Flash feiert seinen zehnten Geburtstag. Die Technologie hat maßgeblichen Einfluss auf das Internet genommen und in hohem Maß zum bewegten Web beigetragen. Wurde Flash zu Beginn überwiegend für Animationen und Buttons genutzt, ist es heute eine anspruchsvolle Technologie, die neben Video-Streaming und dynamischen Interaktionen auch die Gestaltung von komplexen Anwendungen ermöglicht. Deutschlands Flash-Entwickler ziehen Bilanz und zeigen, was das Besondere an Flash ist und welche glorreiche Zukunft ihm noch bevorsteht.
"Liebe Flash, endlich bist Du Teenager, dabei hast Du Deine zickige Zeit schon hinter Dir und bist bereits erwachsen geworden. Seit zehn Jahren arbeite ich fast ausschließlich mit Dir und lebe mit 18 Kollegen sehr gut davon. Vielen Dank für tolle kreative Möglichkeiten, grenzenlose kreative Freiheit, ganz große Emotionen und nahezu unbegrenzte Interaktivität. Du machst mir jeden Tag mehr Spaß. Dein Powerflasher." So zu lesen auf der Geburtstagskarte für Flash, die Carlo Blatz, Gründer der Powerflasher siehe auch kasten
GmbH und seit 1997 bekennender Flasher, aus aktuellem Anlass verfasste.
Am Anfang war der LEGO-Stein.
Die ganze Geschichte fing mit LEGO-Steinen an, und zwar mit jenen von Jonathan Gay, dem Gründer des Unternehmens FutureWave Software. Inspiriert durch die rechteckigen Steinchen entwickelte er um 1994 ein einfach zu bedienendes Zeichenprogramm namens SmartSketch. Kurz darauf wurde daraus ein Animationsprogramm, das später den Namen FutureSplash Animator und einen passenden Player erhielt. Das Neuartige an der Software war die Fähigkeit, Inhalte nicht nur auf Video, sondern auch im Internet präsentieren zu können. Macromedia kaufte diese Technologie 1996 ein und brachte die erste Version von Flash und Flash Player auf den Markt. Von diesem Zeitpunkt an war Flash in der großen weiten Welt unterwegs und lernte dazu. Beinahe jedes Jahr kam eine neue Version von Flash auf den Markt. 1999 gelang dem Unternehmen mit Flash 4 der große Durchbruch und die Technologie setzte sich durch.
Im Folgejahr machten sich aus diesem Grund viele Firmen die Technologie zu eigen und entwickelten passende Produkte. Dem internettauglichen Format gab man den Namen Shockwave Flash (SWF) und nannte es später Small Web Format, um Verwechslungen mit anderen Macromedia-Produkten zu vermeiden. Die sechste Version von Flash namens Flash MX aus dem Frühjahr 2002 konnte schließlich erstmals Video verarbeiten.
Die Bilder haben laufen gelernt.
Die hinzugewonnene Interaktivität des Mediums Internet ist die eine Besonderheit, die Flash zu verantworten hat. Sie hängt eng mit der Integration von Video zusammen, da Flash-Videos dem Anwender die Interaktion ermöglichen – jeder kann mitmachen. "Erlebnis" ist das große Stichwort: Sei es, indem in einem Video interaktive Elemente hinzugefügt oder spezielle Funktionen zugewiesen werden, die es beispielsweise möglich machen, von einer Stelle im Film an eine andere zu springen. Flash innerhalb eines Videos, Video innerhalb einer Flash-Anwendung, progressiver Download, "echtes" Streaming oder Flash Video Streaming Service sind dabei die Möglichkeiten der Wahl. Jens Franke, Interactive Developer, erinnert sich an diesen plötzlichen Umbruch: "In den Anfängen konnte man mit Flash 'nur' Animationen erstellen, die selbstablaufend waren. Das Internet ist aber ein Medium, das von den Interaktionen zwischen Mensch und Maschine lebt. Somit ist ohne Frage für mich der erste Meilenstein die Verknüpfung von Animation mit Interaktion."
Es war einmal ein Animationsprogramm...
