Freitag, 9. Januar 2009 |
Die Kommentare zur Telekom-Schnüffelei und Reaktionen darauf, die praktische Anwendung von ARP-Poisoning und natürlich der kommende Patchday von Microsoft sind Themen des heutigen Standpunkt Sicherheit.
Ich habe lange überlegt, ob ich zur Telekom-Schnüffelaktion etwas schreiben soll oder nicht. Inzwischen ist es nicht nur die Telekom, nein, auch die Bahn und die Lufthansa haben mal ein bisschen rumgeschnüffelt. Wundert sich eigentlich wirklich jemand ernsthaft darüber, dass ein Unternehmen die eigenen Daten für eigene Zwecke nutzt? Bekanntlich macht Gelegenheit Diebe, und bei angehäuften Daten macht Gelegenheit halt auch Schnüffler. Wenn jemand der Meinung ist, sich verteidigen zu müssen, wird er natürlich alle Mittel nutzen, die ihm zur Verfügung stehen. In diesem Fall halt auch die eigenen Datenbanken.
Interessant finde ich, was für tolle Ideen nach dem Bekanntwerden der Schnüffelei auftauchen:
Das Problem ließe sich teilweise technisch lösen, indem die anfallenden Daten verschlüsselt werden. Wobei es dabei wieder das im ersten Punkt angesprochene Problem der lokalen Kopien gibt: Wer gegen ein Gesetz verstoßen will, wird sich die benötigten Daten einfach vor der Verschlüsselung besorgen. Für einen Innentäter, und um die geht es hier ja, wird das kein besonders großes Problem sein. Ansonsten kann eine Verschlüsselung, bei der der verwendete Schlüssel im Rahmen eines Secret Sharing auf mehrere mehr oder weniger vertrauenswürdige Instanzen aufgeteilt wird, unbefugte Zugriffe auf die Daten verhindern. Als mögliche Inhaber der Teilschlüssel bieten sich z.B. ein Vertreter des jeweiligen Kommunikationsunternehmens, des örtlich zuständigen Gerichts und der zuständigen Datenschutzbehörde (die dann nicht das Innenministerium o.Ä. sein darf) an. Nur wenn alle Schlüsselinhaber gemeinsam agieren, können die Daten entschlüsselt werden.
Noch einfacher wäre es natürlich, nur die zur Abrechnung unbedingt notwendigen Daten überhaupt zu erfassen und alle anderen sofort zu löschen. Aber unsere Innenpolitiker suchen ja bekanntlich den Super-DAT. Naja, lassen wir das. Fast, denn einen Punkt gibt es, der passt so gut, der muss jetzt einfach kommen: Das Ergebnis einer Forsa-Umfrage, nach der die Vorratsdatenspeicherung sensible Gespräche, z.B. Anrufe bei Beratungsstellen, verhindert. Wer also meint, er brauche die Vorratsdatenspeicherung zur Bekämpfung von was auch immer, muss sich jetzt vorwerfen lassen, dass dadurch auch die Nutzung teilweise lebenswichtiger Hilfsangebote behindert wird. Ob das einige Leute zum Umdenken bringt?
Die Homepage des Exploit-Frameworks
Metasploit
ist das
Opfer
eines
ARP-Poisoning-Angriffs
geworden. Im ARP-Cache des Servers für www.metasploit.com
wurde die IP-Adresse des Routers so manipuliert, dass sich der Angreifer als
Man-in-the-Middle in die Kommunikation
einschalten
konnte. Parallel lief ein DoS-Angriff (SYN-Flooding, siehe About Security
#58)
gegen die meisten öffentlichen Angebote des Servers. Als
Gegenmaßnahme hat H D Moore, der Betreiber von Metasploit, die
ARP-Adresse des richtigen Routers statisch eingetragen. Ob es sich um einen
gezielten Angriff gegen Metasploit handelte oder ob der Server
zufällig mit betroffen war (das Netzwerk enthält ca. 250 Server),
ist nicht bekannt.
Bisher wurde ARP-Poisoning hauptsächlich zum Ausspähen von Daten eingesetzt, die Veränderung von Daten ist relativ neu. Das Chinese Internet Security Response Team (CISRT) wurde im Oktober 2007 das erste prominente Opfer entsprechender Angriffe, damals wurde Schadcode in die Seiten integriert.
Zur Absicherung der eigenen Server gehört also auch der Schutz vor ARP-Poisoning-Angriffen: Statische Einträge lassen sich nicht vergiften, erfordern allerdings mehr oder weniger viel Verwaltungsaufwand.
Am Dienstag ist es wieder soweit: Microsoft hat Patchday, das eine oder andere Microsoft-Produkt danach ein paar Schwachstellen weniger. Diesmal wurden sieben Bulletins angekündigt. Drei kritische Bulletins betreffen die Ausführung beliebigen Codes aus der Ferne in Bluetooth, Internet Explorer und DirectX. Ein wichtiges Bulletin betrifft eine Privilegieneskalation in WINS, zwei weitere DoS-Schwachstellen in Active Directory und PGM. Den Abschluss macht das "moderate" Bulletin mit den hübschen Namen "Kill Bit Bulletin", das die Ausführung beliebigen Codes unter Windows betrifft. Bei dem Namen liegt es nahe, das einige ActiveX-Controls ein gesetztes Kill-Bit spendiert bekommen. Mögliche Kandidaten gab es in letzter Zeit ja reichlich, und das ganz ohne "Month of ActiveX-Bugs". Ich bin gespannt, wer/was da aus dem Verkehr gezogen wird.
Carsten Eilers