Das iPhone: heiß diskutiert und erwartet. Ist es die Aufregung wert?
In den USA kam es bei Markteinführung des iPhone zu Belagerungszuständen vor den Apple-Shops. Blogger berichteten bereits Tage vor dem Verkaufsstart 24 Stunden live aus der Warteschlange. Angeheizt durch wilde Spekulationen über die Funktionen, das Design, den Preis und vor allem die verfügbare Stückzahl war das iPhone bereits Kult bevor es überhaupt ein Verbraucher in seinen Händen gehalten hat. Der Technik-Kritiker der New York Times, David Pogue, hat ihm sogar einen Sinatra-Song gewidmet. Gerechtfertigt?
Dem Trubel um die Markteinführung folgte ziemlich schnell die knallharte Realität des Alltags. Der Andrang der ersten Tage verflüchtigte sich schnell, als deutlich wurde, dass Apple genug iPhones in der Pipeline hatte. Jeder Geek würde seinen "Schatz" bekommen. Und gewiefte eBay-User, die darauf spekuliert haben, ihr iPhone teuer versteigern zu können, gingen leer aus. Was jedoch viel schlimmer wog, Apple hat sich mit AT&T verbündet. Das iPhone ist an einen Zweijahres-Vertrag gebunden. Ein Zustand, der so manchem Fan nicht haltbar erschien. Schnell war das Smartphone gehackt und konnte für andere Netzbetreiber freigeschaltet werden. Apple reagierte, ein Softwareupdate machte aus dem iPhone einen iBrick, die Geräte waren quasi unbrauchbar. Wenigstens Drittanbietern soll nun aber ein Development Kit zur Seite gestellt werden (Ende Februar 2008).
Mitternachtsparty vor dem T-Punkt
Die Geschichte ist voll von Wiederholungen. Am heutigen Freitag hatte das iPhone nun endlich in Deutschland seinen großen Auftritt. In Anbetracht des Andrangs in den USA, hat T-Mobile hierzulande Shuttelbusse organisiert, um die iPhone-Fans nach Köln zu transportieren. Dort mussten – eigentlich muss es heißen "durften" – die T-Com-Mitarbeiter eine Nachtschicht einlegen, um den "Jüngern" à la Harry Potter-Manier das iPhone um Mitternacht in die Hand zu drücken. Einige Hundert sollen auch gekommen sein. Und die
Telekom hat sich nachhaltig um ihre neuen Kunden gekümmert. Aufgrund der derzeitigen Nachttemperaturen gab es für die Schlangesteher Decken und heiße Getränke. Das erinnert irgendwie an eine nicht ganz freiwillige ADAC-Stauparty. Apropos Stau, die Busse nach Köln standen nicht im Stau, aufgrund fehlenden Interesses wurde der Shuttleservice abgesagt.
Man kann sich denken, wie der Andrang in Deutschland auf die T-Mobile-Stützpunkte ausgesehen haben muss – verhalten. Gut vorbereitet waren die Mitarbeiter dennoch. In Frankfurt wurden die Kunden mit Orangensaft begrüßt und bekamen zum Glas gleich eine Lektüre: die Telekom Shop News in DIN A3-Format. "Das iPhone von Apple vereint drei erstaunliche Produkte in einem kleinen, handlichen Gerät: ein revolutionäres Telefon, ein Breitbild-iPod mit Multitouch-Bedienung und ein wegweisendes Internetgerät." Und natürlich erfährt man, was einen der Spaß kostet, zwischen 50 und 90 Euro im Monat. Allerdings nur, wenn man sich auf die in seinem Paket verfügbaren Gesprächsminuten und SMS beschränken kann. Etwas tricky, gerade der Internetzugang macht das iPhone so interessant. Der aber ist begrenzt, auch wieder in Abhängigkeit vom gewählten Tarifpaket. Ab einem Datenvolumen von 200 MB (im günstigsten M-Paket), 1 GB (im mittleren L-Paket) und 5 GB (im teuren XL-Paket) pro Monat wird die Bandbreite im jeweiligen Monat auf maximal 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt. Während man sich beim XL-Paket wohl kaum Sorgen um den Download machen muss, dürfte man die Grenze des M-Paktes schnell ausgereizt haben. Insgesamt gilt, günstig ist das Vergnügen nicht.
Frostbeulen werden mit dem wichtigsten Gadget des Jahres belohnt
Konnte man dem Flehen seines Herzen nach dem neuesten und sicherlich bedeutendstem Gadget dieses Jahres nicht standhalten und hat sich vielleicht, nicht wohlüberlegt, aber mit spontanem Freudentaumel verbunden, ein iPhone geholt, dann dürfte folgen, was jeder Besitzer von Apple-Produkten kennen wird. Man reißt die Schutzfolie der Verpackung nicht auf, man öffnet sie. Der Deckel der Kubus-artigen Schachtel gleitet sanft nach oben und dann liegt es da, strahlend und unschuldig und der Raum füllt sich mit dem Duft von etwas Neuem.
Es folgt die Anmeldeprozedur:
- 14.10: iPhone zum ersten Mal mit dem PC verbunden.
- 14.11: Mist, iTunes 7.5 ist nicht auf dem Rechner. Also 50 MB downloaden.
- 14.21: Na endlich, Download abgeschlossen.
- 14.22: Dateien werden geladen, gelöscht, verschoben. Verknüpfungen erstellt und wieder gelöscht. Der Speicherbedarf ermittelt, Sicherungsdateien entfernt.
- 14.33: Glückwunsch, iTunes 7.5 ist installiert. PC neu starten.
- 14.40: Endlich kann es losgehen.
- 14.41: iPhone Softwarelizenz akzeptiert.
- 14.42: Anmeldeprozedere
- 14.48: Meine Rufnummer: *****************
- 14.50: Fertig! Das iPhone ist einsatzbereit.
Der Mobilfunkmarkt wird sich verändern
Der erste Eindruck: Der Bildschirm ist beeindruckend, die Darstellung gestochen scharf. Die Bedienung über den Touchscreen kinderleicht. Schwierigkeiten könnte man bekommen, wenn man etwas "mächtigere" Finger hat. Vor allem wenn es darum geht, eine SMS zu tippen. Da bekommen selbst Menschen mit schlanken Fingern Probleme, einfacher und fehlerfreier geht es nach dem Ein-Finger-Suchsystem. Und schnell wird leider ein weiteres Problem ganz deutlich. Der Bildschirm zieht den Schmutz von den Fingern förmlich an. Ein paar Tasten hier und da gedrückt und das ganze Display ist verschmiert. Die Funktionsweise wird dadurch nicht beeinträchtigt und auch die Darstellung ist weiterhin perfekt. Aber schlierenfrei ist nun einmal besser und schöner. Wer ein iPhone besitzt, der dürfte schnell zum Putzteufel werden.
Dennoch, mit dem iPhone hat Apple wieder einmal seine Innovationsfähigkeit eindrucksvoll bewiesen. Sicher, perfekt ist das Smartphone noch nicht, aber es ist auch das erste Modell. Es bleibt also noch Spielraum für ein paar Verbesserungen. Und Felder sind auf dem Touchscreen ja noch frei. Eines hat Apple aber schon jetzt ganz deutlich gemacht. Auch Handys können einen wirklich schönen Auftritt haben. Dabei muss die Funktion dem Design in nichts nachstehen. Im Gegenteil, das User Interface sucht seinesgleichen. Den anderen Handy-Herstellern muss man vorwerfen, Trends und Konzepte verschlafen zu haben. Damit dürfte sicher sein, dass das iPhone auch in Deutschland ein Erfolg wird.