1996 Geburt von FutureSplash
Macromedia übernimmt FutureWave
1997 FutureSplash geht als Macromedia
Flash 1.0 in den Verkauf
Flash 2.0 und der FlashPlayer werden veröffentlicht
1998 100.000 Versionen von Flash ausgeliefert
Flash 3.0 ist verfügbar
1999 Flash Player im Internet Explorer 5.0 enthalten
Flash Player 1.000.000 Mal heruntergeladen
Flash 4.0 wird veröffentlicht
2000 Flash Player wird von 92 Prozent aller User eingesetzt
Erste Version von Flash 5.0 und Flash Player 5.0 verfügbar
2001 Flash auf Symbian OS
2002
Flash MX, Studio MX und Flash 6 mit Videounterstützung kommen auf den Markt
2003 Flash MX 2004, Flash Player 7 ausgeliefert
2004 FlashLite 1.0 verfügbar
Flex 1.0 wird ausgeliefert
2005 FlashLite 2.0 verfügbar
Flash 8.0 und Flash Player 8 gehen in den Verkauf
Adobe übernimmt Macromedia
2006 Flash Player 9 als jüngste Entwicklung verfügbar
Im Gegensatz zu klassischen Videoformaten kann es sich hier um eine beliebige Form handeln: Ein Video muss nicht immer rechteckig sein. Die Verarbeitung von Videos hat Adobe mit der aktuellen Version 8 des Formates ebenfalls grundlegend erneuert. So gibt es neben dem Sorenson Sparc Codec (Sorenson H.263) nun ein weiteres Kompressionsverfahren namens On2 VP6. Der Sorenson Sparc Codec zeichnet sich dadurch aus, dass er sehr ressourcenschonend arbeitet und sich daher auch für schwachbrüstige Rechner eignet. Außerdem kann der Flash Player den Sparc Codec nicht nur decodieren (wiedergeben) sondern auch encodieren (aufzeichnen). Deshalb eignet sich Flash im Zusammenspiel mit dem Flash Media Server auch für Live-Übertragungen und Videochats. Für Mario Klingemann Coder/Designer bei Quasimondo.com liegt in diesen Neuerungen die Zukunft: „Die neuen Video-Codecs und der dadurch bedingte Aufstieg zum Quasi-Videostandard des Internets sind Garant für die weiter zunehmende Verbreitung und Akzeptanz des Flash Plug-ins.“ Die „AccuStream iMedia Research“-Studie von Content Delivery Networks hat zudem ergeben, dass Flash Video mittlerweile häufiger zur Erstellung und Nutzung von webbasierten Videostreams eingesetzt wird als QuickTime von Apple oder der RealPlayer von RealNetworks. Zum Beweis: Auch die führenden Video-Portale wie Google Video und YouTube setzen auf Flash.
Flash ist mehr als eine Technologie.
Flash ist nicht nur eine Technologie mit einer rasanten Entwicklung während des vergangenen Jahrzehnts. Flash hat Anhänger und Entwickler in aller Welt, die sich inzwischen zu einer Vielzahl von Communitys zusammengeschlossen haben. Sascha Wolter ist der Gründer der meistbesuchten deutschsprachigen Adobe User Group mit rund 80.000 Mitgliedern und engagiert sich unter
www.flashforum.de aktiv für die Belange der Anwender. Er meint: "Das Flash-Player-Format und das damit verbundene Autorensystem Flash hat sich den notwendigen Respekt erarbeitet: Durch Flash ist es erstmals auf einfache Art und Weise möglich gewesen, sich von der statischen Struktur des Internets zu lösen. Statt dem Blättern durch Seiten erfolgt die Bedienung von Anwendungen im Internet jetzt fließend und passt sich so den Anforderungen der Benutzer an – und nicht umgekehrt." Solche Anwender wie Sascha Wolter sind für Flash von ganz besonderer Bedeutung. Robert Raiola, Marketingdirektor von Adobe Europe hat in einem Interview einmal erklärt, warum solche Anhänger so wichtig für den Erfolg sind: "In der allerersten Version hatten wir noch nicht vor, eine Skriptsprache in Flash zu integrieren. Am Ende haben die Kommentare eines Journalisten aber dazu geführt, der sagte: 'Schade, es wäre schön, interaktive Elemente hinzufügen und Skripte verwenden zu können.' Auf diese Bemerkung hin haben die Entwickler diese Möglichkeit, kurz bevor Version 1.0 herauskam, hinzugefügt. Zweitens ist Flash ein Format, das unsere Kunden sehr oft auf unkonventionelle und originelle Art verwendet haben. Wurde es auf neue Weise eingesetzt, machte uns das klar, dass es ein ganz spezielles Bedürfnis gab, das Format oder die Werkzeuge weiterzuentwickeln."
