfasst. Das Design lässt sich weitgehend anpassen.


Ist das alles geschafft und Sie sehen Ihr leeres Weblog, dann herzlichen Glückwunsch! Ziemlich unten auf der rechten Seite führt ein Link zur Administration. Hier können Sie das Fine Tuning vornehmen. Beachten Sie die blauen Kästchen mit dem + darin. Wenn Sie darauf klicken, tauchen weitere Optionen auf. Sie können an dieser Stelle Beiträge und Kommentare schreiben, Bilder einfügen, das Aussehen des ganzen Weblogs verändern. In das Weblog können Kalender installiert werden, eine Suchmöglichkeit und es können Kategorien vergeben werden. Bieten Sie RSS-Feeds an, lassen Sie den Hinweis des Herstellers eingeblendet und entfernen Sie aus Sicherheitsgründen den Link zur Verwaltung, damit niemand auf dumme Gedanken kommt. Merken Sie sich dann aber die Administrations-Seite: serendipity_admin.php. Sie können neue Benutzer anlegen und die zu Administrator, Chefredakteur und Redakteur ernennen, damit diese selbst Beiträge verfassen.

Ersatz für Schwarzes Brett
Innerhalb einer Firma könnte die Geschäftsleitung damit Neuerungen bekannt geben. Dabei könnte sogar das Datum gewählt werden, ab wann der Eintrag automatisch sichtbar werden soll. Gleichzeitig wird mit diesem Weblog die Möglichkeit für die Mitarbeiter geschaffen, zum Bekannt gegebenen Stellung in Form von Kommentaren zu nehmen. Das könnte einen Mangel an Kommunikation verbessern helfen, wenn die Rückmeldungen von den Verantwortlichen dann auch gelesen werden.

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