Flash heute – Basis für Interaktivität.
Das Feedback der Anwender und Entwickler hat Flash zu dem gemacht, was es heute ist. Man könnte es mit den Worten von Ralf Bokelberg, Flex & Flash Consultant, auch so formulieren: "Es hat die Internet-Welt hübscher und interaktiver gemacht und Programmierlaien die Möglichkeit gegeben, interessante multimediale Internet-Applikationen zu erstellen." Sie machen aus der Internetnutzung ein Erlebnis, wie auch Simon Wacker, Flash-Developer, mit Blick auf die wachsende Entwicklergemeinde bestätigt: "Der neue Flash Player wird durch seine zahlreichen Verbesserungen eine Vielzahl neuer Entwickler anziehen, bei denen der Fokus nicht mehr so sehr auf der grafischen Verarbeitung liegt, sondern auf der Programmierung. (...) Der Zuwachs an Entwicklern wird zu einer steigenden Präsenz von Flash-Content im Web führen, vorwiegend in Form von Rich-Internet-Anwendungen, die statische HTML-Seiten ablösen und zu einer verbesserten User Experience führen."

Kinderspiel: Flash Professional 8 im Einsatz – Kreation von Inhalten für mobile Endgeräte.
Mittlerweile gilt die Flash-Technologie als Standard für interaktive Anwendungen mit integrierten Medien der unterschiedlichsten Art, allen voran Rich Internet Applications (kurz RIAs). Das hat Flash vor allem der großen Verbreitung des Flash Players zu verdanken. Laut einer Untersuchung von Millward Brown vom Juni 2006 sind bereits mehr als 97 Prozent aller Internetnutzer mit dem Flash Player ausgestattet. Keine andere Technologie –abgesehen von einfachem HTML – ist im Web so weit verbreitet. Adobe hat sich mit Flash auch auf ein weiteres Terrain gewagt, das ein großes Potential birgt: Die Software Flash Lite, die inzwischen in der Version 2.0 vorliegt, liefert spezielle Grundlagen für videofähige mobile Endgeräte und macht es möglich, die Videoausgabe des Gerätes zu nutzen. Das Erstellen und Testen von zukunftsträchtigen Flash-Anwendungen für mobile Endgeräte ist dabei sehr einfach.
Über die Zukunft von Flash.
Zehn Jahre ist das Format nun alt, das die (Internet-) Welt völlig verändert hat. Anfangs als Spielerei abgetan, hat Flash direkt in den Webbrowser geholt, was vorher nur auf dem Desktop möglich war. Aktuell erhältlich ist übrigens die Version Flash 8.0. Die neunte Version des Autorensystems wird vermutlich Mitte 2007 folgen, während der Flash Player 9.0 (siehe hierzu Berichterstattung in VISUAL-X Vol. 14) bereits jetzt verfügbar und mit der Entwicklungsumgebung Flex 2.0 auch nutzbar ist. Die Evolution ist mit Video, mobilen Anwendungen oder Spiele-Entwicklungen noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt. Vertraut man den Visionen von Flash-Developern wie André Michelle, werden in den nächsten Versionen ohne Zweifel Sound und 3D berücksichtigt – auf vielfachen Wunsch der Anwender. Thomas Wagner, geschäftsführender Gesellschafter der Design Assembly GmbH, der sich seit Version 4.0 mit der Technologie beschäftigt, formuliert seinen Wunsch für die Zukunft von Flash so: "Flash hat Millionen von Entwicklern immer wieder inspiriert, überrascht und gefesselt – jahrelang, nächtelang. Flash verbindet gestalterische, künstlerische Arbeit und Technik virtuos und hat sich längst als universelles Gestaltungswerkzeug etabliert. Es ist das wertvollste Werkzeug und Programm unserer Zeit. Ich wünsche diesem wunderbaren Format, dass es genauso aufwendig weiterentwickelt wird und seinen Cross-Platform-Siegeszug genauso erfolgreich fortsetzt wie bisher!"